Während etwa der ehemalige Franziskaner Johannes Schwan aus Basel die Witwe eines Straßburger Druckers heiratete und damit finanziell abgesichert war, hatte es François Lambert aus Avignon deutlich schwerer: Er versuchte, seinen Lebensunterhalt als Bäcker zu bestreiten, was misslang. Nach mehreren Ortswechseln erhielt er schließlich ein Lehramt an der Universität Marburg.
Martin Bucer konnte zwar zunächst auf legalem Weg sein Dominikanerkloster in Schlettstadt verlassen und als „Weltpriester“ wirken, doch seine Ehe mit einer ehemaligen Nonne führte zu massiven Protesten in Straßburg. Ihm halfen schließlich seine guten Kontakte zu reformatorischen Kreisen, so dass er zum Reformator Straßburgs und des Elsass werden konnte.
Der Konstanzer Ambrosius Blarer schließlich verließ heimlich sein Kloster und suchte bei Bucer Unterstützung. Dieser drängte seinen Glaubensfreund zu heiraten – sehr zu dessen Missvergnügen. Erst 1533 willigte Blarer widerstrebend ein. Das reformatorische Ideal des Hausvaters setzte ehemalige Mönche durchaus unter Druck, vor allem, wenn sie schon in vorgerücktem Alter waren. Mit dem Klosteraustritt waren für die Betroffenen also neue Freiheiten verbunden, aber auch neue Zwänge.
Autorin: Dr. Heike Talkenberger





