Ob Wirtshaus oder Kirche, Rathaus oder Marktplatz, all diesen Orten ist gemeinsam, daß sie als öffentliche Räume in der frühneuzeitlichen Stadt fungierten. Hier wurden Neuigkeiten weitererzählt, Geschäfte verhandelt, Konflikte ausgetragen, obrigkeitliche Ankündigungen verlesen, kurz, hier fand die öffentliche Kommunikation statt. Diesem Thema widmet sich der aufschlußreiche Sammelband „Zwischen Gotteshaus und Taverne“, den Susanne Rau und Gerd Schwerhoff von der Technischen Universität Dresden herausgegeben haben. In der Einleitung werden einige Leitfragen angesprochen, wie die nach der Unterscheidung von öffentlich und privat oder der Präsenz von Frauen im öffentlichen Raum. Die 16 oft sehr anschaulichen Beiträge ermöglichen differenzierte Einblicke in das städtische Alltagsleben, wenn sie etwa das Wirtshaus als Schauplatz von Schlägereien oder Bibelzirkeln zeigen, die Auseinandersetzungen um die Plazierung von Frauen im Kirchenraum charakterisieren oder der Sicht- und Hörbarkeit städtischer Macht im Palazzo Vecchio in Florenz nachgehen.
Rezension: Talkenberger, Heike





