Wie sind Sie auf Telemann gestoßen?
Dorothee Oberlinger: Seit meiner Kindheit habe ich die Musik von Telemann gehört und gespielt. Mit sechs oder sieben habe ich die ersten Menuettchen von ihm geflötet. Meine
Eltern besaßen Schallplatten von Frans Brüggen mit Telemann-Sonaten, die liefen bei uns rauf und runter. So ist es ein Gefühl von „zu Hause sein“, wenn ich seine Musik höre.
Sie wurden also nicht von ungefähr „Telemann-Botschafterin“ für 2017 …
Zum Jubiläum seines 250. Todestages, ja. In diesem Jahr jetzt habe ich dann noch den Telemann-Preis bekommen, eine große Überraschung und Ehre.
Was macht eine Telemann-Botschafterin?
Ich bin durch die Lande gereist, habe an einem Film mitgewirkt, der zum Jubiläum ausgestrahlt wurde. Mich haben viele Journalisten angerufen, und mir ist aufgefallen, dass Telemanns Musik heute immer noch zu wenig bekannt ist.
Wie kommt das?
Zu seiner Zeit war er der berühmteste deutsche Barock-Komponist. Damit war es aber schon kurz nach seinem Tod vorbei. Der Musikgeschmack hatte sich geändert. Lessing hat über Telemann gespottet, dass er textuelle Ideen in Töne fasse. Man hat ihn als Vielschreiber diffamiert, weil sein Œuvre mehr als 3500 Stücke umfasst. Im 19. Jahrhundert hat man Bach wiederentdeckt und als kompositorisch höherstehend eingeordnet, allerdings übersehen, dass Bach in Vielem von Telemann inspiriert war.
Was beeindruckt Sie an Telemann?
Er bringt mein Instrument zum Strahlen, setzt die Flöte wie eine virtuose Geige oder wie eine Primadonna in einer Opernarie ein. Und seine sanglichen Melodien berühren mich. Er folgte dem Bildungsideal der Aufklärung, wollte Musik schreiben, die die Menschen verstehen, und sie ihnen auch pädagogisch nahebringen. Dazu legte er seine Kompositionsprinzipien offen in musiktheoretischen Abhandlungen und Zeitschriften, die er herausgab.
Was unterschied ihn von Bach?





