von VOLKER REINHARDT
Ergibt der Begriff „Renaissance“ für Venedig einen Sinn? Das hängt davon ab, was man darunter versteht. Geschichte vollzieht sich nicht in „Epochen“, sondern als ein großes Fließen mit gleitenden Übergängen, mit Phasen des langsameren oder beschleunigten Wandels. Für die Zeit zwischen etwa 1450 und 1570, die gemeinhin als „Renaissance“ bezeichnet wird, lassen sich in Venedig solche Veränderungen als in etwa mittelwertig konstatieren. Von einer wie auch immer gearteten Dynamik in der Herausbildung neuer Weltsichten, Menschenbilder oder kollektiver Verhaltensweisen kann hier noch weniger als im übrigen Italien und Europa die Rede sein; diese auf den Schweizer Kunsthistoriker Jacob Burckhardt (1818 –1897) zurückgehenden Stereotypen sind längst als Mythenbildungen, als Geist vom Geist des 19. Jahrhunderts widerlegt.





