Aufstieg Venedigs: Knotenpunkt des Handels - wissenschaft.de | DAMALS
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Knotenpunkt des Handels
Der Aufstieg Venedigs im Mittelalter ist eine erstaunliche Erfolgsgeschichte. Die erst im Mittelalter entstandene Stadt stellte ihre Rivalen auf dem Festland bald in den Schatten. Eine zentrale Rolle spielte dabei die besondere politische Ordnung der Handelsmetropole.
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von IRMGARD FEES
Venedig war im Mittelalter eine der größten Städte Europas. Ende des 12. Jahrhunderts hatte die Stadt rund 80 000 Einwohner, gut 100 Jahre später, vor der Großen Pest von 1347, waren es 135 000. Für heutige Begriffe hört sich das nicht unbedingt nach einer Großstadt an. Man muss sich jedoch vor Augen führen, dass in der größten deutschen Stadt des Mittelalters, Köln, zur Zeit ihrer größten Ausdehnung im 14. Jahrhundert etwa 40 000 Menschen lebten. Venedig aber hatte 200 Jahre früher bereits doppelt so viele Bewohner gehabt.
Im hohen und späten Mittelalter war Venedig wohl der bedeutendste Warenumschlagplatz Europas und der Mittelmeerwelt. In der Stadt wurde der größte Teil des Handels zwischen Westeuropa und dem östlichen Mittelmeer abgewickelt, den Küsten der Levante und Ägyptens, wo die Seidenstraßen aus dem fernen Orient und die Karawanen aus den Gebieten um den Indischen Ozean endeten. Venedig handelte mit Rohstoffen wie Eisen, Erzen, Wolle und Pelzen, mit lebensnotwendigen Nahrungsmitteln wie Weizen, Wein, Öl und Käse sowie mit Salz, kostbaren Gewürzen und Luxusgütern jeder Art.
Neben dem Handelszentrum war es auch ein Finanzzentrum; hier wurden also nicht nur Waren, sondern auch Geldgeschäfte in großem Ausmaß getätigt. Im Lauf des hohen und späten Mittelalters konnte Venedig ein System von abhängigen Handelskolonien aufbauen, das von Oberitalien über die Adriaküsten bis in die Ägäis und an die Küsten des östlichen Mittelmeeres reichte und zeitweise Kreta und Zypern umfasste. Das ursprünglich auf die Lagune beschränkte Stadtgebiet konnte es um ausgedehnte Besitzungen auf dem oberitalienischen Festland, der sogenannten Terra ferma, erweitern und stellte damit eine der Großmächte des späten Mittelalters dar.
Aufstieg Venedigs: eine Großmacht wächst aus dem Sumpf empor
Wie ist es zu erklären, dass Venedig zu seiner großen Bedeutung gelangte? Anders als Rom, Paris, Köln und viele andere bedeutende Städte des Mittelalters hatte die Lagunenstadt keine Vorläufer in römischer Zeit, auf deren Mauern und deren Strukturen sie hätte aufbauen können. Die Orte der Lagune waren zwar bereits in antiker Zeit besiedelt; als Stadt ist Venedig jedoch erst im Mittelalter entstanden – und in kurzer Zeit stark gewachsen.
Die natürlichen Voraussetzungen waren alles andere als ideal: Die Inseln, aus denen die spätere Stadt Venedig entstehen sollte, befanden sich inmitten einer Lagune und waren stets von Überschwemmungen bedroht. Sie bestanden aus allenfalls leichten Erhebungen über dem Wasserspiegel, die umgeben waren von Sumpfgebieten. Die Errichtung von Häusern oder gar repräsentativen Großbauten war eine Herausforderung. Verkehrswege zu Lande fehlten gänzlich. Wie ist es also zu erklären, dass die Stadt aus diesen misslichen Bedingungen heraus den Aufstieg zu einem der zentralen Handels- und Wirtschaftszentren der damaligen Welt erreichen konnte?
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Der vorhergehende Artikel hat die politischen Faktoren der Gründung der Lagunenstadt beleuchtet. Schaut man auf die natürlichen Ressourcen, bot der Standort durchaus einige Vorteile: Die Lagune war reich an Fisch, und auch Salz ließ sich hier gewinnen. Der Fischfang sicherte die Grundversorgung der Bevölkerung mit Eiweiß. Auf den Inseln wurde zudem in großem Ausmaß Gemüse und Wein angebaut. Im jetzigen Stadtzentrum, den Inseln um die Rialto-Brücke, die wir heute als das eigentliche Venedig verstehen, fanden sich bis ins hohe Mittelalter Gärten und Weinberge. Auf den entfernteren Inseln der Lagune gibt es den Gemüseanbau bis heute. Das alles diente der Selbstversorgung der Stadt.
Als die Bevölkerung im Lauf des Mittelalters–wie anfangs skizziert – extrem schnell stark anwuchs, war das selbstverständlich nicht mehr ausreichend. Venedig bezog in großem Ausmaß Lebensmittel, vor allem Getreide, aus Oberitalien und aus den Kornkammern des Mittelmeerraums, insbesondere Sizilien. Die venezianischen Kaufleute luden die Bäuche ihrer Schiffe voll mit Getreide.
Die außerordentlich gut funktionierende Verwaltung der hochmittelalterlichen Stadt organisierte auch die Verteilung der Lebensmittel. Sie legte zum Beispiel große Lebensmittelspeicher zentral im Stadtgebiet an, so etwa einen Speicher für Hirse am Canal Grande bei San Stae und einen riesigen Weizenspeicher in unmittelbarer Nähe des Markusplatzes.
Die Stadt kaufte Getreide in großen Mengen auf Vorrat und lagerte es in diesen Speichern. So war die Bevölkerung vor den häufig auftretenden mittelalterlichen Hungersnöten weitgehend geschützt. Man darf allerdings auch nicht verschweigen, dass überzählige Vorräte während solcher extremer Lebensmittelknappheiten mit großem Gewinn nach außerhalb der Stadt verkauft werden konnten.
Zum Schutz der eigenen Bevölkerung vor überhöhten Lebensmittelpreisen und Spekulation in Zeiten der Not wurden zudem außerordentlich früh entsprechende Gesetze erlassen. Berühmt ist etwa ein Gesetz des Dogen Sebastiano Ziani (1172–1178) aus dem Jahr 1173, das für Wein, Getreide, Fleisch (auch Geflügel), Fisch und Öl eine preisliche Obergrenze festsetzte, die die Verkäufer dieser Waren nicht überschreiten durften.
Salinen in der Lagune erzeugen das „Weiße Gold“, das den Aufstieg Venedigs befördert
Salz sicherte zunächst das Überleben der Bewohner der Inseln, später sorgte es für den Reichtum der Stadt. In den flachen Gewässern der Lagune und entlang der Küste konnte in den Sommermonaten durch das Eindampfen von Meersalz relativ leicht Salz gewonnen werden. Es bildete das älteste und wichtigste Handelsgut der venezianischen Bevölkerung, denn in den benachbarten Regionen Oberitaliens war Salz Mangelware. Auch noch in den Phasen des größten Reichtums der Stadt investierte der Adel in die Salzproduktion und legte besonders um die im Süden der Lagune gelegene Stadt Chioggia herum ausgedehnte Salzgärten an.
Für Venedig war das Salz auch ein potentes Mittel, um wirtschaftlichen und politischen Druck auszuüben. Zunächst erlangte die Stadt in ihrer engeren Umgebung, dann im gesamten Adriaraum ein Monopol auf den Salzhandel. So kontrollierte die Stadt die Märkte. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts beispielsweise wollten die Venezianer den Salzpreis auf den internationalen Märkten erhöhen. Dazu zerstörten sie die Salinen auf Kreta und verboten dort die lokale Produktion von Salz. Nun verfügten die venezianischen Händler über ein Monopol und konnten den Preis diktieren.
Auch bei politischen Konflikten nutzten die Venezianer Salz als Druckmittel, indem sie drohten, die Lieferungen einzustellen. Ähnlich wie beim Getreide legte die Stadt auch für das Salz riesige Speicher an, die zum Teil heute noch bestehen.
Letztlich entscheidend für den Aufstieg Venedigs waren jedoch die besondere geographische Lage und die damit verbundene politische Positionierung Venedigs im frühen Mittelalter, also in der Zeit vor der Jahrtausendwende. Wie im vorangegangenen Artikel bereits beschrieben, war Venedig über längere Zeit quasi der westlichste Außenposten des Byzantinischen Reichs; die Stadt agierte aber bereits im frühen Mittelalter zunehmend unabhängig von Byzanz, das nur noch nominell die Oberherrschaft ausübte, und entwickelte eigene politische Strukturen.
Diese wachsende Selbständigkeit, verbunden mit der Position zwischen dem westlichen Europa und dem Oströmischen Reich, ermöglichte es der Stadt, zwischen den politischen Lagern tätig zu werden und durchaus auch die Parteien gegeneinander auszuspielen, etwa das Byzantinische Reich bei politischen oder militärischen Konflikten auf der italienischen Halbinsel zu unterstützen und sich im Gegenzug dafür weitere Unabhängigkeit und besondere Privilegien, etwa auf dem Gebiet des Handels, übertragen zu lassen.
Es gelang der Stadt nicht nur, sich gegen die Eroberungsversuche durch die Herrscher des karolingischen Reiches erfolgreich zu behaupten, sondern auch, Vereinbarungen mit diesen Herrschern und ihren Nachfolgern zu schließen, die die Rechte der Stadt im Reich festhielten. Diese Vereinbarungen, die sogenannten Kaiserpacta, waren der Form nach von den Königen und Kaisern erlassene Privilegien, der Sache nach jedoch die Ergebnisse von Verhandlungen auf zunehmend gleichberechtigter Basis.
Den Höhepunkt dieser Vereinbarungen stellt wohl das Privileg Kaiser Heinrichs IV. von 1084 dar. Darin wird Venedig der Handel im gesamten römisch-deutschen Reich gestattet, den Bewohnern des Reiches selbst aber nur der Handel bis Venedig, keineswegs darüber hinaus. In der Lagunenstadt angekommen, mussten die Händler aus den Gebieten nördlich der Alpen ihre Waren abliefern, und von hier aus übernahmen die venezianischen Kaufleute den weiteren Handel. Das heißt, dass Venedig das Stapelrecht durchgesetzt hatte, was von enormem wirtschaftlichem Vorteil war.
Noch wichtiger waren die Privilegien, die Venedig dem einstigen Oberherrn Byzanz abhandeln konnte. Die ersten Vorrechte im Handel mit dem Byzantinischen Reich und besonders in der Hauptstadt Konstantinopel selbst gestand der byzantinische Kaiser Venedig bereits im 10. Jahrhundert zu. Im Austausch für militärische Hilfe gegen die Araber und die Normannen in Süditalien erreichte Venedig weitere Privilegien: Seit dem 11. Jahrhundert durfte Venedig im gesamten Byzantinischen Reich Handel treiben, eigene Kaufmannskolonien an den Küsten gründen sowie in der Hauptstadt Handelshäuser, Anlegestellen und ein eigenes venezianisches Viertel einrichten.
Zudem unterhielten venezianische Kaufleute bereits im frühen Mittelalter Handelskontakte nach Alexandria in Ägypten und anderen Orten an der afrikanischen Mittelmeerküste. Keine selbstverständliche Entwicklung, schließlich waren christlichen Händlern eigentlich Kontakte mit Muslimen untersagt. Im 12. Jahrhundert sind venezianische Handelsfahrten bis nach Tunis und darüber hinaus, etwa Ceuta, bezeugt.
Außer Holz, Waffen und Metallen wurden auch Sklaven an diese Orte verkauft. Diese stammten meist aus dem slawischen Raum. Zwar war Christen die Versklavung anderer Christen bereits im Mittelalter verboten, doch der Handel mit der „Ware Mensch“ war im Mittelmeerraum weiterhin ein blühendes Geschäft, gerade für die venezianischen Kaufleute.
Auch im Heiligen Land erhielt Venedig in der Folge des Ersten Kreuzzugs (1096 –1099) seit dem frühen 12. Jahrhundert das Recht auf freien Handel. In Tyros, dem bedeutenden Handelszentrum in Syrien, an dessen Eroberung sich eine venezianische Flotte beteiligt hatte, entstand etwa ein eigenes venezianisches Viertel, faktisch eine Kolonie.
Beim Handel mit dem Osten kommt man an Venedig nicht vorbei
Fast der gesamte Handel des westlichen Europa mit dem Byzantinischen Reich, der Levante und dem Vorderen Orient lief im Mittelalter über die Drehscheibe Venedig.
Doch die Venezianer knüpften auch an weiterreichende Handelsnetzwerke an: Am Schwarzen Meer etwa endeten verschiedene Routen der Seidenstraße, die Güter aus Zentral- und Ostasien an die Grenzen Europas brachten; an den Küsten Palästinas und Ägyptens entluden Karawanen ihre kostbaren Waren aus Indien und von der arabischen Halbinsel.
Ein weiterer Grund für den Aufstieg und den Erfolg Venedigs war die ungewöhnliche Verfassung des Gemeinwesens. Innerhalb der Stadt setzte früh eine Entwicklung ein, die sich langfristig als sehr bedeutend erweisen sollte: Das politische System in Venedig verhinderte, dass Dynastien entstanden. Die Macht des politischen Oberhaupts wurde eingeschränkt, und trotz der Konzentration von Macht und Einfluss auf eine Elite von einflussreichen Familien gelang es, die Zahl der Mitglieder dieser Elite recht groß zu halten.
Der Doge wurde im Zuge der allmählichen Loslösung von Byzanz zu einem von den Venezianern selbst gewählten Oberhaupt des Gemeinwesens. Die Dogen stammten aus den führenden Familien der Stadt. In der Frühzeit versuchten einzelne Dogen immer wieder, ihr Amt an ihre Söhne weiterzugeben. Die übrigen Familien wussten dies jedoch zu verhindern.
Der Doge wurde in einem immer komplizierter werdenden Wahlverfahren gewählt und zunehmend politisch entmachtet. Diese Entwicklung setzte bereits im 11. Jahrhundert ein. Die Dogen mussten nach ihrer Wahl sogenannte Wahlkapitulationen unterzeichnen, quasi Kataloge von Geboten, gegen die sie nicht verstoßen durften.
Neben den Dogen spielten, ebenfalls beginnend im späten 11. Jahrhundert, Räte eine immer stärkere Rolle, also Gremien von führenden Männern, die die eigentliche Regierung darstellten. Damit setzte eine sich ausdifferenzierende Ämter- und Aufgabenteilung ein.
Nach außen hin sichtbar wird diese Verteilung der Entscheidungsgewalt auf viele Schultern zum Beispiel in den Dogenurkunden. Die bekannten Urkunden der westlichen Könige und Kaiser wurden allein im Namen des Herrschers erlassen und auch vom Herrscher allein, dazu von seinem Kanzler, unterzeichnet. Dagegen tragen die venezianischen Gesetze und Erlasse im frühen und hohen Mittelalter niemals nur die Unterschrift des Dogen, sondern immer auch die zahlreicher weiterer Männer.
Manchmal waren es mehrere hundert, die die Entscheidungen mittrugen. Das bereits erwähnte Lebensmittelgesetz des Dogen Sebastiano Ziani von 1173 etwa wurde außer vom Dogen selbst von 57 weiteren Männern unterschrieben und damit auch inhaltlich mitgetragen.
Bemerkenswert dabei ist eine starke soziale Mobilität innerhalb der Gesellschaft, die sich im frühen und hohen Mittelalter beobachten lässt, jedenfalls bis zur sogenannten Schließung des Großen Rats im Jahr 1297. Erst mit diesem Akt, der „Serrata“, wurde der größte Teil der Bevölkerung dauerhaft von der Teilnahme an der Macht ausgeschlossen und eine oligarchische Herrschaft eines geschlossenen Kreises von Adelsfamilien installiert.
Zuvor aber, besonders im 10., 11. und 12. Jahrhundert, lässt sich beobachten, dass immer neue Familien neben ältere Geschlechter traten und dass diese neuen Familien sich ebenfalls, wie die altehrwürdigen, als adlig begriffen und auch als gleichberechtigt akzeptiert wurden. Wer wirtschaftlichen Erfolg hatte, konnte in der Konsequenz auch politischen Einfluss erreichen.
Und noch eine politisch-soziale Besonderheit Venedigs gilt es in diesem Zusammenhang zu erwähnen: Der gesamte Adel war im Handel engagiert, anders als der Adel auf dem Festland rund um die Adria und erst recht der Adel nördlich der Alpen. Etwas vereinfachend kann man sagen, dass alle Angehörigen der adligen Führungsschicht der Stadt umfangreiche praktische Erfahrung im Handel hatten.
Dementsprechend waren die Dogen des hohen Mittelalters, bevor sie ihr hohes Amt antraten, ganz selbstverständlich als junge Leute auf den Kaufmannsschiffen unterwegs gewesen. Sie hatten Konstantinopel, Akkon und Tyros oder Alexandria in Ägypten selbst gesehen, bevor sie irgendwann in etwas höherem Alter politische Ämter oder Verwaltungsaufgaben übernahmen.
Sie kannten die Praxis des Handels somit genauso wie die nicht adligen Schichten der Bevölkerung, die Fernhandel betrieben. Auch die weiblichen Mitglieder adliger Familien und die Frauen der Mittelschicht investierten in den Fernhandel; nicht selten übernahmen sie während der Abwesenheit ihrer Ehemänner die Geschäfte.
Fast alle Amtszeiten waren begrenzt – aber Doge wurde man in Venedig auf Lebenszeit
Eine weitere innenpolitische Voraussetzung für den Erfolg Venedigs war die Begrenzung nahezu sämtlicher Amtszeiten. Da die städtische Administration seit dem späten 11. Jahrhundert in immer mehr Zuständigkeiten ausdifferenziert wurde, nahm die Zahl der städtischen Ämter stetig zu. Die ältesten Ämter, die wir neben dem Dogenamt kennen, sind die Iudices, wörtlich also Richter. Sie saßen zwar auch mit dem Dogen gemeinsam zu Gericht, waren aber eigentlich eher seine engsten politischen Berater. Es gab immer sechs Iudices gleichzeitig.
Daneben gab es seit 1141 die Sapientes, wörtlich die Weisen oder die Wissenden. Es handelt sich um den wohl aus 40 Mitgliedern bestehenden Vorläufer der später „Großer Rat“ genannten Institution. Seit 1173 ist das Amt des Camerarius comunis, des Kämmerers der Kommune, bezeugt, das wohl jeweils zwei Personen innehatten. Fast zur selben Zeit werden auch die Advocatores comunis erstmals erwähnt, kurze Zeit später, 1179, die Iudices comunis.
In dieser Zeit ging es Schlag auf Schlag. 1183 erscheint in den Quellen ein weiteres neues Beratungsgremium des Dogen, dessen sechs Mitglieder Consiliarii, also Ratgeber oder Räte, genannt wurden. Die Consiliarii werden auch als „Kleiner Rat“ bezeichnet, im Gegensatz zu dem aus 40 Mitgliedern bestehenden Großen Rat.
Auch das einflussreiche Amt der Prokuratoren von San Marco ist im 12. Jahrhundert zuerst bezeugt, zunächst 1152 mit nur einem Amtsinhaber, dessen Aufgabe die Betreuung der Kirche von San Marco und ihres Vermögens war. Das Amt sollte sich zum ranghöchsten und angesehensten weltlichen Amt nach dem des Dogen entwickeln.
Zu den hohen Ämtern gehörten im 12. Jahrhundert auch die venezianischen Grafschaften (Komitate) an der dalmatinischen Adriaküste, in denen zumeist Dogensöhne oder Männer aus Dogenfamilien eingesetzt wurden. Die Würde war nicht erblich, wurde jedoch unbefristet vergeben; nur bei der Übernahme des Dogenamtes gab man ein solches Komitat auf.
Keines dieser Ämter – und das ist für das Verständnis des politischen Systems im Venedig entscheidend – konnte vererbt werden. Mit Ausnahme der Dogen- und der Prokuratorenwürde sowie der dalmatinischen Komitate wurde auch keines der Ämter auf Lebenszeit vergeben. Häufig betrug die Amtszeit nicht mehr als ein Jahr. Der Amtscharakter blieb immer erhalten, und mit einem gewissen Recht sind die Inhaber der venezianischen Ämter in der modernen Forschung als Beamte bezeichnet worden.
Alle Ämter waren mit Mitgliedern der führenden Familien besetzt. Ein Amt erlangte man nicht aufgrund einer speziellen Ausbildung, so verfügten selbst die Iudices, die neben ihrer politischen Funktion durchaus jurisdiktionelle Aufgaben wahrnahmen, selbst zum Ende des 12. Jahrhunderts noch über keine einschlägige Schulung etwa an Universitäten oder Rechtsschulen. In den anderen Kommunen Oberitaliens war dies durchaus üblich.
Die Amtsträger waren alles juristische Laien, Männer aus vornehmen Familien oder in Einzelfällen auch soziale Aufsteiger, die häufig in ihrer Jugend als Kaufleute nach Übersee gereist waren und in Levantehäfen Handel getrieben hatten. Sie engagierten sich auch weiterhin im Handel und bei Kreditgeschäften, aber mit zunehmendem Alter übernahmen sie häufiger eine Reihe von Ämtern und politischen Aufgaben.
Im 12. Jahrhundert lässt sich oft genau verfolgen, wie ein Mann nicht nur eines, sondern eine Vielzahl von Ämtern nacheinander wahrnahm: Wer zunächst Iudex war, konnte später Gesandter bei einer auswärtigen Macht, Advocator comunis, erneut Iudex und schließlich auch Doge werden. Es gab also eine Art „Karriere“.
Diese besonderen Verhältnisse hatten zur Folge, dass die Männer der Führungsschicht im Lauf ihres Lebens auf sehr zahlreichen unterschiedlichen Gebieten Erfahrung sammelten. Sie waren zunächst auf eigenen oder fremden Schiffen segelnde Kaufleute oder Unternehmer, die in Handelsgeschäfte investierten, später übernahmen sie dann verschiedenste Ämter. Dabei waren ihnen die Erfahrungen aus der Praxis sicher eine große Hilfe.
Für das 13. Jahrhundert hat der US-amerikanische Historiker Frederic Lane (1900 –1984) errechnet, dass aus einer Gesamtbevölkerung von etwa 100000 Menschen rund 500 Männer ständig in der Vielzahl der venezianischen Ämter und Gremien beschäftigt und damit an der Herrschaft beteiligt waren. Diese Männer stammten aus annähernd 100 verschiedenen Familien, unter denen wiederum 20 bis 50 zu den „großen“ Geschlechtern gerechnet werden dürften, nämlich solchen, die über umfangreichen Kapital- und Grundbesitz verfügten und deren Vorfahren bereits in hohen Ämtern für Staat, Gesellschaft und Kirche tätig gewesen waren.
Lane bezeichnet das venezianische Herrschaftssystem um die Mitte des 13. Jahrhunderts, also vor der sogenannten Schließung des Großen Rats im Jahr 1297, nicht als oligarchisch, sondern als aristokratisch. Laut Lane war es kein System weniger Familien oder einer kleinen Gruppe von Geschlechtern, sondern eine vollständige Schicht der Bevölkerung, nämlich der gesamte Adel, die habe Einfluss nehmen können.
Nebenbei bemerkt, durfte man ein Amt, das einem angetragen wurde, nicht ablehnen. Tat man dies dennoch, etwa weil ein solches Amt mit hohen Belastungen verbunden war und man, statt in Gremien zu sitzen, in derselben Zeit lieber einer einträglichen Handelstätigkeit nachgehen wollte, so wurde man mit durchaus empfindlichen Strafen belegt. Und grundsätzlich befreit war man durch diese Strafe nicht: Beim nächsten Amt, das einem übertragen wurde, galt die Annahme wieder als verpflichtend.
Schreibkenntnisse waren sehr viel weiter verbreitet als in anderen Regionen
Neben der Amtszeitbegrenzung und der Laufbahn vieler Venezianer durch zahlreiche Ämter und Aufgaben gibt es einen weiteren Faktor, der zur venezianischen Erfolgsgeschichte beigetragen haben dürfte: die Lese- und Schreibkenntnisse, die sich bereits seit dem 12. Jahrhundert in großen Teilen der Bevölkerung feststellen lassen. Zu einer Zeit, in der die Beherrschung der Schrift in ganz Europa noch weitgehend der Geistlichkeit vorbehalten war, verfügten in Venedig die Angehörigen des Adels und auch Kaufleute unterhalb dieser sozialen Schicht über Grundkenntnisse im Schreiben.
Anhand des sehr umfangreichen venezianischen Urkundenmaterials mit mehreren tausend eigenhändigen Unterschriften kann man nachweisen, dass sich Elementarkenntnisse im Schreiben in dieser Stadt seit dem 10. Jahrhundert erst allmählich, dann aber immer stärker ausbreiteten. Die Männer der politischen Führungsschicht besaßen im 12. Jahrhundert nahezu ausnahmslos wenigstens solche Basiskenntnisse.
Aber auch außerhalb des Adels und bis weit in alle Bevölkerungsschichten hinein waren elementare Schreibkenntnisse verbreitet. „Elementar“ bedeutet ganz konkret die Fähigkeit, den eigenen, aus Taufnamen und Familiennamen zusammengesetzten Namen sowie eine kurze oder längere Unterschriftsformel in lateinischer Sprache schreiben zu können, die auch einen Titel oder eine Funktion einschloss. So schrieb beispielsweise im Jahr 1140 ein Mann, der als Zeuge einer notariellen Urkundenbeglaubigung tätig wurde: „Ego Iohannes Barzigessus vidi et legi matrem istius exempli, tantum continet in ista quantum in illa testis subscripsi.“ Er bestätigte also, dass er die Vorlage der Abschrift gesehen und gelesen habe und dass der Inhalt der Abschrift der Vorlage entspreche. Die Schreibkenntnisse waren also durchaus ausgeprägt. Die Urkunden lassen allerdings auch erkennen, dass nicht jeder ein fehlerfreies Latein beherrschte.
Zusammenfassend kann man sagen, dass es letztlich nicht einzelne Gründe, sondern zahlreiche Faktoren waren, deren Zusammenwirken Venedig als erst im Mittelalter entstandene Stadt unter den alten urbanen Zentren Norditaliens zu großen Erfolgen führte. Es ist das Ensemble der skizzierten geographischen, ökonomischen, sozialen und politischen Besonderheiten im Hochmittelalter. Hervorzuheben sind die hohe soziale Mobilität und die breite Kompetenz des Adels und anderer gesellschaftlicher Schichten, die ihre Erfahrungen aus der Praxis im Fernhandel und der Finanzwirtschaft in politischen Ämtern sowie in Verwaltung und Rechtsprechung einsetzen konnten.
Dass die Stadt gegen Ende des 12. Jahrhunderts einen Höhepunkt an Macht und Ansehen in Europa erreicht hatte, zeigt der Friedensschluss von 1177 zwischen dem römisch-deutschen Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152–1190, Kaiser seit 1155) und Papst Alexander III. (1159 –1181), der nach langwierigen Vorverhandlungen in feierlicher Form und mit großem Aufwand in Venedig in Szene gesetzt wurde. Es handelte sich um ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung, über das in ganz Europa berichtet wurde.
Der „Frieden von Venedig“ beendete die lange Zeit der Kirchenspaltung und der Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Papst. Der eigentliche Friedensschluss wurde am 24. und 25. Juli auf dem Markusplatz und in der Markuskirche inszeniert, aber auch danach blieben Barbarossa und Alexander III. in der Stadt und beschenkten sie reich.
Der Kaiser lebte mit seiner Familie bis Mitte September als Gast des Dogen Sebastiano Ziani im Dogenpalast. Er bestätigte der Kirche von Torcello und den Klöstern San Zaccaria und San Giorgio Maggiore ihre Besitzungen, erneuerte das Kaiserpactum und gewährte zusätzlich Freiheit von allen Abgaben in seinem Reich – für die venezianischen Kaufleute von höchster Bedeutung. Papst Alexander III., seinerseits zu Gast im Stadtpalais des Patriarchen von Grado in der Nähe des Rialto, gewährte den Kirchen und Klöstern der Stadt Privilegien und Ablässe und las Messen in der Markuskirche und in San Pietro di Castello, der Bischofskirche Venedigs.
Der Trubel in der Stadt in diesen Wochen des Friedenschlusses muss ungeheuer gewesen sein, denn Kaiser und Papst wurden von einem riesigen Gefolge von Fürsten und Kardinälen, Erzbischöfen und Bischöfen begleitet. Anschaulich schildert es Heinrich Kretschmayr, der 1905 eine auch heute noch lesenswerte Geschichte Venedigs schrieb: „Nahezu alles, was Namen, Stand und Ehren in Deutschland und Italien besaß, hatte sich dort eingefunden oder doch vertreten lassen. Voran die großen Erzbischöfe des Reiches, von Mainz, Köln und Trier, Salzburg und Magdeburg, Mailand, Ravenna und Vienne, der Patriarch von Aquileja; ein Heer von Bischöfen, deren einer, der von Bamberg, dort verstarb und in der Markuskirche bestattet wurde, und von Reichsäbten. Von weltlichen Fürsten Herzog Leopold V. von Österreich, der Herzog von Kärnten, Graf Florentius von Holland und Pfalzgraf Konrad bei Rhein; alle die Bevollmächtigten der Vertragschließenden, dazu die Gesandten von Frankreich und England; endlich die unübersehbare Zahl von Konsuln und Räten der italienischen Kommunen. Sie alle mit reichem Gefolge, Patriarch Ulrich, die Erzbischöfe Christian und Wichmann jeder mit 300, der Erzbischof von Köln gar mit 400, Herzog Leopold mit 160 Mannen – zusammen wohl an die 10000 Fremden.“
Der Vierte Kreuzzug wird für Konstantinopel zur Katastrophe
„Venedig war das Stelldichein der abendländischen Welt“, lautete Kretschmayrs Fazit. Nach diesem glanzvollen Höhepunkt in der mittelalterlichen Geschichte der Stadt folgte wenige Jahrzehnte später ein Ereignis von ebenfalls weltgeschichtlicher Bedeutung, das heute als eine der großen Katastrophen der Geschichte betrachtet wird: der Vierte Kreuzzug. Dieser wurde allerdings nicht, wie es Sinn eines Kreuzzugs gewesen wäre, gegen die „Ungläubigen“ im Heiligen Land geführt, sondern endete 1204 in der Eroberung und Zerstörung der christlichen Stadt Konstantinopel. Wie konnte es dazu kommen?
Nach dem Scheitern des Dritten Kreuzzuges wollten Ritter aus Nordfrankreich, der Champagne und Flandern das Heilige Land und Jerusalem nicht wie zuvor auf dem Landweg erreichen, auf dem das Heer dezimiert und geschwächt zu werden drohte, sondern den sichereren Seeweg wählen. Unter den als Ausgangspunkt in Frage kommenden italienischen Seestädten Venedig, Genua und Pisa wählte man Venedig aus. Sechs Gesandte trafen in der Lagunenstadt ein, um die Transportbedingungen auszuhandeln. Verhandlungspartner war der greise, fast blinde Doge von Venedig, Enrico Dandolo (1192–1205).
Im Frühjahr 1201 wurde ein Vertrag geschlossen. Laut einer geheim gehaltenen Klausel sollten die Kreuzfahrer zunächst Ägypten erobern und erst dann nach Jerusalem ziehen. Venedig verpflichtete sich, für 4500 Ritter mit ebenso vielen Pferden, 9000 Knappen und 20000 weiteren Menschen, also insgesamt etwa 35000 Kreuzfahrern Schiffsraum und Verpflegung für ein Jahr zu stellen. Venedig sollte darüber hinaus selbst 50 Schiffe beisteuern. Entlohnt werden sollte die Stadt dafür beim Aufbruch zum Kreuzzug mit 85000 Mark Silber.
Die venezianischen Verantwortlichen waren nicht nur im Schifffahrtswesen und im Schiffsbau, sondern auch im Planungs- und Rechnungswesen versiert – Bereiche, die den nordwesteuropäischen Fürsten und Adligen denkbar fern lagen. Diese pflegten einen eher nonchalanten Umgang mit Zahlen und Geld. Diese Ungleichheit der Vertragspartner in Erfahrung und Geisteshaltung sollte sich als verhängnisvoll erweisen.
Ein Jahr später, 1202, lag in Venedig die zugesagte Flotte bereit. Das war eine organisatorische Meisterleistung, die nur aufgrund des Arsenals möglich war, der großen venezianischen Schiffswerft, die seit dem Beginn des 12. Jahrhunderts bestand und auf den Bau von Handels- und Kriegsschiffen spezialisiert war. Jedoch trafen nicht 35000, sondern nur rund 10000 Kreuzfahrer in der Stadt ein, und diese konnten nicht die vereinbarten 85000 Mark Silber, sondern allenfalls zwei Drittel der Summe aufbringen. Venedig, das mit dem Schiffsbau in Vorleistung getreten war, fehlten somit 35000 Mark Silber in der Kasse – eine ungeheure Summe, die die Stadt finanziell in den Ruin zu führen drohte.
In dieser Lage schlug der Doge Enrico Dandolo vor, den Kreuzfahrern die Summe zu stunden, wenn sie Venedig bei der Eroberung der abtrünnigen und zwischen Ungarn und Venedig umstrittenen Stadt Zara, heute Zadar, an der dalmatinischen Küste unterstützen würden. Im Herbst 1202 brach man auf, der greise Doge Enrico Dandolo führte die Flotte an. Es gelang tatsächlich, die Stadt Zara zu erobern, und die Kreuzfahrer verbrachten dort den Winter, da es für eine Weiterfahrt zu spät war.
Im Winterlager trafen Gesandte des byzantinischen Thronprätendenten Alexios ein, der die Herrschaft in Konstantinopel übernehmen wollte und in dieser Sache die Kreuzfahrer um Hilfe bat. Venedig lag seit einigen Jahrzehnten mit Byzanz im Streit, da der byzantinische Kaiser 1171 alle Venezianer, die sich in seinem Reich aufhielten, hatte gefangen setzen und ihre Habe beschlagnahmen lassen. Nun sah man wohl die Gelegenheit, dafür Rache zu nehmen und zugleich die durch die Ausrüstung der Kreuzzugsflotte erlittenen Verluste wettzumachen.
So steuerten die Kreuzfahrer nicht das Heilige Land, sondern Konstantinopel an, eroberten die Stadt im April 1204 und richteten dort ein ungeheures Blutbad an. Die Stadt wurde geplündert; unermessliche Kunstschätze wurden zerstört oder geraubt. Der Wert der eroberten Gegenstände soll mehr als 300000 Mark Silber betragen haben. Der größte Anteil der Beute fiel an die Venezianer, die später ihre Stadt, insbesondere die Kirche San Marco, mit den Schätzen ausstatteten.
Zu den herausragenden Stücken zählen etwa die vier antiken Pferde, die man an der Fassade der Markuskirche über den Portalen aufstellte, wo sie heute noch zu bewundern sind (allerdings als Kopien, die Originale befinden sich inzwischen im Museum von San Marco). Bedeutend ist zudem die Gruppe der Tetrarchen, der zeitweiligen vier Herrscher des Römischen Reichs, aus rotem Porphyr. Die Skulpturen wurden an einer Ecke der Schatzkammer der Markuskirche angebracht.
Auch das Territorium des Byzantinischen Reichs teilte man 1204 auf. Aus einem Viertel des Reichs wurde das „Lateinische Kaiserreich von Konstantinopel“ mit Balduin von Flandern als Kaiser. Dieses hatte allerdings nur bis 1261 Bestand. Die übrigen drei Viertel sicherten sich die Kreuzfahrer. Venedig erhielt einen bedeutenden Anteil, und der Doge konnte sich seitdem „Herr von drei Achteln des Römischen Reiches“ nennen. Zur wichtigsten Erwerbung zählte die Insel Kreta; auch drei Achtel der Hauptstadt Konstantinopel selbst fielen an die Venezianer.
Wer trug die Schuld an dem verhängnisvollen Verlauf des Vierten Kreuzzugs? War die Umlenkung des Kreuzfahrerheeres nach Konstantinopel statt ins Heilige Land von Anfang an durch Venedig geplant worden, das nicht an einem Kreuzzug gegen Ägypten, einem seiner bedeutendsten Handelspartner, interessiert war, sondern sich für die durch den byzantinischen Kaiser erlittenen Schäden rächen wollte? Welche Rolle spielten die im westlichen Europa und auch unter den Kreuzfahrern verbreiteten Ressentiments und Unterlegenheitsgefühle gegenüber dem reichen und prächtigen Konstantinopel?
Die moderne Forschung hat sich weitgehend auf die sogenannte „modifizierte Zufallstheorie“ geeinigt: Die Umlenkung des Kreuzfahrerheeres nach Konstantinopel statt ins Heilige Land war demzufolge nicht von Anfang an geplant; sie war nicht das Ziel etwa der Venezianer unter Enrico Dandolo, sondern das Ergebnis einer Kette von Ereignissen, die nicht vorhersehbar waren und Entscheidungen nach sich zogen, die allerdings vielen Beteiligten des Vierten Kreuzzuges, allen voran Venedig, wünschenswert erschienen.
Enrico Dandolo, der Anführer des Vierten Kreuzzugs, starb 1205 hochbetagt in Konstantinopel und wurde dort in der Hagia Sophia beigesetzt. Venedig aber war in der Folge des Vierten Kreuzzugs endgültig zu einer Großmacht im Mittelmeerraum geworden.
Autorin: Irmgard Fees
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