Ringheiligtümer im Lauf der Sonne
Kreisgrabenanlagen, zu denen auch das Ringheiligtum Pömmelte zählt, gibt es in Mitteldeutschland bereits seit dem 5. Jahrtausend v. Chr., beispielsweise in Goseck. Typisch ist eine Abfolge von Gräben, Wällen und hölzernen Palisaden sowie die Orientierung der Einlässe auf die markantesten Punkte im Jahreslauf hin, nämlich zum Sonnenauf- und -untergang zur Sommer- und Wintersonnenwende.
Bei der Ausgrabung in Pömmelte zeigte sich schnell, dass hier sowohl die Zeitstellung als auch die astronomische Ausrichtung abweichen. Die Sonne sieht man hier zu den „Mitviertelfesten“ im Februar und Oktober durch die beiden Haupttore auf- und untergehen. Diese Daten sind im keltischen Jahreslauf fest verankert und finden sich auch im liturgischen Kalender (etwa Mariä Lichtmess im Februar bzw. Allerheiligen im Oktober). Das Sonnenspektakel begleitete sicher Zusammenkünfte und Rituale. Die Funde, allen voran keramische Erzeugnisse, stellen dieses Rund zweifelsfrei in die zweite Hälfte des 3. Jahrtausends v. Chr. Eine im wahrsten Sinn des Wortes bewegte Epoche, die den Übergang von der Stein- zur Bronzezeit markiert.
Erbaut wurde das Rondell durch die Menschen der Glockenbecher-Kultur. Ihren wenig spektakulären Namen erhielt die Epoche nach der typischen Form der Trinkgefäße. In ihren Gräbern geben sie sich als Bogenschützen und Metallurgen zu erkennen. Sie bereiteten den Weg in die Bronzezeit, denn sie brachten das Wissen um die Metallgewinnung und -verarbeitung mit nach Zentraleuropa. Woher sie kamen, wird noch immer diskutiert und hoffentlich bald durch bioarchäologische Methoden geklärt. Bis wohin sie gelangten, ist archäologisch hingegen gut fassbar, nämlich bis auf die britischen Inseln.
Eines der reichsten Glockenbecher-Gräber stammt aus dem südenglischen Amesbury unweit des berühmtesten aller ringförmigen Bauwerke: Stonehenge. Auch hier bauten Glockenbecher-Leute, aber aus Stein. Während die deutsche Variante wie ihre Vorgänger in Eichenholz ausgeführt war, griff man in England auf eine traditionelle Steinsetzung zurück. Zwar datiert die Errichtung des Kreisgrabens in Stonehenge bereits an den Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr., die einzigartige Steinkonstruktion aber entstand seit um 2500 v. Chr.
Und das ist nicht die einzige Parallele zwischen den Anlagen in Mitteldeutschland und Südengland. Legt man die beiden Grabungspläne übereinander, decken sich nicht nur einzelne Elemente wie Gräben oder Pfosten- bzw. Steinkreise, auch der Durchmesser von etwa 115 Metern stimmt exakt überein. Und wie in Stonehenge konnten auch an der Elbe weitere Monumente identifiziert werden, die hier wie da Teil einer komplexen Rituallandschaft waren.





