Die Reichswehr knüppelt Arbeitererhebungen nieder
Nur anderthalb Jahre später besetzten Freikorpssoldaten im Rahmen des Kapp-Lüttwitz-Putsches Berlin und zwangen die rechtmäßige Regierung unter Reichskanzler Gustav Bauer (SPD) zur Flucht nach Württemberg. Die Reichswehr verhielt sich in dieser fundamentalen Krise offiziell „neutral“, doch an vielen Orten wurden Streiks und Arbeitererhebungen, die das Kabinett Bauer unterstützen sollten, durch das Militär blutig niedergeschlagen.
Wie passt das Bild von Hunderttausenden Militärangehörigen, die im November 1918 unter roter Flagge stehen und für parlamentarische Demokratie und eine freiheitliche Republik eintreten, mit dem Bild einer weitgehend republikfeindlichen Reichswehr im Frühjahr 1920 zusammen? Wer waren die Anführer der Aufständischen von 1918, die den Deutschen Kaiser zur Flucht und die deutschen Fürsten zur Abdankung zwangen, und was wurde später aus ihnen?
Es fällt nicht schwer, eine Biographie über fast jeden Admiral oder General des Ersten Weltkriegs zu finden. Nach einer biographischen Arbeit über den 25-jährigen Maat Friedrich Zeller, der am 6. November 1918 an der Spitze von 60 Matrosen die Kontrolle über Hamburg übernahm und Vorsitzender des Hamburger Soldatenrates wurde, sucht man jedoch vergebens. Die militärgeschichtliche Forschung fremdelte lange Zeit mit diesem zentralen Aspekt deutscher Militärgeschichte, der sich nicht in die Erzählungen über große Feldherren und Schlachten einreihen lässt. Umgekehrt zeichnete die breitere Forschung zur Novemberrevolution einen mitunter absoluten Gegensatz zwischen revolutionär gesinnten, „meuternden“ Mannschaften und ihren „reaktionären“ Offizieren.
Beide Ansichten lassen sich so nicht aufrechterhalten. Denn blickt man eingehender auf die Motive und Biographien der in die Novemberrevolution verstrickten Offiziere aus Heer und Marine, so finden sich zahlreiche wirklich demokratische Persönlichkeiten, die sich nicht nur im November des Jahres 1918 für die Demokratisierung des Reiches einsetzten.
Unter dem Druck linksradikaler Gewalt formierte sich im Januar 1919 in Berlin das „Regiment Reichstag“ zur Stützung des sozialdemokratischen Rates der Volksbeauftragten, geleitet vom ehemaligen Unteroffizier Erich Kuttner (SPD). Aus dieser Keimzelle entstand noch im selben Jahr der „Republikanische Führerbund“, der auf eine umfassende Demokratisierung der Streitkräfte hinwirken wollte und sich primär aus republikanisch gesinnten Unteroffizieren rekrutierte. Wie schon während der Novemberrevolution sprachen sich für den „Führerbund“ auch einzelne Generäle aus, aber die erdrückende Mehrheit der höheren Offiziersränge sperrte sich gegen jegliche Reformbemühungen.





