Mit dieser Frage beschäftigt sich der Historiker Klaus Oschema im Rahmen von Forschungen zur Expertenkultur. Oschema macht mehrere Gründe dafür aus, dass Astrologen nicht „versagen“ konnten. Erstens waren ihre Prophetien oft sehr allgemein oder ambivalent gehalten, so dass sie interpretierbar waren. Wenn aber exakte Prognosen, etwa über eine bevorstehende Heirat oder Reise, abgegeben werden mussten, so war die Gegenwartsrelevanz maßgebend: Der Astrologe hatte dem Auftraggeber in einer konkreten Situation die Entscheidung erleichtert, das zählte. Außerdem hatte er seine Vorhersage auf einer in der damaligen Zeit für wissenschaftlich gehaltenen Grundlage erhoben – das schuf Vertrauen. Darüber wurden falsche Prognosen gern vergessen, richtige aber in Erinnerung behalten. Dies gilt bis heute. Und schließlich konnte immer noch auf Gottes unergründlichen Ratschluss verwiesen werden – ein Ausweg, der auch Paul von Middelburg blieb.
Autorin: Dr. Heike Talkenberger





