Die 1882 in Metz geborene Gerta wuchs in verschiedenen Städten auf und machte 1904 ihr Abitur in Berlin, obwohl sie dafür eigentlich als „zu dumm, zu schüchtern und zu kränklich“ galt. Noch im selben Jahr begann sie entgegen den Erwartungen ihrer Eltern das Studium der Physik und der Botanik. 1911 promovierte sie in Straßburg und arbeitete in den folgenden Jahren an verschiedenen Universitäten als Assistentin, bis sie 1923 habilitiert wurde. Sie war damit Heidelbergs erste Professorin. 1933 wurde ihr aufgrund ihrer jüdischen Vorfahren von den Nationalsozialisten die Lehrerlaubnis entzogen. Sie folgte daraufhin einem Ruf nach Brasilien, wo sie in São Paulo am Instituto Butantan als Abteilungsleiterin für Vererbungslehre arbeitete. Im Jahr 1952 kehrte sie nach Heidelberg zurück, wurde jedoch an der Universität nicht wieder aufgenommen. Sie klagte auf Wiedergutmachung und erhielt nach langem juristischem Kampf eine Rente. 1965 starb sie in Heidelberg.
Die Lebenserinnerungen Gerta von Ubischs bieten spannende Erkenntnisse auf ihre Sicht des Kaiserreiches und ihre Rolle als Frau in der militarisierten Gesellschaft. Auch der tiefe Einschnitt, den die Machtübernahme der Nationalsozialisten für sie wie für so viele andere Menschen bedeutete, wird deutlich. Ihr Leben im Exil gibt Einsichten in die Schwierigkeiten, sich in der Fremde zurechtzufinden. Ihre einzige Perspektive blieb die Rückkehr in die Heimat.
Die Herausgeber editieren die Quelle nach wissenschaftlichen Kriterien. Die eigentliche Lebenserzählung der Professorin wird durch Hintergrundartikel eingebettet. So werden Teile ihre Lebenserinnerungen im zweiten Teil des Buches wissenschaftlich reflektiert: Armin Schlechter ordnet von Ubischs Biographie in den Kontext der Zeit ein und vergleicht ihre Lebensgeschichte mit anderen Exilbiographien. Michael Roth stellt Gerta von Ubisch in ihren Familienzusammenhängen vor, und der Jurist Uwe Pirl verdeutlicht die Schwierigkeiten, mit denen Gerta von Urisch bei ihrem Entschädigungsantrag in der Bundesrepublik konfrontiert war.
Alles in allem bleibt ein abgerundeter Gesamteindruck des vielseitigen Lebens einer spannenden Frau zurück, der auf nachfolgende ähnliche Projekte hoffen lässt.
Rezension: Jette Nagel





