Oberhalb des Heidelberger Schlosses, hoch über dem Neckartal, liegt inmitten einer Villenkolonie das 1998 gegründete Carl Bosch Museum. Im ehemaligen Garagenhaus der 1923 bezogenen hochherrschaftlichen Villa des Chemikers Carl Bosch (1874 –1940) gibt es Auskunft über Leben und Werk des Nobelpreisträgers des Jahres 1931 und seine Tätigkeit für die Badische Anilin- & Soda-Fabrik (BASF) in Ludwigshafen sowie für den „I. G. Farben“-Konzern.
Im Außenbereich des Museums empfangen den Besucher industriegeschichtliche Zeugnisse: Da ist zum Beispiel die im Jahr 1900 entstandene tönerne Speicherflasche, wie sie bei der BASF für die Lagerung von Säuren und Basen verwendet wurde. 2500 Liter fasst das knapp 2,50 Meter hohe Gefäß, das von einem Mannheimer Unternehmen produziert wurde, bei dem Boschs Kompagnon, der Professor für Technische Chemie an der Technischen Hochschule Karlsruhe Fritz Haber (1868 –1934), als Berater tätig war.
Zusammen mit Fritz Haber entwickelte Bosch von 1909 bis 1913 bei der BASF das „Haber-Bosch-Verfahren“ zur Ammoniaksynthese. Das Verfahren ermöglichte einerseits die preisgünstige Produktion von Stickstoffdünger für die Landwirtschaft. Andererseits diente Ammoniak als Vorprodukt zur Herstellung von Sprengstoff – und war damit nach 1914 besonders kriegswichtig.
Auf 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche wird Boschs Werdegang dargestellt und seine imponierende Lebensleistung gewürdigt. Am 27. August 1874 wurde er in Köln als Sohn eines Großhändlers für Installationsbedarf geboren. Der Zündkerzenfabrikant Robert Bosch war ein Bruder seines Vaters. Nach dem Abschluss der Oberrealschule absolvierte Carl eine Lehre als Industrieschlosser. Im Anschluss daran studierte er Maschinenbau an der TH in Charlottenburg und von 1896 bis 1898 Chemie an der Universität Leipzig. 1899 trat er in die BASF ein.
Hier begann er 1909 in Kooperation mit Fritz Haber mit den Arbeiten zur Ammoniaksynthese in industriellem Ausmaß und der Revolutionierung der hierfür benötigten Hochdrucktechnik, wofür Bosch 1931 den Nobelpreis für Chemie erhalten sollte. Zur Überprüfung des gewonnenen Stickstoffdüngers wurde 1914 die landwirtschaftliche Versuchsanstalt Limburgerhof gegründet. Damit leistete Bosch einen wichtigen Beitrag zur Ernährungssicherheit der rasch wachsenden Weltbevölkerung. Das Verfahren der Ammoniaksynthese, das Boschs Ruhm begründete, wird anhand von Schautafeln ausführlich und auch für Laien verständlich erläutert.
Weitere Stationen seiner Karriere waren der Vorstandsvorsitz der BASF (1919 –1925) und bei der von ihm maßgeblich initiierten „I. G. Farben“, des seinerzeit größten Chemiekonzerns der Welt, die nicht zuletzt im Werk in Leuna an der Kohleverflüssigung zur Herstellung von Benzin arbeitete. Ein schönes Exponat dazu ist eine historische Leuna-Benzinzapfsäule. Ebenfalls in der Ausstellung thematisiert wird die Verstrickung der „I. G. Farben“ in die nationalsozialistische Wirtschafts- und Eroberungspolitik: Der Konzern wurde massiv gefördert, weil er für Hitlers Autarkiebestrebungen sehr wichtig war, und beutete seit 1941 Zehntausende Zwangsarbeiter in Auschwitz aus.





