Als Karl August Hardenberg im Juni 1810, kurz nach seinem 60. Geburtstag, zum Staatskanzler berufen wurde, verlor er keine Zeit. Mit ungeheurer Energie setzte er sich dafür ein, den Staatshaushalt des verschuldeten Preußen zu sanieren. Seine Reformpolitik zielte auf eine tiefgreifende Modernisierung des maroden Staates. Als Anhänger der liberalen Wirtschaftstheorie von Adam Smith sah Hardenberg die eigentlichen Triebkräfte der Produktivität im freien Wettbewerb zwischen den Individuen. Daher wurden in verschiedenen Reformen von Oktober 1810 bis September 1811 Mo?nopole und Privilegien aufgehoben. Befähigungsnachweise, Konzessionen oder Zulassungen zu einer Zunft waren nun nicht mehr notwendig, um ein Gewerbe zu betreiben. Die Zünfte als ein Zwangsverband hatten ausgedient, sie existierten gleichwohl als private Vereinigungen weiter. Die Hardenbergschen Ideen waren nicht nur wirtschaftspolitisch radikal, sie brachen auch mit der herkömmlichen Sozialordnung. Am wirtschaftlichen Aufschwung sollte nun auch die breite Bevölkerung teilhaben. So heißt es im „Edikt zur Beförderung der Landeskultur“ vom 14. September 1811: „Es ist … höchst erfreulich, daß wir endlich dahingekommen sind, alle Teile unserer getreuen Nation in einen freiern Zustand versetzen und auch den geringsten Klassen die Aussicht auf Glück und Wohlstand eröffnen zu können.“





