Am 13. Juli 1819 wurde der 41-jährige Friedrich Ludwig Jahn in Berlin verhaftet. Der als „Turnvater“ bekannte Jahn, den die preußische Regierung wenige Jahre zuvor durchaus geschätzt hatte, wurde der Anstiftung zum Mord beschuldigt. Am Tag nach der Verhaftung stand in der „Berliner Zeitung“, Jahn habe sich als „Demagoge“ betätigt und die Jugend zum Widerstand gegen den Staat aufgefordert. Bei seinen Reden habe er auch „Meuchelmorde“ gerechtfertigt und die Zuhörer ermuntert, einen Dolch bei sich zu tragen. Eine Woche später wurde Jahn
in Ketten auf die Festung Küstrin gebracht – angeklagt, in hochverräterischer Absicht eine geheime Vereinigung gegründet zu haben.
Zusammenstöße mit Autoritäten waren Jahn nicht fremd. Seine ganze Studienzeit war von Konflikten geprägt gewesen. Neunmal hatte er nach Auseinandersetzungen mit Studenten und Professoren die Universität gewechselt, ohne am Ende irgendeinen Abschluss vorweisen zu können. In Greifswald, der letzten Station seiner studentischen Laufbahn, lernte er 1802 Ernst Moritz Arndt (1769–1860) kennen, der zu dieser Zeit Privatdozent war. Dessen Vorlesungen zur Geschichte von 1500 bis 1800 und zur deutschen Literatur begeisterten Jahn für die Idee einer geeinten deutschen Nation.





