Die erste Crew der Enterprise, auf Sendung seit 8. September 1966, vereinte Nationalitäten, Hautfarben und Kontinente. Mit Lieutenant Commander Spock (Leonard Nimoy, vorn rechts) war sogar ein Außerirdischer dabei. Das Kommando hat Captain Kirk (William Shatner, Mitte). · Foto: akg-images / Album / Paramount TV
Als die Serie „Star Trek“ die US-amerikanische und schließlich auch die globale Fernsehwelt eroberte, vereinte sie Technikenthusiasten, Hippies und Bürgerrechtler in ihrer Begeisterung, denn diese Zukunftsvision barg die Hoffnung, dass sich alle Kämpfe eines Tages auszahlen würden.
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Die „USS Enterprise“ gleitet im 23. Jahrhundert durch die vom vereinzelten Funkeln ferner Sterne durchbrochene Finsternis des Weltraums. Man hört das gleichmäßige Brummen der Motoren. Die Kamera nähert sich dem höchsten Punkt des Raumschiffes, einer Kuppel, die sich einen Moment später als Kommandobrücke entpuppt. Hier sitzen Uniformierte an Steuerpulten. Das Brummen der Motoren weicht dem Piepen und Zirpen der Apparaturen. „Schaltkreise überprüfen“, befiehlt ein Mann, der soeben hinzutritt.
Seine Augenbrauen sind eigenartig geschwungen, aber besonders auffällig sind seine Ohren. Sie laufen spitz zu wie die eines Elfen. Und tatsächlich handelt es sich bei diesem Offizier nicht um einen Menschen, sondern um einen Außerirdischen, genauer gesagt um einen Mann vom Planeten Vulkan: Lieutenant Commander Spock. Der Kapitän, der neben ihm sitzt und stoisch den Bildschirm vor sich betrachtet, ist allerdings nicht Captain James T. Kirk, sondern Captain Christopher Pike, gespielt von Jeffrey Hunter. Einiges sollte sich an Bord der Enterprise noch verändern, bevor die Welt sie zu sehen bekam.
Die Folge trug den Titel „The Cage“ („Der Käfig“), und sie sollte eigentlich die Pilotfolge einer neuen Science-Fiction-Serie werden: Star Trek. Doch daraus wurde nichts. Den Verantwortlichen vom US-amerikanischen Fernsehsender NBC gefiel „The Cage“ zwar durchaus; sie befanden jedoch, dass Star Trek – so wie sie es hier zu sehen bekamen – zu vergeistigt sei, nichts für das Massenpublikum, das sie bedienen wollten. Damit hätte die Geschichte von Star Trek schon zu Ende sein können.
Die USS Enterprise verfügt über Warp-Antrieb, der durch Krümmen der Raumzeit das Erreichen von Überlichtgeschwindigkeit ermöglicht. · Foto: akg-images
Die Ablehnung der Pilotfolge 1965 konnte für den Star-Trek-Schöpfer Gene Roddenberry bei aller Enttäuschung keine große Überraschung sein. Herbert Solow, der für das Filmstudio Desilu Productions (ab 1967 Paramount Television) arbeitete, das Star Trek produzierte, wusste genau, was für den Erfolg einer TV-Serie ausschlaggebend war – schließlich hatte er selbst bis vor Kurzem bei NBC gearbeitet. Er wusste, dass die drei großen Sender NBC, CBS und ABC, die das US-Publikum unter sich aufteilten, in erster Linie nach einem suchten: seichter Unterhaltung, die niemanden verschreckte. Es ging darum, mindestens ein Drittel der Fernsehzuschauer, die aus reiner Gewohnheit vor dem Fernseher saßen, davon abzubringen, ab- oder umzuschalten. Jede Irritation, jedes noch so kleine Experiment konnte dabei zum Hindernis werden.
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Solow, der sich mit Roddenberry zusammentat, nachdem dieser bereits von CBS eine Absage erhalten hatte, wollte deshalb dafür sorgen, dass Star Trek nicht allzu andersartig wirkte. Es sollte das etwas außer Sicht geratene Genre Science Fiction für NBC wiederbeleben, dabei aber gleichzeitig bekömmlich und vertraut daherkommen. Solow hatte Roddenberry im Vorfeld von „The Cage“ bereits zu teils beträchtlichen Veränderungen bewegen können, so hätte etwa Spock ursprünglich rote Haut und einen langen Schwanz haben sollen – ein fremdartiger Look, den man gerade dem christlich-konservativen Teil der Zuschauerschaft nicht zumuten wollte.
Roddenberry war ein relativer Newcomer in der Szene. Der Quereinsteiger hatte als Pilot gearbeitet – zuerst bei der Air Force und dann bei Pan Am – und war schließlich Polizist geworden. Als selbstständiger Autor war er seit zehn Jahren tätig, und er hatte bei Shows wie „Highway Patrol“ und „West Point“ mitgewirkt. Star Trek dagegen war eine andere Gewichtsklasse, und Roddenberry brauchte die Erfahrung und die Verbindungen Solows. Die Ratschläge des Insiders beherzigte er, als es darum ging, die Serie bei NBC anzupreisen; er vergaß sie allerdings wieder, als er „The Cage“ schrieb. Das Ergebnis war ganz Roddenberry, passte aber in den Augen der NBC-Oberen nicht in die TV-Landschaft. Trotzdem war da etwas, das sie zögern ließ, das Projekt gänzlich zu begraben. Star Trek wurde etwas gewährt, das vollkommen ungewöhnlich war: Roddenberry durfte einen neuen Pilot produzieren. Er bekam eine zweite Chance.
Die Kommunikationsoffizierin Lieutenant Uhura (Nichelle Nichols) und Captain Kirk verbindet mehr als nur eine Arbeitsbeziehung. · Foto: picture alliance / Captital Pictures / CAP/PLF
Diesmal machte er alles richtig. Es entstand „Where No Man Has Gone Before“ (im Deutschen bekam die Folge den Titel „Die Spitze des Eisberges“). Besetzung und Besatzung hatten sich etwas geändert. Besonders wichtig: Auf dem Kapitänssessel nahm nun Captain Kirk Platz, gespielt von William Shatner. Die Bühnen- und vor allem Shakespeare-Erfahrung Shatners sollte für Star Trek prägend werden. Seine Präsenz, sein ausgreifendes Spiel und seine Emotionalität gaben der Serie etwas Episches.
Der neue Pilot mit dem neuen Captain konnte NBC überzeugen. Die Enterprise würde fliegen. Aber ganz gleich, wie weit sie sich auch in den Weltraum vorwagte – nichts, was auf ihr geschah, entging den wachsamen Augen der sendereigenen Qualitätskontrolle. Jedes noch so vorsichtige Fluchen wurde gestrichen; aufreizende Tänze durften nicht vorkommen. Während Solow sich keine Illusionen darüber machte, dass diese Einmischungen zum Alltag in der Fernsehindustrie gehörten, entwickelte Roddenberry eine zunehmende Abneigung gegen NBC. In den kommenden Jahren breitete er immer wieder öffentlich seine Version der Dinge aus, nämlich die, dass er sich tag-ein, tagaus mit unkultivierten Zensoren herumschlagen musste.
Als Star Trek endlich ausgestrahlt wurde, zeichnete sich schnell ab, dass die Einschaltquoten nicht ausreichten, um den Fortbestand der Serie zu garantieren. Zwar zeigte sich, dass gerade gebildete, oft technikaffine junge Männer regelmäßig begeistert einschalteten; Produktion und Vermarktung waren Mitte der 1960er allerdings noch nicht darauf ausgerichtet, spezifische Zielgruppen zu bedienen. Wenn die Masse nicht einschaltete, dann musste man von einem Misserfolg sprechen. Entsprechend sollte nach zwei Staffeln Schluss sein.
„Klassentreffen“ anlässlich der Einführung des Space-Shuttle-Prototyps „Enterprise“ im Jahr 1976. Anwesend war auch der kreative Kopf, Gene Roddenberry (brauner Anzug). · Foto: Bridgeman Images / Everett Collection
Als die Nachricht der bevorstehenden Absetzung jedoch die Fans erreichte, kam es zu Protest. Roddenberry erzählte später, eine Million Briefe seien bei NBC eingegangen. In Wahrheit waren es wohl 12 000, aber selbst das war gewaltig. NBC zeigte sich beeindruckt und verkündete die Produktion einer dritten Staffel. Dass Roddenberry selbst maßgeblich zur Mobilisierung der Fans beigetragen hatte, erfuhr man erst später. Neben den gleichbleibend niedrigen Quoten trug diese Erkenntnis dazu bei, dass Star Trek nach der dritten Staffel nicht mehr zu retten war.
So schien es jedenfalls. Star Trek ging nun in die Zweitverwertung; die Rechte landeten nun also bei lokalen Sendern und in Übersee. Und der Erfolg war gewaltig. Die Star-Trek-Fangemeinde wuchs stetig, und je größer sie wurde, desto lauter wurden Rufe, die forderten, die Serie fortzusetzen. Die Gründe für die Begeisterung waren vielfältig: Zum einen war da die Raumfahrteuphorie. 1969, als Star Treks dritte Staffel ausgestrahlt wurde, brachte Apollo 11 erstmals Menschen auf den Mond. Der Glaube an eine goldene Zukunft durch Wissenschaft und Technik war so stark wie nie zuvor.
Aber Star Treks Zukunftsvision war nicht nur technikorientiert, sie war auch politisch. Zu einer Zeit, in der in Südostasien der Vietnamkrieg tobte, die Bürgerrechtsbewegung in den USA gegen Rassentrennung kämpfte und die Welt vor einer Eskalation des Kalten Krieges zitterte, schrieb Roddenberry über eine interplanetare Föderation, in der ethnische Gleichheit herrschte und Konflikte nur im äußersten Notfall mit Gewalt gelöst wurden. Rassismus, Imperialismus und Unterdrückung kamen zwar regelmäßig vor, blieben aber Phänomene, die nur außerhalb der Föderation stattfanden und bei den Crew-Mitgliedern der Enterprise auf Unverständnis stießen.
Pflichtstation für alle „Trekkies“, wie sich die Fans der Star-Trek-Reihe selbst bezeichnen: Roddenberrys Stern auf dem berühmten „Walk of Fame“ in Hollywood. · Foto: mauritius images / Barry King / Alamy / Alamy Stock Photos
Eine solch optimistische Zukunftsvision konnte die unterschiedlichsten Menschen zusammenführen – Ingenieure und Hippies gleichermaßen. In der Star-Trek-Folge „Whom Gods Destroy“ („Wen die Götter zerstören“, 1969) sagt Captain Kirk über die Gründer der Föderation: „Sie waren Humanisten und Staatsmänner, und sie hatten einen Traum. Einen Traum, der Wirklichkeit wurde und sich bis zu den Sternen ausbreitete – einen Traum, der Mr. Spock und mich zu Brüdern machte.“
Die Föderation war die Vervollkommnung des edelsten politischen Anliegens, für das schon Abraham Lincoln gekämpft hatte. Star Trek war unverkennbar mehr als seichte Unterhaltung. Als die afroamerikanische Schauspielerin Nichelle Nichols, die in der Serie Lieutenant Uhura verkörperte, darüber nachdachte, Star Trek zu verlassen, überzeugte sie kein Geringerer als der Bürgerrechtler Martin Luther King davon, die Stellung zu halten – zu wichtig sei ihre Vorbildfunktion.
Mitte der 1970er Jahre war Star Trek ein derart wirkmächtiges kulturelles Phänomen geworden, dass Paramount Pläne schmiedete, mit der Serie als Speerspitze einen vierten US-weiten Fernsehsender aufzubauen. „Star Trek: Phase II“ scheiterte jedoch noch in der Planungsphase, weil die Verantwortlichen letztlich doch davor zurückschreckten, NBC, CBS und ABC direkte Konkurrenz zu machen. Stattdessen verlegte sich Paramount darauf, Star Trek ins Kino zu bringen. 1979 war es so weit: Zehn Jahre nach der Absetzung war die Crew der Enterprise wieder vereint. „Star Trek: Der Film“ sorgte für ausgezeichnete Einspielergebnisse und bestärkte Paramount darin, seine Zukunft eng an Star Trek zu knüpfen.
„Star Trek – The Next Generation“: Die Mannschaft der neuen Enterprise um Captain Jean-Luc Picard (Patrick Stewart, vorn sitzend, Mitte). · Foto: akg-images / Album
1987 ging es schließlich auch im Fernsehen weiter mit Star Trek. Eine neue Enterprise mit einer neuen Crew, angeführt von Captain Jean-Luc Picard (Patrick Stewart), machte sich auf, „in Galaxien vorzudringen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat“, wie das berühmt gewordene Intro der Serie ankündigte. Gene Roddenberry und die anderen Autoren hatten nun nicht mehr mit Zensoren zu kämpfen. Bestimmend war dennoch bald nicht mehr Roddenberry, sondern Rick Berman, der insbesondere nach dem Tod Roddenberrys im Jahr 1991 von aufgebrachten Fans beschuldigt werden sollte, das Erbe und die Vision Roddenberrys nicht mehr zu respektieren.
Unter Bermans Leitung wurde Star Trek zum wertvollsten Eigentum Paramounts, das heute aus unzähligen Filmen, Serien, Computerspielen, Comics und Büchern besteht – einschließlich der neuesten Serien, deren Entwicklung Alex Kurtzman verantwortet und die gänzlich auf Abstand zu der vormals so erfolgreichen Zukunftsvision einer aufgeklärten Föderation gegangen sind. Gesellschaftliche, soziale und politische Probleme sind hier nicht mehr etwas, das primär außerhalb der Föderation stattfindet, sondern stets in ihrem Kern.
Diese Phase könnte, mit dem auslaufenden Vertrag von Alex Kurtzman Ende 2026, ein Ende finden, und vermutlich wird sich Paramount bald darauf konzentrieren, Star Trek wieder auf die große Kinoleinwand zu bringen.
Geschichte zum Hören
Zum Thema dieses Artikels gibt es auch einen Podcast! Näheres dazu unter: www.damals.de
Dr. David Neuhäuser
arbeitet als Historiker und freier Journalist. Er ist einer der beiden Moderatoren des DAMALS-Podcasts.
Literatur
Roberta E. Pearson/Máire Messenger Davies, Star Trek and American Television. Berkeley/Los Angeles/London 2014.
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