Nach Kriegsende studierte Raffalt mittelalterliche Geschichte und scholastische Philosophie in Passau, anschließend Musikwissenschaft und Philosophie in Tübingen. Kurz vor Beendigung seines Studiums begann durch eine Reise Raffalts innige Beziehung zu Italien, ein Land, welches ihn tief prägen sollte.
Erste Arbeiten für die „Passauer Neue Presse“ bildeten bald den Auftakt einer steilen journalistischen Karriere. Raffalt berichtete 1948 auch erstmals für den Bayerischen Rundfunk; das war der Beginn einer knapp 30 Jahre andauernden Zusammenarbeit, an deren Ende rund 200 Rundfunksendungen und 30 Fernsehfilme standen.
1951 verlegte Raffalt seinen Lebensschwerpunkt nach Rom. Ein nicht einfacher Schritt, waren seine ersten Jahre doch von finanziellen Sorgen und Unsicherheit geprägt. Doch Raffalt, der sich früh einen internationalen Bekanntenkreis aufbaute, hatte immer hilfsbereite Freunde. 1954 war die Durststrecke vorbei, er wurde zum Direktor der Deutschen Bibliothek in Rom ernannt.
Raffalts Hauptwohnsitz war bis zum Ende seines Lebens Rom, wobei „Wohnsitz“ ein Konzept ist, welches nicht wirklich in die Biographie des stets rastlosen Bayern passt. Reinhard Raffalt sah sich immer als Vermittler zwischen Bayern und Italien, persönlich zwar in Süddeutschland verwurzelt, geistig aber eher im römischen Erbe der Antike, welches er seinem Publikum näher bringen wollte.
Die Reaktionen des Publikums und der Presse auf seine Bücher, Filme, Radiosendungen und Inszenierungen waren zumeist positiv. Kontroversen kamen vor allem über seine Kommentare zur Entwicklung der katholischen Kirche auf, einigen wenigen war Raffalt zu kritisch, vielen aber zu konservativ. Seine Mitgliedschaft in der Hitlerjugend und später in der NSDAP thematisierte Raffalt nie. Auch in seinem späteren Wirken könne die Verdrängung „moderner, bedrohlich erscheinender Entwicklungen“ zu den Erfolgsrezepten Raffalts gezählt werden, so merkt Traut kritisch an. Bei den Zuschauern kam das zumeist gut an, was zahlreiche Zuschriften belegen.
Julian Traut hat mit „Ein Leben für die Kultur“ eine spannende, gut recherchierte und ausführliche Biographie eines Mannes geschrieben, der sich Zeit seines Lebens örtlich wie auch thematisch nur schwer verorten ließ. Als Journalist, Musiker, Schriftsteller und Politiker war Raffalt getrieben, aber nicht fliehend, rastlos, und doch angekommen, in einem Raum zwischen Deutschland und Italien, Europa und der Welt – ein echter Europäer.
Rezension: Jonas Kreutzer





