In West-Berlin startete am 1. Januar 1967 ein Experiment, das als „Kommune 1“, kurz „K 1“, bekannt werden sollte. Die Gründungsmitglieder dieser Kommune gehörten zum SDS, dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund, der besonders seit seinem Ausschluss aus der SPD im Jahr 1961 revolutionär gesinnte Studentinnen und Studenten anzog und innerhalb der Studentenbewegung der 1960er Jahre eine große Rolle spielte.
Schon 1966 hatten die Planungen begonnen, eine Wohngemeinschaft zu gründen und dadurch bürgerliche Lebensgewohnheiten vollständig abzustreifen. Die Kleinfamilie war aus Sicht der Aktivisten die kleinste Zelle des „Systems“, das es zu überwinden galt. Deshalb müsse sie aufgelöst werden.
Kurz vor dem 1. Januar überlegten es sich fünf der Interessierten anders. Übrig blieben Dieter Kunzelmann, Fritz Teufel, Volker Gebbert, Hans-Joachim Hameister, Dorothea Ridder, Dagmar Seehuber, Detlef Michel sowie Dagrun und Ulrich Enzensberger, die Exfrau und der Bruder des Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger. In Form des Manifests „Notizen zur Gründung revolutionärer Kommunen in den Metropolen“, das aus der Feder Kunzelmanns stammte, gab die Kommune ein erstes Lebenszeichen ab. Darin war die Rede von einer „Leidenschaft der an sich selbst Interessierten“. Dieses Selbstinteresse sollte sich auch in kollektiven „Selbstinspektionen“ niederschlagen – einer Art Initiationsritus, bei dem neue Mitglieder vor der Gemeinschaft ihr gesamtes Leben ausbreiten mussten.
Bekannt wurde die K 1 bald durch ihre politischen Aktionen. Besonders hohe Wellen schlug im April 1967 der geplante Scheinanschlag auf den US-amerikanischen Vizepräsidenten Hubert H. Humphrey (1965–1969), als dieser Berlin besuchte. Die als Protest gegen den Vietnamkrieg gedachte Aktion wurde von der Polizei vereitelt. Bei Wurfübungen am Vortag im Grunewald wurden die Kommunarden verhaftet. Die Polizei ließ verlauten, die Aktivisten hätten Humphrey mit Chemikalien und gefährlichen Wurfgeschossen angreifen wollen. Die Bild-Zeitung titelte: „Berlin: Bombenanschlag auf US-Vizepräsidenten. Elf Verschwörer gefasst.“
Auf die sich ausbreitende öffentliche Bestürzung folgte jedoch die Enthüllung, dass die Studenten beim Angriff auf Humphrey nur mit Beuteln voller Pudding und Mehl hatten werfen wollen. Die Erleichterung war groß – ebenso der Spott, der sich über die Polizei, den Verfassungsschutz und den Springer-Verlag ergoss. Das „Pudding-Attentat“ hatte dem Aktivismus der K 1 eine große Bühne verschafft. Und diese Bühne wollte man weiterhin nutzen.
Wie die Kommunarden das taten, missfiel allerdings schon wenige Tage später den engsten Verbündeten vom SDS. Als Mitglieder der Kommune auf dem Campus der Freien Universität mit „SDS“ unterschriebene Flugblätter verteilten, auf denen die Studentenschaft in ironischer Weise beleidigt wurde, entschied der SDS-Vorstand, alle Mitglieder der Kommune auszuschließen.





