Der spanische Konquistador Hernando de Soto war im frühen 16. Jahrhundert maßgeblich an der Eroberung Panamas, Nicaraguas und Perus durch die Spanier beteiligt. Ab 1539 führte er dann eine der größten Expeditionen der Konquistadoren durch den Südosten der heutigen USA durch. Mit 600 Mann, hunderten Pferden, Schweinen und schwerer Ausrüstung zog de Soto nach seiner Landung an der Westküste von Florida plündernd und mordend nach Norden – immer auf der Suche nach angeblichen Goldschätzen.
Von den Chickasaw in die Flucht geschlagen
Nachdem die Konquistadoren im Südosten nicht fündig wurden, wandten sie sich Richtung Westen und trafen 1540 östlich des Mississippi auf den Stamm der Chickasaw. Die Begegnung verlief zunächst friedlich, nachdem die Indianer unter Leitung von Chikasha Minko den Spaniern ein Dorf als Wohnstätte zum Überwintern überlassen hatten. Doch im Laufe der Zeit stiegen die Spannungen. Als dann de Soto von den Chickasaw verlangte, dass ihm hunderte Indianer als Träger für den nächsten Abschnitt seiner Expedition zur Verfügung stehen sollten, hatten Chikasha Minko und sein Stamm genug: Sie griffen das spanische Dorf in einer nächtlichen Attacke an und schlugen die Europäer in die Flucht. Wenig später folgte ein zweiter Angriff, bei dem die Spanier erneut verloren.
Den Chickasaw brachten diese Siege lange Zeit Ruhe vor den Konquistadoren: Rund 150 Jahre lag blieben sie nahezu unbehelligt. Später gehörten sie zu den sogenannten “fünf zivilisierten Nationen” – fünf Indianerstämmen, die sich an die amerikanisch-europäische Kultur angepasst und das Christentum als Religion angenommen hatten. Trotzdem wurden sie 1831 zusammen mit den anderen Stämmen umgesiedelt und mussten ihre Heimat verlassen. Auf der Suche nach ihren Wurzeln hat die Chickasaw Nation inzwischen Archäologen beauftragt, im alten Stammesgebiet am Mississippi nach Relikten ihrer Vorfahren zu forschen.
Konquistadoren-Gegenstände umfunktioniert
Als das Team um Charles R. Cobb im Rahmen dieser Ausgrabungen auch Metalldetektoren einsetzte, machten sie einen überraschenden Fund: Obwohl die Chickasaw keine Metalle verarbeiteten und ihre Werkzeuge, Waffen und Alltagsobjekte aus Knochen, Stein oder Pflanzenmaterial fertigten, schlugen die Detektoren an Dutzenden Stellen der ehemaligen Indianersiedlung an. Insgesamt förderten die Forscher mehr als 80 Metallobjekte zutage. “Wir konnten diese Fülle kaum glauben”, sagt Cobb. “Typischerweise finden wir bei solchen Ausgrabungen nur eine Handvoll von europäischen Objekten, die dann meist einer Person mit hohem Status gehörten.” Gleichzeitig ist dieser in der Nähe des einstigen Chickasaw-Hauptorts Chikasha gelegene Fundort erst der zweite in den USA, der eindeutige Relikte von de Sotos Expedition zutage fördert.





