von TORBEN LÜTJEN
Die Geschichte, so heißt es, werde von den Siegern geschrieben. Aber falls diese vermeintliche Binsenweisheit denn überhaupt stimmt, so scheint sie zumindest ihre Ausnahmen zu kennen. Die lange Nachgeschichte des Amerikanischen Bürgerkrieges legt davon Zeugnis ab. Eine klare „Siegergeschichtsschreibung“ wird man diese wohl kaum nennen können. Im Gegenteil: Über lange Strecken der US-Geschichte wird sie paradoxerweise von den Verlierern dominiert, denen es in einem bemerkenswerten intellektuellen Manöver gelang, ihre Sicht auf den Amerikanischen Bürgerkrieg selbst im Norden zu popularisieren: den Krieg als „lost cause“, also verlorene, aber noble Sache, der vom Süden nicht etwa geführt wurde, um die Institution der Sklaverei zu erhalten, sondern um einen bestimmten way of life zu verteidigen.





