In Capua, gleichsam am Eingang in sein Königreich Sizilien, ließ Kaiser Friedrich II. zwischen 1234 und 1239 ein Brückenkastell errichten, dessen Pläne er, so überliefert es der Chronist Richard von San Germano, eigenhändig gegenzeichnete. Es bestand aus zwei dicken runden Türmen und einem Portalbogen, dessen Außenfront mit bemerkenswerten Skulpturen versehen war (ein Teil befindet sich heute im Museo Campano in Capua). In einem der ältesten Zeugnisse zu den Skulpturen, dem Bericht des Kaplans Andreas von Ungarn von 1266, heißt es dazu, Friedrich habe sein Bild zur ewigen und unsterblichen Erinnerung in Stein hauen lassen: „suam ymaginem in eternam et immortalem memoriam sculpi fecit“…
Mehrere Skizzen in einer dem Veroneser Humanisten Fra’ Giovanni Giocondo zugeschriebenen und auf 1507 datierten Inschriftensammlung ergänzen die Rekonstruktion des Portalprogramms: Eine Zeichnung zeigt das Figurenprogramm insgesamt (siehe Abbildung), eine weitere gibt die Inschriften wieder, welche die drei Rundnischen einrahmten. Sie sind eine wichtige Quelle für die Interpretation der drei antikisch wirkenden Büsten in den Rundnischen. Die weibliche Büste gilt als Personifikation der Capua Fidelis (Treue Capuas) bzw. als Justitia (Gerechtigkeit), die beiden als Thaddeus von Suessa und Petrus de Vinea identifizierten Büsten sollten wohl eher Richter darstellen.
Dank dieser Inschriftensammlung war es möglich, ein vor wenigen Jahren in einem der Turmstümpfe des Brückentors gefundenes Inschriftenfragment eindeutig der rechten Richterbüste zuzuordnen. Das Fragment zeigt die Buchstaben „DI“ mit Interpunktionszeichen, die zu dem Titulus „Infidus excludi timet, carcere trudi“ (der Treulose fürchte Bann und Kerkerhaft) gehören. Sehr bemerkenswert ist auch die Technik des Epigraphs: Die in den Marmorblock gemeißelten Buchstaben waren mit Bronze ausgelegt – eine antike, für das Mittelalter dagegen kaum belegte Technik. Bronze galt seit der Antike als eines der kostbarsten Materialien überhaupt, da es als eine Verbindung von Gold, Silber und Erz und damit der drei antiken Geldwährungen angesehen wurde…
Literatur: Hubert Houben, Kaiser Friedrich II. (1194 –1250). Herrscher, Mensch und Mythos. Stuttgart 2008. Kai Kappel / Dorothee Kemper / Alexander Knaak (Hrsg.), Kunst im Reich Kaiser Friedrichs II. von Hohenstaufen. München / Berlin 1996.
Dr. Irmgard Siede





