Wie konnte Compostela, eine Stadt am westlichen Rand Europas, überhaupt zu einem bedeutenden Pilgerort werden? Sollte man Jakobus geographisch nicht eher mit Palästina verbinden? So legt es zumindest die Apostelgeschichte (12, 1– 2) nahe: „Um jene Zeit ließ der König Herodes einige aus der Gemeinde verhaften und misshandeln. Jakobus, den Bruder des Johannes, ließ er mit dem Schwerte hinrichten.“
Doch in Bezug auf das Grab des Jakobus setzte sich eine andere Tradition durch. Ausgangspunkt war die Vision eines Eremiten im Nordwesten der Iberischen Halbinsel Anfang des 9. Jahrhunderts: Himmlische Zeichen führten ihn den Weg zu einem Grab, das man dem heiligen Jakobus zuordnete. Die Nachricht machte die Runde und war auch deshalb sensationell, weil im lateinischen Westen außer den römischen Ruhestätten von Petrus und Paulus kein Apostelgrab näher bekannt war.





