Er war der erste Millionär der Vereinigten Staaten, bevor sich das Wort millionaire in der englischen Sprache verbreitete. Ebenso war er Vorbild für Charles Dickens’ Ebeneezer Scrooge, den hartherzigen Protagonisten aus der „Weihnachtsgeschichte“, und damit auch das reale Vorbild für Walt Disneys Dagobert Duck, die reichste Ente der Welt. Umgerechnet auf die heutige Zeit, gilt Astor als viertreichster Amerikaner aller Zeiten. Seine Nachfahren bauten das wahrscheinlich berühmteste Hotel der Welt: das „Waldorf Astoria“ an der Park Avenue in New York.
Johann Jacob Astor wurde am 17. Juli 1763 in Walldorf geboren und wuchs in großer Armut auf. Nachdem er 1777 konfirmiert worden war und die Schule beendet hatte, regte sich in ihm der Wunsch, die Armut seiner Heimat hinter sich zu lassen und auszuwandern. Bis 1783 lebte er bei seinem Bruder Georg in London, der ihn zum Instrumentenbauer ausbilden ließ. In dieser Zeit machte er nicht nur erste kaufmännische Erfahrungen, er lernte auch die englische Sprache. Gleich nach Ende des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges brach er nach New York auf und erreichte im Frühjahr 1784 amerikanischen Boden.
In New York begann er, Instrumente aus London zu importieren und sie der reichen Oberschicht zu verkaufen. Zusätzlich interessierte er sich für den Pelzhandel und baute diesen Geschäftsbereich nach und nach auf. Noch 1785 heiratete er die Amerikanerin Sarah Todd, mit der er fünf Kinder hatte. Sarahs Familie bestand aus Kaufleuten, Seefahrern und Reedern. Diese Kontakte nutzte Astor geschickt für seine Unternehmungen.
Seit 1800 begann er zudem einen lukrativen Handel mit China. Er kaufte mehrere Segelschiffe und schickte sie mit Pelzen beladen nach Asien. Die Schiffe brachten Seide, Tee und Gewürze zurück nach New York. Zur selben Zeit investierte Astor seine Handelsgewinne in unbebautes Weideland auf der Insel Manhattan, das er Jahrzehnte später, als die großen Einwanderungswellen die Stadt sprunghaft wachsen ließen, für ein Vielfaches des ursprünglichen Preises verkaufen konnte.
1808 gründete er mit der Unterstützung von Präsident Thomas Jefferson die „American Fur Company“, um den Pelzhandel im 1803 erworbenen Louisiana-Gebiet unter amerikanische Kontrolle zu bringen. Zu diesem Zweck ließ er 1810 auch die erste amerikanische Siedlung am Pazifik im späteren Bundesstaat Oregon errichten: Astoria. Im Krieg von 1812 verlor er jedoch diesen Außenposten an die Briten.
Als Astor am 29. März 1848 starb, hinterließ er 20 Millionen Dollar, zwei Hotels, ein Theater, Aktien sowie unzählige Immobilien und Grundstücke. In seinem Testament stiftete er die Astor Library, die erste öffentliche Bibliothek New Yorks, die später zur New York Public Library wurde.





