Erfolgreich waren die Protestanten, allen voran Martin Luther, vor allem durch Schriften in der Volkssprache, mit denen sie sich bewusst an den „gemeinen Mann“ richteten. Auch und gerade das Volk sollte ihre Glaubensbotschaft verstehen. Damit setzten sich die Reformatoren dezidiert von den „Altgläubigen“ ab, die auf der Vermittlungsfunktion des Klerus bestanden.
Der Reformationshistoriker Thomas Kaufmann charakterisiert in seinem Buch diese „erste Medienrevolution“, ihre Protagonisten und die Folgewirkungen der massiven Verbreitung des
gedruckten Wortes im konfessionellen Kampf. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts begann sich der Buchdruck von der Orientierung am handschriftlichen Manuskript zu lösen; er wurde effizienter, und es kamen neue Publikationen hinzu – von den „Türkenschriften“ über Ablassbriefe bis zu den „Neuen Zeitungen“ oder Wandkalendern. Auch die zahlreichen astrologischen Prognostiken, von Kaufmann unerwähnt, gehörten dazu.
Im nächsten Kapitel stellt der Autor Humanisten, Reformatoren und Drucker als „Männer des Buches“ vor – Frauen spielten zwar als Leserinnen, als Autorinnen aber nur marginal eine Rolle. Der Ton dieser von Kaufmann so genannten „printing natives“ war dabei schon früh durch harsche Polemik, Hass und Destruktivität geprägt. Spannend zeichnet Kaufmann die erbitterten Kontroversen zwischen Neu- und Altgläubigen, aber auch innerhalb des reformatorischen Lagers nach.
Die Flut von Druckwerken stieg an, zumal ihre Auflagenstärke zunahm. Im Verlauf der 1520er Jahren begannen auch Laien und Frauen, reformatorische Schriften zu verfassen. Zu Recht weist Kaufmann zudem darauf hin, dass die neuen Bibeln, Gesangbücher und Katechismen nicht nur das religiöse Denken, sondern auch die Glaubenspraxis veränderten. Allerdings sollte auch die Wirkung des gesprochenen Wortes, der Predigten, für diesen Prozess nicht unterschätzt werden.
Die „erste Medienrevolution“ bewirkte langfristige Veränderungen: in der Möglichkeit des Selbststudiums durch Bücher, im Anlegen von Wissensspeichern wie den Bibliotheken oder in den Methoden der Texterschließung. Wird die erste wohl vollständig durch die zweite Medienrevolution abgelöst? Der Autor ist sich sicher, dass das Gedruckte nicht verschwinden, sondern sich souverän neben dem Digitalen behaupten wird.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger
Thomas Kaufmann
Die Druckmacher
Wie die Generation Luther die erste Medienrevolution entfesselte
Verlag C. H. Beck, München 2022, 350 Seiten, € 28,–





