Das Vabanquespiel Friedrichs II. - damals.de | DAMALS
DAMALS PlusGeschichte & Archäologie
Das Vabanquespiel Friedrichs II.
Friedrich II. hoffte nach seinem Angriff auf Sachsen auf ein schnelles Ende des Kriegs. Doch bald sah er sich von allen Seiten umringt. Dass Preußen standhielt, war aber nicht nur dem militärischen Talent seines Königs zu verdanken, Friedrich profitierte unter anderem auch von der Uneinigkeit seiner Gegner.
Sie haben noch 2 von 3 kostenlosen Artikeln übrig1/3
In seinem „Politischen Testament“ analysierte Friedrich II. 1752 die österreichische Politik sehr treffend: Es gebe nur das Ziel, Schlesien zurückzugewinnen. Frankreichs Interesse sei, „das Haus Österreich zu demütigen, die Vorrechte der Reichsfürsten zu unterstützen, den Handel der Engländer zu vermindern“. Doch hier irrte der Preußenkönig: Österreich hatte für Frankreich an Schrecken verloren, und Expansionspläne für Europa gab es nicht. Ludwig XV. war keineswegs der schwache und von seiner Mätresse regierte Monarch, als den ihn Friedrich sah. Spätestens seit 1748 hatten sich die französisch-österreichischen Beziehungen entspannt.
All dies bemerkte Friedrich II. nicht. Entsprechend überrascht war er von der Nachricht vom Versailler Vertrag zwischen Frankreich und Österreich – ohne jedoch in Panik zu verfallen. Beunruhigt wurde er erst durch die Nachrichten seiner Spione, die von russischen (die Zarin schloss sich der französisch-österreichischen Allianz an) und österreichischen Rüstungen und Truppenbewegungen berichteten.
Zwar ließen ihn seine Informanten kurze Zeit später wissen, dass alle Kriegsvorbereitungen vertagt worden seien, doch hatte Friedrich spätestens im Juli 1756 den Entschluss zum Krieg gefasst. „Deine schurkischen Nachbarn haben erneut ein Komplott geschmiedet“, schrieb er am 22. Juni 1756 an seine Schwester Wilhelmine in Bayreuth.
Friedrich setzt mit seinem Überraschungsangriff eine Kette von Ereignissen in Gang
Friedrich mobilisierte nun die preußische Militärmaschine. Seine Idee war, durch einen gezielten Stoß ins Zentrum der österreichischen Monarchie Maria Theresia sofort zu einem Waffenstillstand zu zwingen und die gegnerische Koalition zu sprengen. Erfolgen sollte der Schlag über Sachsen. Zugleich würde damit ein Gegner ausgeschaltet, und es böte sich die Möglichkeit, die Ressourcen des Landes zur Finanzierung des Kriegs zu nutzen.
Warnungen seines Ministers Heinrich von Podewils wischte er beiseite. Er habe nichts unterlassen, so Podewils, „Sr. Königl. Majestät alle die Inconvenienzen und terriblen Suiten zu detailliren, welche daraus erwachsen könnten, wenn man diesseits im Aggressorium agiren und Frankreich und Rußland gleichsam au pied de mur poussieren wollte“. Der König habe dies für zu große „Timidité [Schüchternheit] gehalten“ und sich mit den Worten „Adieu, Monsieur de la timide politique“ verabschiedet.
Friedrich stellte Wien mehrere unannehmbare Ultimaten, die der österreichische Staatskanzler Wenzel Anton von Kaunitz und Maria Theresia höflich, aber bestimmt ablehnten. Überzeugt, dass praevenire („zuvorkommen“) besser sei als praeveniri („zuvorgekommen werden“), gab Friedrich den Befehl zum Angriff. Am 29. August 1756 überschritten seine Truppen die sächsische Grenze. Damit trat auch die Koalition zwischen Paris und Wien in Aktion, von der Kaunitz seit 1749 geträumt hatte.
Mehr aus Geschichte & Archäologie
Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Geschichte & Archäologie.
Aschaffenburg: Wozu diente das 2400 Jahre alte Ufer-Bauwerk?
8. September 2026
Im Frühjahr 2026 haben Archäologen in Aschaffenburg ein komplexes Eisenzeit-Bauwerk aus Holz und Steinmauern am Mainufer entdeckt. Jetzt gibt es Neues dazu.
Geschichte & Archäologie
Größter Wikinger-Silberschatz Dänemarks gefunden
3. September 2026
Armreifen, Silberbarren, Münzen: Ein Fund auf der norddänischen Halbinsel Jütland hat sich als größter Wikinger-Silberschatz Dänemarks entpuppt.
Friedrichs Handstreich gegen Sachsen überraschte die europäischen Höfe. Der Schlag gegen den südlichen Nachbarn Preußens gelang, der Vorstoß auf österreichisches Territorium jedoch nicht. Die Österreicher eilten den Sachsen zu Hilfe. Am 1. Oktober 1756 kam es bei Lobositz zum Kräftemessen mit der österreichischen Armee. In der ersten Schlacht des Krieges schlug Friedrich sie zurück (bekannt wurde das Treffen durch den Erlebnisbericht des Schweizer Söldners Ulrich Bräker, der im Verlauf der Schlacht aus der preußischen Armee desertierte). Der Erfolg sicherte Preußen die Kontrolle Sachsens, das bis Kriegsende systematisch zur preußischen Kriegsfinanzierung ausgeplündert und zum großen Verlierer des Krieges überhaupt wurde.
Friedrichs Aktion rief Panik und Empörung im Alten Reich und in weiten Teilen Europas hervor. Der französische Außenminister Antoine Louis Rouillé klagte Preußen und England des Bruchs mit den Regeln der Zivilisation an. Kaiserin Maria Theresia rief über den Reichstag die Garanten des Westfälischen Friedens an, ihr und dem Kurfürsten von Sachsen zu Hilfe zu kommen.
Nach zähen Verhandlungen am Reichstag wurde 1757 die Reichsexekution gegen Friedrich verhängt. Auch Schweden, die zweite Garantiemacht des Westfälischen Friedens, beteiligte sich am Kampf gegen den Preußenkönig. So sah sich Friedrich im Frühjahr 1757 einer mächtigen Koalition gegenüber, der sich nun auch noch Russland anschloss.
Erst jetzt unterzeichneten Österreicher und Franzosen einen Vertrag, dessen Ziel der Krieg gegen Preußen und die Aufteilung („Reduzierung“) des Landes im Fall eines Sieges war. Alle Gegner Friedrichs verfolgten jedoch auch ihre eigene Agenda. Österreich wollte Schlesien, Frankreich ging es um die Besetzung Hannovers, um ein Pfand in der Hand zu haben, sollte man in Übersee gegen England Verluste hinnehmen müssen. Russland strebte die Erweiterung seines Einflusses in Ostmitteleuropa an. All dies behinderte letztlich eine effektive Koordination der Feldzüge der antifriderizianischen Koalition, wovon auf Dauer der Preußenkönig profitierte.
Der bedrängte Friedrich II. sucht die Entscheidung
Der Überfall auf Sachsen und die Schlacht bei Lobositz waren nur ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte. Mit Frühjahrsbeginn setzten sich 1757 die Armeen der antipreußischen Koalition in Bewegung. Zwei französische Armeen marschierten nach Hannover und in Richtung Brandenburg. Eine russische Armee besetzte zeitweilig Ostpreußen.
Der Plan Friedrichs II. sah vor, dass seine Armee in zwei Kolonnen nach Böhmen einmarschieren und sich dann vor den Toren von Prag vereinigen sollte. Wäre Prag erst erobert, würde Maria Theresia um Verhandlungen bitten, und dann wäre die gegnerische Koalition gesprengt.
Der Plan schien aufzugehen: Nach der blutigen, aber siegreichen Schlacht am 6. Mai vor den Toren Prags wurde mit der Belagerung begonnen. Der Sieg bei Prag war teuer erkauft worden. Die Schlacht stand auf des Messers Schneide, als einige Regimenter der Preußen nach einem Angriff in Panik zurückwichen. Zahlreiche hohe Offiziere, unter ihnen Friedrichs enge Vertraute Hans Karl von Winterfeldt und Kurt Christoph von Schwerin, waren in der „mörderischen“ Schlacht gefallen.
Friedrich orientierte sich an den von ihm in seinen „Generalprinzipien des Krieges“ von 1748 entworfenen Ideen über die „Entscheidungsschlacht“. Wie Julius Caesar, so ließ Friedrich nach dem Sieg seinem Freund Algarotti mitteilen, habe er nun seine Schlacht von Pharsalos gewonnen. Doch anders als Pharsalos entschied die Schlacht bei Prag den Krieg nicht.
Die eingeschlossene Stadt leistete erbitterten Widerstand. In Eilmärschen rückte eine habsburgische Entsatzarmee unter dem Kommando von General Leopold Josef Daun heran. Friedrich zog ihr mit rund 35 000 Mann entgegen und griff – gegen den Rat seiner Generäle – die auf einem Bergrücken bei Kolin gut verschanzten Österreicher an.
In diesem Angriff spiegeln sich Hochmut und Selbstüberschätzung des Preußenkönigs. Nach all seinen Siegen über die Österreicher ging er davon aus, ihnen jederzeit überlegen zu sein. Der Angriff endete in einem noch größeren Gemetzel als bei Prag. Friedrich verlor nicht nur rund 13 000 Mann, sondern auch den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Die Belagerung von Prag wurde aufgehoben, die preußische Armee zog sich fast fluchtartig aus Böhmen zurück.
Kolin bedeutete für Friedrich II. nicht nur das Scheitern seines Feldzugs von 1757, der gesamte Krieg nahm dadurch einen anderen Verlauf als von ihm geplant. Von nun an reagierte Friedrich nur noch auf die Bewegungen seiner Gegner. Es sollte Friedrich zudem nicht gelingen, den Krieg von preußischen Territorien fernzuhalten.
Die Österreicher zwangen den preußischen König in die Defensive. Nach wenigen Wochen standen sie in Schlesien. Hinzu kam für Preußen eine weitere Bedrohung, da eine französische Armee auf Magdeburg, Friedrichs Logistikzentrum, vorrückte. Bei Roßbach, südlich von Halle, stießen am 5. November die beiden Armeen aufeinander. Friedrich überraschte den zahlenmäßig überlegenen Gegner. Der Kampf war kurz und heftig und endete damit, dass sich die Ordnung der französischen Infanterie angesichts des mit großer Wucht und Feuerkraft vorgetragenen preußischen Angriffs auflöste und die Soldaten die Flucht ergriffen.
Ein Überraschungsangriff bringt die Franzosen aus dem Konzept
Die Schlacht gilt einerseits als Beispiel für Friedrichs Feldherrngenie, andererseits als Beispiel für die Schwäche der französischen Armee. Dies muss jedoch differenzierter betrachtet werden. Die Ursache für den schnellen Zusammenbruch der Ordnung lag im Überraschungsmoment. Die Preußen ließen den Franzosen keine Zeit, sich für eine Schlacht zu formieren. Kaum war der Gegner zu sehen, stand man bereits unter mörderischem Beschuss. Diese Überrumpelung führte zur Auflösung der Ordnung. Diejenigen Einheiten, die tapfer dem preußischen Ansturm standhielten, wurden gnadenlos zusammengeschossen.
Den Krieg beendete auch die Schlacht von Roßbach nicht. Das publizistische Echo danach war jedoch enorm. Roßbach bewirkte im Alten Reich ein Aufflammen frankophober Stimmen und Publizistik. Spottlieder über die „Reißausarmee“ (Reichsarmee) und die Franzosen machten die Runde. Das Feindbild „Frankreich“ des späten 17. Jahrhunderts wurde reaktiviert. Der propreußische Historiker Johann Wilhelm von Archenholz sprach in seiner 1791 publizierten Geschichte des Siebenjährigen Krieges von einem alle „deutsche Völkerschaften“ begeisternden „National-Triumph“.
Die Schlacht bei Leuthen nährt den Mythos vom genialen Feldherrn
Das Feldzugsjahr 1757 aber war mit diesem Sieg noch nicht beendet. Inzwischen waren die Österreicher in Schlesien eingedrungen. Für Preußen drohte der Verlust Schlesiens, also genau das Gegenteil von dem, was sich Friedrich erhofft hatte. Anstelle der Kaiserin wäre er selbst dann gezwungen, um Verhandlungen zu bitten. In Eilmärschen kehrte Friedrich nach Schlesien zurück (400 Kilometer im Winter!) und griff am 5. Dezember die bei Leuthen (heute Lutynia in Polen) wartende österreichische Armee an.
Leuthen wurde wie Roßbach zu einem Mythos. Dank der hervorragenden Geländekenntnis Friedrichs gelang eine Täuschung des Gegners und eine modellhafte Umsetzung der von Friedrich so geschätzten „schiefen Schlachtordnung“, bei der ein Flügel der Angriffsformation erheblich verstärkt ist, um den Gegner durch viele Verluste auf dieser Seite aus dem Konzept zu bringen. Obwohl zahlenmäßig unterlegen, gelang Friedrich so ein glänzender Sieg.
Wenige Wochen nach Leuthen konnten die Truppen endlich die Winterquartiere beziehen. Die Österreicher waren aus Schlesien vertrieben. Von den Zielen des Frühjahrs hatte Friedrich jedoch keines verwirklichen können. Verhandlungen hätte er anbieten können, ohne die Bedingungen diktieren zu können. Letztlich war es ihm nur gelungen, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
Es gab jedoch Hoffnung für Friedrich. In England war William Pitt zum Premierminister berufen worden, und dieser setzte einen „Subsidienvertrag“ mit Preußen durch, nachdem man gesehen hatte, dass Friedrich einer Übermacht trotzen konnte: Englische reguläre Truppen operierten von nun an zur Verteidigung Hannovers. Friedrich stellte Ferdinand von Braunschweig als Kommandeur der „Westarmee“ ab. Eine hervorragende Wahl, denn Ferdinand hielt bis 1763 die Franzosen von Vorstößen in die brandenburgischen Kernlande ab.
Sieben Jahre zog sich der Krieg hin, der mehr war als ein „dritter Schlesischer Krieg“. Alle französischen Versuche, Hannover zu erobern, scheiterten. Seit 1758 erwehrte sich Friedrich mit wechselndem Erfolg der Angriffe von Österreichern und Russen. Niemals, so schrieb Voltaire, habe es in einem Krieg so viele Schlachten gegeben.
Bei Hochkirch in Sachsen, am 14. Oktober 1758, überraschte Daun den Preußenkönig im Schlaf. Im Morgengrauen überfiel er das preußische Lager und fügte den Preußen eine empfindliche Niederlage zu. Da es Friedrich jedoch gelang, sich mit dem, was von der Armee übriggeblieben war, halbwegs geordnet vom Feind abzusetzen, und Daun auf eine Verfolgung verzichtete, deutete er Hochkirch später zu einem Sieg um. Ähnlich verfuhr Friedrich nach der Katastrophe von Kunersdorf am 12. August 1759, als er seine Armee einen ganzen Tag vergebens gegen die vereinte russisch-österreichische Armee anrennen ließ. Da seine Gegner sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigten, konnte Friedrich seinem Bruder Heinrich vom „Mirakel des Hauses Brandenburg“ berichten.
Auch die weiteren Feldzüge bis 1762 führten keine militärische Entscheidung herbei – abgesehen von der Erkenntnis, dass keine der Kriegsparteien in der Lage war, durch Waffengewalt den Gegner zum Frieden zu zwingen.
Erst die Erschöpfung, der Mangel an Geld, Menschen und Material sowie der Rückzug Englands, Frankreichs und Russlands trieben die Preußen und Österreicher schließlich an den Verhandlungstisch. Binnen weniger Wochen wurde 1763 in Hubertusburg bei Leipzig ein Frieden ausgehandelt, der eine Rückkehr zum Status quo von 1756 vorsah.
Friedrich nutzt die Medien seiner Zeit für Propagandazwecke
Wie gelang es Friedrich, gegen die Übermacht seiner Gegner zu bestehen? Voltaire führte es auf die Disziplin der preußischen Armee und das Feldherrngenie Friedrichs II. zurück. Je nach Nähe zu Preußen haben die Historiker entweder Friedrichs Genie oder strukturelle Ursachen als Erklärung angeführt.
Wie immer liegt die Erklärung dazwischen. Die Bedeutung Friedrichs als charismatischer „König-Feldherr“, der seine eigenen Soldaten in die Schlacht führte, sollte nicht unterschätzt werden. Zweifellos ermöglichten kluge taktische Entscheidungen die Siege von Roßbach und Leuthen. Jüngst wurde darauf hingewiesen, dass die besser versorgte preußische Armee dabei auf Gegner traf, die des Marschierens müde und ausgehungert waren (Roßbach) bzw. unter Ausrüstungs- und Munitionsmangel litten (Leuthen).
Eine Rolle spielt auch die im Gegensatz zu Preußen schwerfällige Kommandostruktur der Gegner, die sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen konnten. Gelang dies einmal tatsächlich, geriet Friedrich sofort in Gefahr. Schließlich sollte man den Zufall nicht vernachlässigen: Mehrfach entging Friedrich dem Schicksal der beiden im Kampf gefallenen Schwedenkönige Gustav Adolf und Karl XII. Was wäre gewesen, wenn die Musketenkugel, die bei Kunersdorf auf seine Tabaksdose traf, wenige Zentimeter höher oder tiefer eingeschlagen wäre?
Wirkliches Genie zeigte Friedrich letztlich weniger auf dem Schlachtfeld als vielmehr beim „Verkaufen“ seiner Politik. Die europäische Öffentlichkeit sah sich vom Beginn des Krieges an mit einer wahren Flut von Schriften konfrontiert, in der sowohl Wien als auch Berlin versuchten, ihr Verhalten zu rechtfertigen. Vorwürfe wurden zurückgewiesen, Nachrichten über den Fortgang der Feldzüge waren tendenziös, Siege wurden überhöht, Niederlagen beschönigt und Verluste kleingeredet.
In Berlin war die Informationspolitik „Chefsache“. Friedrich wusste um die Bedeutung der Öffentlichkeit als politischem Faktor. Virtuos beherrschte er die Klaviatur der Propaganda und „bombardierte“ die Öffentlichkeit seit September 1756 mit einer Vielzahl von Schriften. Er erklärte sich zum Opfer einer Verschwörung und stilisierte sich als Verteidiger des Protestantismus.
Mit dem Versuch, dem Konflikt eine konfessionelle Dimension zu geben, scheiterte er jedoch. Das konfessionelle Argument spielte für Maria Theresia und Ludwig XV. nur eine nachgeordnete Rolle. Die französischen Diplomaten hörten nicht auf zu betonen, Frankreich werde weiterhin Schutzmacht des deutschen Protestantismus sein. Viele protestantische Reichsstände schlossen sich der Koalition gegen Friedrich an. Als Verteidiger des Protestantismus war der agnostische Friedrich schlicht nicht glaubwürdig. Voltaire amüsierte sich köstlich, als er davon erfuhr, Friedrich habe sich mit zwei lutherischen Pfarrern auf einem Balkon der Dresdner Residenz gezeigt.
Die von Friedrich II. als Kriegsgrund imaginierte „Verschwörung“ gegen Preußen etablierte sich dagegen. Sie wurde zum Leitmotiv vieler pro-preußischer Darstellungen bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. In den 1890er Jahren entbrannte ein erster Historikerstreit in Deutschland. Max Lehmann warf Friedrich II. vor, den Krieg begonnen zu haben, um Sachsen zu erobern, Albert Naudé widersprach. Gefochten wurde mit harten, auch nicht-wissenschaftlichen Bandagen.
In der Gegenwart löst die Frage nach dem Ausbruch des Siebenjährigen Krieges keine Grabenkämpfe unter Historikern mehr aus. Der von der preußisch-deutschen-nationalsozialistischen Geschichtsschreibung konstruierte Mythos „Friedrich der Große“ wurde „dekonstruiert“. Der Blick auf ihn ist nüchterner, kritischer, und „objektiver“ geworden.
Autor: Prof. Dr. Sven Externbrink
Geschichte & Archäologie
Archäologen finden 11.000 Jahre alten „Leopardenreiter“ in Karahan Tepe
1. September 2026
Archäologen haben in der türkischen Steinzeit-Anlage eine bislang einzigartige Steinfigur entdeckt: einen auf dem Rücken eines Leoparden reitenden Mann.
Geschichte & Archäologie
Tschechischer Steinkreis ist 1000 Jahre älter als Stonehenge
27. August 2026
Archäologen haben eines der ältesten Steinzeit-Heiligtümer Mitteleuropas entdeckt: eine 230 Meter große Kreisanlage mit Ringgraben und astronomisch…