Im Juni 2020 schaute ganz Deutschland nach Stuttgart: Dort war samstagabends die Drogenkontrolle der Polizei bei einem Jugendlichen aus dem Ruder gelaufen. Die feiernde Menge hatte sich mit dem Kontrollierten solidarisiert und die Polizei angegriffen; anschließend waren kleine Trupps durch die Innenstadt gezogen und hatten randaliert. Fassungslos nahmen Politiker und Anwohner die scheinbar aus dem Nichts kommenden „Gewaltorgien junger Männer“ (so Ministerpräsident Winfried Kretschmann) zur Kenntnis, die in den sozialen Medien oft regelrecht inszeniert worden waren. Viel wurde über mögliche soziale und kulturelle Hintergründe spekuliert, von Armut und Perspektivlosigkeit über Corona-Überdruss bis zur mangelnden Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Unbestritten aber war, dass junge Männer den Kern der Gewalttäter ausgemacht hatten.