Die Zweisprachigkeit in Südtirol fällt jedem Touristen gleich anhand der Ortsschilder auf. Es gibt in der autonomen italienischen Provinz Südtirol-Bozen aber noch eine dritte Sprache: das Ladinisch. Es ist die älteste lebendige Sprache in den Alpen und geht direkt auf das Latein zurück, das sich mit rätischen Elementen verbunden hat.
Das Ladinische ist in fünf Tälern der Dolomiten erhalten geblieben. Am bekanntesten ist das von der Brenner-Autobahn leicht erreichbare Grödnertal (ladinisch: Gherdëina), während etwa das Gadertal (Val Badia) lange weniger gut zugänglich war. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war es im Winter sogar monatelang weitgehend von der Außenwelt abgeschnitten. Die Täler von Fassa, Buchenstein und Ampezzo öffnen sich nach Süden und gehören zur Provinz Belluno. Jedes Tal hat sein eigenes ladinisches Idiom.
Die verkehrsferne Lage förderte den Erhalt der eigenen Sprache und Kultur. Entsprechend sind die regionale Topographie und Geologie wichtige Ausstellungsthemen im Museum Ladin. Die Reihe der Entdecker der Dolomiten, allen voran der namengebende französische Geologe und Mineraloge Déodat de Dolomieu (1750–1801), wenige, gut ausgewählte Gesteinsproben, geologische Schemata und erste Kartierungen ergänzen ein großformatiges Foto eindrucksvoller Bergspitzen.
Hier wie bei vielen anderen Themen gelingt durch die Verbindung unterschiedlicher Medien und knapper Texte eine dichte Aussage. Die Beschriftungen sind dreisprachig, also auch deutsch. Dem Rundgang folgend geht es vom hellen Neubau mit Sonderausstellungsbereich, Café und einem gut bestückten Museumsshop zur mittelalterlichen Burganlage. Hier bieten die Kellerräume mit ihren Kieselböden einen trefflichen Rahmen für die Betrachtung der frühen Besiedlungsgeschichte von den steinzeitlichen Jägern bis zu ersten bronzezeitlichen Siedlungen.
Während der letzten vorchristlichen Jahrhunderte nutzten die Räter Kultplätze auf den Bergen und verwendeten ein mit dem Etruskischen verwandtes Alphabet. Mit der Romanisierung entlang der großen Täler wuchsen bestehende Siedlungen wie Bozen und Brixen. Ein lokal gefärbtes Volkslatein kam in Gebrauch.
Offenbar wurde die Burg ´Ciastel de Tor in St. Martin in Thurn, in der das Museum untergebracht ist, im 13. Jahrhundert genau im Schnittpunkt römischer Landvermessungen errichtet, die im Gelände noch nachvollziehbar waren. Die weitere Baugeschichte wird anhand von Modellen dargestellt. Das fragile Machtgleichgewicht der sich überlagernden Herrschaftsrechte des Bischofs von Brixen, der Tiroler Landesfürsten, des Stifts Sonnenburg und anderer lud externe Mächte wie den Papst und die Herrscher Österreichs ein, sich als – nie unparteiische – Schlichter zu engagieren.





