So prangt das Stadtwappen am Stadttor oder am Rathaus, das Zeichen auswärtiger Herren schmückt die Portale ihrer Stadthäuser oder ihre Festsäle. Die Wappen von Patriziern und Stadtherren finden sich im Rathaussaal ebenso wie in den Kirchen, etwa auf Grabmälern, in den Glasfenstern oder auf den Schlusssteinen der Gewölbe.
Das familiäre Netzwerk der Herren von Ysenburg, den Stadtherren der hessischen Stadt Büdingen, entfaltet sich etwa im Chorgewölbe der von ihnen finanzierten Marienkirche, denn seine Schlusssteine sind mit den Wappen der Familie geschmückt. Die Ysenburger sicherten so ihre memoria, ihr Angedenken. Ihre Herrschaft über die Stadt wird zugleich sakralisiert, denn das Kirchengewölbe steht für den Himmel und ist sonst oft von Heiligenfiguren bevölkert.
Im Festsaal der St. Mary’s Guildshall im englischen Coventry ist dagegen gerade nicht das Wappen der dort ansässigen Gilde der Kaufleute präsent. Stattdessen sind in den Glasfenstern neun für die englische Geschichte bedeutende Herrscher und ihre Wappen dargestellt. So ordnet sich die Gilde in den Horizont der Landesgeschichte ein. Wappen weiterer Adliger, hoher Geistlicher und befreundeter Städte bezeichnen das weitgespannte politische und wirtschaftliche Beziehungsnetz der hier tagenden und feiernden Kaufleute. Die einflussreichen Persönlichkeiten bildeten einen Bezugsrahmen für das Handeln der überwiegend bürgerlichen Gildemitglieder, die sich zugleich in die Herrschaftstraditionen einordneten.
Autorin: Dr. Heike Talkenberger





