17. Jahrhundert: Gewalt unter jungen Männern in Leipzig
Junge Männer und Gewalt – das Thema lässt sich durchaus in die Vergangenheit zurückverfolgen, etwa in die deutschen Städte der frühen Neuzeit. Eine neue Studie blickt auf die Universitätsstadt Leipzig und untersucht gewalttätige Jugendliche, deren soziale Herkunft und die Motive für Gewaltanwendung.
Es war Fastnacht des Jahres 1613: Ein Streit zwischen Studenten auf der einen, Schustergesellen auf der anderen Seite eskalierte. Ursache war ein Schwerttanz der Gesellen, über den die Studenten sich offenbar öffentlich lustig gemacht hatten. Daraufhin zogen einige Gesellen vor das Universitätskolleg der Studenten und provozierten sie mit lauten Schmähworten als Schelmen und Diebe bzw. (origineller) als Kapaune, also als kastrierte Hähne. Im Gegenzug kam ein Trupp Studenten in die Schustergasse und forderte die Gesellen ihrerseits heraus. Ein daraufhin aufgestelltes Bürgeraufgebot, das den Tumult beruhigen sollte, wurde von den Studenten mit Steinen beworfen und hatte Mühe, die Auseinandersetzung unter Kontrolle zu bringen.
Einige Jahre später, im April 1620, erregten übermütige und laute Burschen, die am Marktplatz gemeinsam sangen und mit ihren Degen auf Steine hieben, die Aufmerksamkeit der Leipziger Stadtwache. Die jungen Männer flohen in ein Bürgerhaus und beschimpften von dort die sie verfolgenden Wächter; diese attackierten wiederum den Hauswirt Johann Klipstein mit Fäusten und Dreschflegeln, so dass dieser ernsthaft verletzt wurde.
Betrachten wir die Gewalt junger Männer im 16. und 17. Jahrhundert ein wenig systematischer. Dabei ist zunächst zu bedenken, dass „Jugend“ ein bis heute unscharfer Begriff ist. Nach dem Jugendstrafrecht im engeren Sinn werden in Deutschland gegenwärtig Personen zwischen 14 und 18 Jahren verurteilt, unter Umständen aber auch Personen, die 20 Jahre und älter sind. Noch unbestimmter waren die Verhältnisse am Beginn der Neuzeit, wo es, rechtlich gesehen, kein separates Jugendstrafrecht gab und die Grenze der Strafmündigkeit bei 14 Jahren lag. Nicht ohne Grund gilt „Jugend“ in der Forschung überhaupt als eine Erfindung der Moderne.
Tatsächlich wurden Heranwachsende damals häufig so streng wie Erwachsene behandelt, etwa, wenn sie sich schwererer Eigentumsdelikte schuldig gemacht hatten. Oft konnten sie allerdings auch mit Milde und Nachsicht für ihren jugendlichen „Übermut“ rechnen, gerade wenn es um Gewalttaten ging. Auch damals war es so, dass diese als typisches Verhalten junger Männer galten.





