Die Therapieschiffe werden detailliert geplant
Die Idee schwimmender Sanatorien wurde zunächst in den USA aufgegriffen. Seit 1904/05 plante man den Bau derartiger Schiffe auch für das deutsche Kaiserreich und die österreichisch-ungarische Monarchie. In Berlin wurde dafür eigens der „Verein zur Begründung Deutscher Schiffssanatorien unter Admiral von Knorr“ gegründet, in Österreich das „Austro-Hungarian Floating Sanatorium Sindicate, limited“. Geplant waren wochen- und monatelange Fahrten auf See bis hin zu einem Jahr für Kranke und Erholungsbedürftige.
Das Ansinnen, Schiffssanatorien einzurichten, hatte vor allem mit einer weitverbreiteten Erkrankung des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu tun: der Tuberkulose, damals auch als Lungenschwindsucht bezeichnet. Ein Artikel, der am 27. April 1904 in der „Badener Zeitung“ erschien, berichtete über die heilende Kraft der Seeluft: Sie rege „den Appetit an und gerade die reichliche Ernährung [sei] für den Lungenkranken von allergrößter Wichtigkeit“, das Herz beruhige sich. Darüber hinaus würden „die Nerven des Kranken aufs günstigste beeinflusst“. Weiter hieß es dort, dass Lungenkranke, die „sehr leicht zum Trübsinn neigt[en]“, „durch die großartigen, stets wechselnden Eindrücke“ einer Seereise abgelenkt würden. Man setzte auf „Licht und Luft“ als „die wichtigsten Heilfaktoren im Kampfe gegen die Tuberkulose“.
B. von Trnski, der Autor einer Veröffentlichung mit dem Titel „Über Seeluft und Seebäder“ aus dem Jahr 1886, wies auf die „außerordentliche Reinheit“ der Seeluft hin, die frei sei „von gewöhnlichem Staub und allen Miasmen“. Ihr fehlten auch „jene organischen Zersetzungsprodukte, die die Luft der Städte dumpf und schlecht“ machten. Zudem sei Ozon „in der Seeluft in reicherem Masse [vorhanden] als in der Atmosphäre über dem flachen, unbewaldeten Continentalboden“. „Das Verdunsten des salzigen Seewassers, das Sprühen und Brechen der Wogen an den Felsen der Küste sind als Quellen dieses reichen Ozongehaltes zu bezeichnen.“ Das Ozon vermöge die „meisten niederen Organismen, wie die Sporen von Schimmel und anderen Pilzen, Bacterien, Vibrionen zu zerstören“, es wirke also „reinigend auf die Atmosphäre“.
Eine Forderung an die Innovation war, dass die schwimmenden Sanatorien mit „allem hygienischen Komfort“ ausgestattet sein müssten. Obwohl Schiffe gerade in Hinblick auf die Tuberkulose eine fast perfekte Quarantäne-Situation geschaffen hätten, seien alle „infektiösen und Gemütskrankheiten von vornherein auszuschließen“, so die Anweisung von Oswald Flamm, Geheimer Regierungsrat und Professor für Schiffbau an der Technischen Hochschule Charlottenburg.





