Dass das Kapitänshaus sehr alt ist, wusste man, aber wie alt genau, war lange strittig. Die letzten Besitzer schrieben die Zahl 1736 an die Tür. Allerdings war diese Festlegung etwas willkürlich, nach mehreren Bechern Grog hatte man sich zusammen mit einem örtlichen Pastor auf das Datum geeinigt. Ein inzwischen entdeckter alter Ortsplan legt nahe, dass das Haus schon Ende des 17. Jahrhunderts gestanden haben muss. Seit 1994 ist es unter dem Namen Öömrang Hüs als Museum geöffnet. Öömrang ist der friesische Name der Insel Amrum.
Baugeschichtlich betrachtet, handelt es sich um ein sogenanntes uthländisches Bauernhaus in Ständerbauweise mit West-Ost-Ausrichtung. Als Uthlande werden in Nordfriesland die dem Festland vorgelagerten Inseln und Halligen bezeichnet. Die Holzkonstruktion ist freitragend, die Zwischenräume wurden mit Backstein aufgemauert.
Das auffälligste äußere Merkmal des Gebäudes ist sein Reetdach. Früher war Schilf ein billiges, vor Ort verfügbares Baumaterial, heute kostet eine Neubedachung Unsummen. Bei guter Pflege – Moos sollte regelmäßig entfernt werden, und das Dach muss von innen gut durchlüftet sein – hält so ein Dach über 40 Jahre.
Das Reet machte indirekt eine weitere architektonische Besonderheit nötig. Der zusätzliche Giebel über der Eingangstür verhindert im Brandfall, dass herabfallendes glühendes Reet den Fluchtweg blockiert.
Gut die Hälfte des Hauses war der Viehhaltung vorbehalten. Weilte der Hausherr auf See, betrieben Frau und Kinder einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb mit Kühen, Schweinen, Schafen und Hühnern. Den Dachboden nutzte man zur Lagerung von Viehfutter und anderen Vorräten.
Der Wohnbereich ist angesichts der Größe des Hauses überraschend klein. Er umfasst nur wenige Räume. Die „Dörnsk“, die gute Stube, war für besondere Anlässe reserviert. Die Betten des Ehepaars verbargen sich in der Wand in einem Alkoven, der tagsüber durch eine Tür verschlossen wurde. Die Küche wird noch immer dominiert vom „Eldaag“, einem offenen Herd, der gleichzeitig zum Kochen und Heizen diente. Eine pfiffige Besonderheit dieser Konstruktion ist eine rechteckige Vertiefung im Fußboden. Diese ermöglicht eine Beladung des Ofens im Sitzen.
1787 wohnte laut einer Einwohnerliste Urban Wögens (1751–1840) mit seiner Familie hier. Als Strandvogt war er einer der einflussreichsten Männer der Insel. In dieser Funktion hatte er auch das Sagen, wenn es darum ging, das Verteilen von Gütern der an den vielen Sandbänken rund um Amrum havarierten Schiffe zu organisieren.





