Ein Blick aus dem Fenster ins idyllische Grün von Bonn – vielen Bonnerinnen und Bonnern sind diese Bilder des Künstlers August Macke (1887–1914) bekannt. In seinem Wohnhaus in der Bonner Weststadt malte er besonders gerne den Garten, zudem seine Familie oder andere Stadtansichten. Heute liegt das Haus an der Kreuzung der vielbefahrenen Bornheimer Straße, Ecke Hochstadenring. Wenig ist übrig von der einstigen Beschaulichkeit. Seit 2017 ist das Gründerzeithaus umgeben von einer modernen Glasfassade und einem Anbau. Was vom einst üppigen Garten verblieben ist, befindet sich im Atrium des heutigen Museums.
Im ehemaligen Wohnhaus und Atelier der Familie Macke wird auf vier Ebenen vom Leben und (Nach-)Wirken des Künstlers erzählt. Im Neubau gibt es stets wechselnde Sonderausstellungen. Bemerkenswert ist auch die Dachterrasse, von der aus man Wohnhaus und Garten betrachten kann.
August Macke, geboren am 3. Januar 1887 im sauerländischen Meschede, zählt zu den bekanntesten Künstlern des deutschen Expressionismus. Typisch für seinen Stil ist die Verwendung leuchtender Farben, oft flächig und in vereinfachten Formen aufgetragen. Bekanntheit erlangte Macke auch durch seine Mitgliedschaft in der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“.
Neben seinen Wohnorten etwa in Düsseldorf oder am Tegernsee verbrachte er drei Jahre seines kurzen Lebens in Bonn. Hier konnte sich Macke den Traum eines eigenen Ateliers erfüllen. Er selbst schrieb über die Stadt: „Dieses Bonn ist eine Rentnerstadt. Alles sehr still, seriös, unauffällig. Die Gegend, in der wir wohnen, hat viel Anreizendes. Hundemeuten, Reiter und Reiterinnen, Kinder, die sich zerschlagen. Dann sehen einen ringsum die Häuser mit lebendigen Augen an. Mir ist dieser Teil der Stadt ganz außerordentlich lieb.“
Zusammen mit seiner Frau Elisabeth und seinen beiden Kindern lebte und malte er im Haus an der Bornheimer Straße, das auf einem Grundstück seiner Schwiegereltern lag. Lange musste der damals mittellose Künstler warten, um die Tochter des bekannten Bonner Unternehmers Carl Gerhardt heiraten zu können. Elisabeth war zeitlebens Augusts große Liebe, seine Muse und, wie er schrieb, sein „zweites Ich“. Zusammen mit ihrer Mutter fertigte sie viele Stickereien nach Vorlagen ihres Mannes an, von denen einige in den ehemaligen Wohnräumen zu finden sind.
Neben diesen Stickereien machen vor allem Gemälde Mackes sowie diverse Tongefäße den Großteil der Ausstellung aus. Der begrenzten Wandfläche begegnen die Kuratoren mit digitalen Bilderrahmen, die weitere Werke des Künstlers präsentieren und nach Themen gruppiert sind. An einigen Wänden bringen große Fotos den Besuchern die Originaleinrichtungen der Räume nahe.
Viele der abgebildeten Möbelstücke entwarf Macke selbst. Leider wurde der Großteil der Einrichtung im Zweiten Weltkrieg zerstört; doch einige persönliche Habseligkeiten, etwa die handgeschriebene Speisenfolge des Hochzeitsmenüs des Ehepaares oder das Originaltürschild des Hauses, haben den Krieg überdauert.





