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Magellan und die Gier nach Gewürzen
Im August 1519 verließen fünf Schiffe unter dem Befehl Ferdinand Magellans den Hafen von Sevilla. Ihr Ziel: die legendären Gewürzinseln. Nur wenige der Männer an Bord sollten 1522 ihre Heimat wiedersehen. Sie wurden als Helden gefeiert. Denn nie zuvor hatte ein Mensch die Erde umrundet.
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Vor der Mündung des Guadalquivir, unweit von Sevilla, tauchte am 6. September 1522 eine Nao auf. Die lokalen Fischer kannten diesen hochseefähigen Schiffstyp, auf dem 30 Jahre zuvor Kolumbus nach Amerika gesegelt war. Doch was sie hier sahen, war mehr Wrack als Schiff. Ausgezehrte und halbverhungerte Männer mühten sich an den Pumpen, um das wurmzerfressene Gefährt gerade so eben über Wasser zu halten. Doch sie hatten ihr Werk vollbracht. Mehr als drei Jahre waren sie unterwegs gewesen, hatten Stürmen getrotzt, Hunger, Krankheiten und Kämpfe überlebt – auf der ersten Reise rund um den Globus.
Ein Vierteljahrhundert zuvor hatte der Portugiese Vasco da Gama (um 1469 –1524) das Kap der Guten Hoffnung umsegelt und aus Indien kostbare Gewürze mitgebracht: Pfeffer, Muskat und Nelken erzielten auf den europäischen Märkten Höchstpreise. Mit der Aussicht auf gewaltige Gewinne war seitdem jedes Jahr eine Flotte von Lissabon nach Indien gesegelt.
Auch 1505 verließen 22 Schiffe unter dem Kommando Francisco de Almeidas den Tejo. Ihr Ziel war ambitionierter denn je: Die Hälfte der Schiffe sollte mit Gewürzen nach Europa zurückkehren, die andere Hälfte in Indien bleiben und eine Kolonie aufbauen.
An Bord eines der Schiffe befand sich ein junger Portugiese aus adligem Haus: Ferdinand Magellan (portugiesisch: Fernão de Magalhães, um 1480 –1521). Was ihn zu seiner Reise antrieb, ist ebenso unklar wie sein Vorleben oder seine Funktion an Bord. Erstmals greifbar wird er, als er 1509 an einer Erkundungsmission nach Malakka (heute Malaysia) teilnahm. Nie zuvor war ein christliches Schiff dorthin gelangt. Die Portugiesen wurden zunächst freundlich aufgenommen, dann entflammte im Hafen jedoch ein Streit. In Panik lichteten die Europäer die Anker. Magellan tat sich hervor, indem er einige Kameraden in ein Beiboot zerrte und vor einem ungewissen Schicksal in der Fremde bewahrte. Andere blieben zurück.
Unter den Geretteten war auch Francisco Serrão, der sich mit Magellan anfreundete. Serrão war für eine besondere Aufgabe ausgewählt worden: Als zweiter Mann sollte er zusammen mit dem Navigator Antonio de Abreu von Malakka aus per Schiff eine Expedition zu den Molukken führen, der Heimat der Gewürznelke. Seinen Auftrag erhielt er vom neuen portugiesischen Gouverneur von Indien: Alfonso Albuquerque plante, den globalen Handel mit Gewürznelken zu kontrollieren – von den Molukken bis nach Europa. Doch das Unternehmen war ein Fehlschlag. Abreu musste wegen des drehenden Monsuns umkehren. Das zweite portugiesische Schiff verschwand spurlos – und mit ihm sein Kapitän Serrão.
Ein junger Adliger und zwei Fernhändler wollen die Molukken ansteuern
Magellan kehrte unterdessen nach Portugal zurück. Ihn begleitete sein neuer Sklave, ein junger Malaie namens Enrique. Zudem verfügte er nach acht Jahren auf See und in der Ferne über ein beeindruckendes geographisches und nautisches Wissen. Auf der Rückreise lernte er einen anderen sehr weltgewandten Mann kennen: Jorge Lopes Bixorda war ein zum Christentum konvertierter jüdischer Fernhändler, der auf der ganzen Welt Geschäfte in riesigem Maßstab abwickelte. Er erkannte eine Gelegenheit, wenn sie sich ihm bot: So exportierte er 1538 als erster Händler afrikanische Sklaven nach Brasilien.
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Es war wohl Bixorda, der Magellan in Lissabon mit einem weiteren Fernhändler bekanntmachte: Cristóbal de Haro aus Burgos lebte seit 1505 in Lissabon. Im Lauf der Jahre war sein Frust über die restriktive Handelspolitik des portugiesischen Königs gewachsen. Doch er musste damit leben, denn im Vertrag von Tordesillas hatten Portugiesen und Spanier 1494 die Welt untereinander aufgeteilt: Portugal kontrollierte den Osten, Spanien den Westen. Und der Weg zu den Gewürzinseln führte nach Osten.
Aber de Haro kannte keine Grenzen. 1513 war auf der anderen Seite von Panama ein großes Meer entdeckt worden. Vielleicht könnte er die Spanier dafür gewinnen, die Gewürzinseln im Westen, in ihrem Teil der Welt, zu suchen? Seine Schiffe waren einst am 40. Grad südlicher Breite an ein Kap gelangt. Was wäre, wenn sich dahinter der von Kolumbus erträumte Seeweg nach Indien verbarg?
Es traf sich gut, dass de Haros Heimatstadt Burgos 1514 einen neuen Bischof erhielt: Juan Rodríguez de Fonseca trug nicht nur geistliche Würden, sondern saß auch im Kronrat seiner Majestät, des Königs von Spanien. Dort war er zuständig für die Expansion nach Übersee. De Haro nahm sich vor, mit Fonseca zu reden. Da erhielt sein neuer Bekannter Magellan einen Brief.
Dass dieser Brief Magellan überhaupt erreichte, war ein kleines Wunder. Denn sein Absender war der verschollen geglaubte Francisco Serrão. Der war inzwischen zum Ratgeber des Sultans von Ternate auf den Molukken aufgestiegen. Nun lud er seinen Freund ein, ihn dort zu besuchen. Doch so einfach war das nicht.
Um ihren Plan einer Reise nach Westen zu den Molukken zu verwirklichen, brauchten der Händler de Haro, der Politiker Fonseca und der Abenteurer Magellan die Unterstützung des Königs. Doch der war nicht da. Nach dem Tod Ferdinands II. im Jahr 1516 war seine Tochter Johanna die nächste in der Erbfolge. Diese galt jedoch als geisteskrank. Neuer König wurde daher ihr Sohn Karl. Karl I. (und als römisch-deutscher Kaiser später Karl V.) war in den Niederlanden aufgewachsen und in seinem Leben noch nie in Spanien gewesen.
Während die Ankunft des Königs im ganzen Land erwartet wurde, studierte Magellan fernab in Lissabon die Seekarten. Dabei lernte er Rui Faleiro kennen. Faleiro behauptete, einen phänomenalen Durchbruch in Navigation und Kartographie erreicht zu haben, nämlich die Lösung des Längenproblems. Die geographische Breite präzise zu bestimmen bereitete den Seefahrern des 16. Jahrhunderts keine Probleme, aber die Länge erwies sich als harte Nuss. Nun behauptete dieser Rui Faleiro, sie geknackt zu haben. Es gab nur ein Problem: Faleiro war mental etwas unausgeglichen – seine Kollegen hielten ihn für verrückt.
Im Sommer 1517 verließen Magellan, de Haro und Faleiro Lissabon und reisten nach Kastilien, wo inzwischen auch Karl eingetroffen war. Bischof Rodríguez de Fonseca verschaffte ihnen eine Audienz, und sie beeindruckten den jungen König, der versprach, das Projekt zu finanzieren. Sofort wurden gebrauchte Schiffe angekauft, die in Sevilla gründlich überholt wurden.
Doch dann starb Karls Großvater, der römisch-deutsche Kaiser Maximilian. Und der Habsburger Karl investierte alle verfügbaren Mittel, um seine Wahl zum römisch-deutschen König, Voraussetzung für die Kaiserwürde, zu erreichen, was ihm auch gelang. Als Finanzier des Molukken-Projektes sprang daher notgedrungen Cristóbal de Haro selbst ein.
Eine bunt zusammengewürfelte Besatzung auf fünf Schiffen
Bald tauchte ein neues Problem auf. Niemand wollte mitfahren. Trotz der Aussicht einer Gewinnbeteiligung erschien den meisten Seeleuten das Unternehmen als viel zu riskant, und anders als etwa in England war Zwangsrekrutierung in Kastilien nicht üblich. Schließlich fanden sich 240 Männer aus allen seefahrenden Nationen: Spanier, Portugiesen, Genuesen, Sizilianer, Griechen, Franzosen, Flamen, Deutsche, Iren, Afrikaner, Araber, ein Malaie und ein Inder gingen an Bord. Der König ernannte Magellan zum Großkapitän und Juan de Cartagena zum königlichen Aufseher. Nicht an Bord war der Navigationsexperte Rui Faleiro. Berichte über seinen nervlichen Zustand hatten den König veranlasst, ihm die Mitfahrt zu verbieten.
Am 10. August 1519 verließen fünf Schiffe den Hafen von Sevilla: das Flaggschiff „Trinidad“, die große „San Antonio“, die „Concepción“, die „Victoria“ und die kleine „Santiago“ mit ihrem besonders flachen Rumpf für Erkundungsfahrten in flachen Gewässern. Zügig segelte die Flotte auf den Atlantik hinaus.
Nach einem Jahr war sie noch immer im Atlantik. Magellan hatte die Schiffe während der kalten Monate im natürlichen Hafen von San Julián am 49. Breitengrad überwintern lassen. Doch die Moral war schlecht. Das Kap am 40. Breitengrad hatte sich als Flussmündung entpuppt. Auf der Fahrt nach Süden war es immer kälter geworden. An der Küste waren Pinguine zu sehen. Die kleine „Santiago“ war auf ein Riff gelaufen und musste aufgegeben werden. Magellan hatte zudem ein Exempel statuieren und den Kapitän der „Concepción“ nach einer versuchten Meuterei hinrichten lassen. Er brauchte dringend ein Erfolgserlebnis, um die Männer bei der Stange zu halten. Noch einmal entledigte er sich eines Querulanten – er ließ den königlichen Aufseher Juan de Cartagena an Land aussetzen. Dieser wurde nie wieder gesehen.
Für etwas Abwechslung sorgte, dass nun zwei Einheimische mit an Bord waren. Die großgewachsenen Patagonier („Großfüßler“) weckten besonders das Interesse von Antonio Pigafetta aus Vicenza. Der abenteuerlustige Kleriker war Teil einer päpstlichen Delegation am Hof Karls I. und hatte sich spontan Magellans Expedition angeschlossen. Seine Aufzeichnungen gehören bis heute zu den wichtigsten Quellen der Reise. Pigafetta berichtete unter anderem von zwei Sternenwolken am Südhimmel, die heute als „Magellansche Wolken“ bekannt sind. Er hatte im Herbst 1520 viel Zeit, den Himmel zu beobachten. Zwar tauchte am 20. Oktober bei 52 Grad Süd ein weiterer Meerbusen auf, doch hatte man davon schon Dutzende erfolglos erkundet.
Magellan sucht verzweifelt nach der Durchfahrt in den Pazifik
Wieder einmal schickte Magellan zwei Schiffe vor. Zudem ließ er ein Beiboot zu Wasser. Die Besatzung sollte an Land einen hohen Berg erklimmen und in die Ferne blicken. Die Männer fanden einen toten Wal und einen Friedhof – und brachten Kunde von einem Gewässer, das tief ins Land hineinführte. War dies endlich die ersehnte Durchfahrt in den Pazifik?
Einen Monat später waren noch drei Schiffe in südwestlicher Richtung unterwegs. Nur drei, denn die „San Antonio“ war mitsamt ihren 60 Mann Besatzung von einer Erkundungsfahrt nicht zurückgekehrt. Der Chefastrologe der Mission, Andrés de San Martín, weissagte, dass sie sich auf dem Rückweg nach Spanien befände. Tatsächlich hatte es auf der „San Antonio“ eine Meuterei gegeben. Am 8. Mai 1521 war sie wieder in Sevilla.
Magellan ließ sich nicht beirren. Endlich machte der Wasserweg einen Knick nach Nordwesten. Erneut ließ der Generalkapitän Männer an Land gehen und einen hohen Berg ersteigen. Und abermals brachten die Rückkehrer frohe Kunde.
Es ist bis heute unklar, was die Männer des Beibootes an diesem Tag sahen. Sicher ist, dass die Einfahrt in den Stillen Ozean noch mehr als 100 Kilometer entfernt lag. Hatten sie wirklich einen jener klaren Tage erwischt, an denen Sichtweiten in diesem Bereich möglich sind? Das Ergebnis blieb: Die Schiffe setzten ihre Fahrt fort und bogen nach einem Monat und einer Woche in der Wasserstraße endlich ins offene Meer ein. Vor ihnen lag der größte und tiefste Ozean der Erde. Es gab nur ein Problem: Der Proviant an Bord wurde knapp.
Die Winde und Strömungen des Pazifiks waren den Seefahrern hingegen gewogen. Der Humboldt-Strom trieb sie schnell nordwärts, und bei 30 Grad Süd drehte die Flotte in den Südostpassat nach Westnordwest. Doch die Vorräte waren bald aufgebraucht. Skorbut grassierte. Die mangelhafte Hygiene führte zu Hautkrankheiten und Durchfall. Dutzende starben, bevor am 6. März 1521 endlich wieder Land in Sicht kam.
Der erste Landgang nach Monaten auf See, wahrscheinlich auf der Insel Guam, verlief alles andere als glücklich. Bald jedoch traf die Crew auf Menschen, die die malaiische Sprache sprachen, die Lingua franca des pazifischen Raums. Sie lebten auf Mazawa (heute Limasawa), einer Insel der Visayas (Philippinen). Der Herrscher („Radscha“) der Insel erklärte sich persönlich bereit, den Europäern den Weg zum nächsten Hafen zu zeigen: Zubu (heute Cebu City).
Der dortige Radscha entwickelte schnell Interesse an der christlichen Religion. Er ließ sich und 800 seiner Untertanen taufen: die erste christliche Taufe auf den heute tiefkatholischen Philippinen. Magellan ernannte ihn im Gegenzug im Namen des spanischen Königs zum Großfürsten der ganzen Inselgruppe. Und rief damit Widerstand hervor. Bald wurde gemeldet, dass sich der Häuptling der Lapulapu auf der Nachbarinsel Mactan nicht unterordnen wollte. Also zog Magellan los, um ihn zu bestrafen.
Magellans fataler Irrtum: Tod auf den Philippinen
Es ist viel spekuliert worden, was Magellan bewogen hat, sich auf dem Kampf mit einem unbedeutenden lokalen Stammesführer einzulassen. Was konnte er dabei gewinnen? König Karl hatte ihm den Gouverneursposten über entdeckte Länder versprochen. Sah Magellan die Chance, seine Macht zu demonstrieren? Ging es ihm um Beute? Oder erfüllte er seine Mission als Kreuzritter, der die „Heiden“ bekämpft – immerhin war er Ritter vom Orden von Santiago? Die Krieger der Lapulapu, zahlenmäßig überlegen, waren gut vorbereitet. Magellans Männer wurden sofort nach ihrer Landung ins Wasser gedrängt. Von Lanzen und Pfeilen tödlich getroffen, ging der Generalkapitän zu Boden. Nur dem Eingreifen der Krieger des Radschas von Zubu war es zu verdanken, dass sich die meisten auf ihre Schiffe retten konnten. Aber Magellan war tot.
Mit seinem Tod war die Autorität der Seefahrer erschüttert. Ihre Abschiedsdelegation ließ der Radscha überfallen, der neue Generalkapitän Juan Serrano wurde gefangen genommen. Nach kurzen Verhandlungen beschlossen die verbliebenen Offiziere, ohne Serrano abzureisen. Schwerer wog, dass unter den 27 Opfern des Überfalls auch der beste Navigator war, der Astrologe Andrés de San Martín. Von den 237 Männern, die Sevilla verlassen hatten, waren nur noch 108 übrig. 60 waren mit der „San Antonio“ umgekehrt, der Rest an Krankheiten gestorben, ertrunken, verschollen, exekutiert, im Kampf gefallen oder in Gefangenschaft geraten.
Die Expedition geriet außer Kontrolle. Die stark beschädigte „Concepción“ wurde aufgegeben. Um die eigene Versorgung zu sichern, überfiel man muslimische und einheimische Handelsschiffe. In Brunei wurden die Europäer vom Sultan zwar mit viel Prunk empfangen, verwirkten aber seine Gunst, als sie die einlaufende Dschunke seines Schwiegersohns attackierten. Bald wurde der unfähige João Carvalho abgesetzt und Gonzalo Gómez de Espinosa zum Generalkapitän gewählt. Kapitän des zweiten Schiffes, der „Victoria“, wurde nun Juan Sebastián de Elcano, ein erfahrener baskischer Seemann. Die beiden brachten das Unternehmen wieder auf Kurs. Am 8. November 1521 erreichten die „Trinidad“ und die „Victoria“ ihr Ziel, die Gewürzinseln oder Molukken.
Dort wartete die Nachricht, dass Magellans Freund Serrão einem Giftanschlag zum Opfer gefallen war. Zudem erklärte der Sultan von Tidore den misstrauischen Europäern, dass die gewünschte Menge Gewürznelken nicht vorrätig sei. Doch dem Sultan gelang es bald, die Gewürze von den Nachbarinseln zu beschaffen.
Nur die „Victoria“ schafft es zurück
Am 18. Dezember 1521 lichteten die Schiffe die Anker – und schafften es nicht einmal aus dem Hafen heraus. Im Flaggschiff „Trinidad“ sprudelte das Wasser nur so. Sofort tauchten Spezialisten des Sultans unter den Kiel, konnten aber kein Leck finden. Für weitere Untersuchungen blieb keine Zeit. Bald würde der Monsun drehen. Also lief die „Victoria“ allein aus.
Im Frühjahr war auch die „Trinidad“ wieder hochseetauglich und segelte mit dem Südwestpassat davon, jedoch nicht weiter nach Westen, sondern Richtung Osten nach Panama. Das Schicksal sollte ihr nicht gewogen sein. Nach zwölf Tagen Sturm kehrte die Crew um. Mehr tot als lebendig kamen die Männer auf den Molukken an – und wurden dort von einer portugiesischen Flotte erwartet. Nur wenige kehrten als Gefangene nach Europa zurück.
Die „Victoria“ unter dem Kommando von Juan Sebastián de Elcano nahm indes Kurs auf das Kap der Guten Hoffnung. Nach 10 000 Kilometern passierte das Schiff Mitte Mai 1522 die Südspitze Afrikas – eine herausragende Leistung ohne Navigator an Bord. Doch Erschöpfung und Krankheiten forderten Todesopfer. Die Crew brauchte dringend eine Pause.
Am 9. Juni 1522 lief die „Victoria“ in den Hafen von Grande Ribeira auf den portugiesischen Kapverden ein. Für eine Weile gelang es, dem Hafenmeister vorzugaukeln, man sei auf dem Heimweg von Amerika. Doch bald schöpfte er Verdacht und ließ 13 Besatzungsmitglieder beim Provianteinkauf verhaften. Sofort setzte die „Victoria“ Segel und nahm Kurs auf Sevilla.
Trotz der gewaltigen Verluste an Menschen und Material war der Jubel riesig, als der schrottreife Kahn den Guadalquivir hinauf nach Sevilla gezogen wurde. Zeitungen verkündeten die Nachricht in ganz Europa. Kapitän Juan Sebastián de Elcano wurde feierlich am Hof empfangen. Antonio Pigafetta unternahm eine Tour durch Europa, um von dem großen Abenteuer zu berichten. Die Gefangenen auf den Kapverden wurden freigekauft.
Cristóbal de Haro verkaufte 415 Säcke Gewürznelken auf dem Markt von Antwerpen. Nach Abzug aller Kosten schloss das Unternehmen mit einem leichten Verlust – und doch wurde sofort die nächste Reise geplant.
Autor: Felix Melching
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