Antje war das dritte von fünf Kindern des Bielefelder Textilkaufmanns Ernst Hasenclever und seiner Frau Therese. Die Eltern waren liberal und der Moderne gegenüber aufgeschlossen. So war auch der Vater in die Erziehung der Kinder eingebunden. Kunst spielte im Haus Hasenclever eine große Rolle, daher wurde bewusst die Kreativität der Kinder gefördert. Das Ehepaar hatte klare Regeln für die Erziehung der Kinder, aber es herrschte ein freier Ton in der Familie.
Liegt hier der Schlüssel zur Befähigung zum Widerstand? Frühe Forschungen zum Widerstand (1946) deuten darauf hin, dass Kinder, die eine freie Erziehung im Rahmen gesicherter Strukturen – nicht nur materiell, sondern vor allem emotional – genießen, sich als Persönlichkeit entfalten können. Gab ihnen dies die Sicherheit, sich später im Leben in der Diktatur zu bewähren – und sei es „nur“ bei der schwierigen Aufgabe, ein anständiger Mensch zu bleiben?
In Bielefeld machte Antje Hasenclever 1930 an der Kunstgewerbeschule eine Ausbildung zur Textilstickmeisterin. Nach ersten Beschäftigungen unter anderem in einer Plüschfabrik in Bielefeld zog sie nach Berlin. Dort hatte sie keine Arbeit, aber ein Ziel: Robert Havemann, der auch aus Bielefeld stammte. Schon bald bezogen die zwei eine gemeinsame Wohnung in Charlottenburg.
Havemann war überzeugter Kommunist, deshalb veränderte der 30. Januar 1933 die Situation des Paares fundamental, denn die Mitglieder der KPD waren erklärte Feinde des Nationalsozialismus, sowohl in ihrer eigenen Wahrnehmung als auch in der Sichtweise der Nazis. Man kannte sich von den erbitterten Auseinandersetzungen in der Weimarer Republik, die in den letzten Jahren oft in gewalttätigen Straßenkämpfen ausgetragen worden waren.
Von Beginn an im Widerstand gegen das NS-Regime
Auch wenn die neuen Machthaber umgehend damit begannen, ihr rassistisches und antisemitisches Programm umzusetzen, so richteten sie doch in ihrem ersten Furor das Augenmerk auf ihren politischen Feind: die Kommunistische Partei. Diese wurde sofort verboten, viele Mitglieder wurden verhaftet, verprügelt, ins Exil gezwungen oder gar ermordet, alles staatlich sanktioniert.
Havemann verbrannte sofort alle verdächtigen Dokumente im Kanonenofen der Wohnung. Sein Parteibuch mauerte er im Badezimmer ein. Antje Hasenclever räumte am Tag nach der „Machtergreifung“, am 31. Januar 1933, ein Berliner Schließfach aus. Dort hatten Unterlagen der Kommunistischen Partei gelagert, die Havemann ebenfalls vernichtete.
1934 heirateten Antje Hasenclever und Robert Havemann. Die beiden zählten inzwischen zu der sozialistischen Bewegung „Neu Beginnen“. Diese um 1929 gegründete Gruppe von Gleichgesinnten wollte zunächst die Spaltung der Arbeiterschaft überwinden. Ziel war der Aufbau einer Funktionärsorganisation, welche als Avantgarde die proletarische Revolution vordenken und vorbereiten sollte.





