
Burstein schreibt auf nur etwa 200 Seiten die Geschichte einer afro-eurasischen Antike der großen Imperien, von China über Indien und Persien bis Ägypten, Makedonien und Rom. Imperien, die einander nicht nur strukturell verwandt, sondern auch auf vielfältige Weise miteinander verflochten waren. Bursteins Erzählung hebt an mit dem großen Zusammenbruch der bronzezeitlichen Imperien am Ostrand des Mittelmeers und endet mit dem 3. Jahrhundert n. Chr., als im Osten China durch die Xiongnu heimgesucht und im Westen das römische Imperium mit der beginnenden Völkerwanderung in seine erste große Krise gestürzt wurde.
Burstein räumt auf mit der noch immer gängigen Erklärung für den grundlegenden Wandel, der um den Beginn des 1. Jahrtausends v. Chr. nahezu überall stattfand: Nicht große Migrationswellen waren die Ursache dafür, dass Imperien kollabierten und Städte verwüstet wurden, sie waren vielmehr Begleitumstände sich zuspitzender Krisen. Allerdings setzt Burstein stattdessen ein ebenso monokausales Paradigma: den Klimawandel. Klimawandel als ultimativer Auslöser historischer Katastrophen – diese Hypothese liegt im Trend, doch schon in den 1980er Jahren wurde das Ende der Bronzezeit als Systemkrise mit vielen Ursachen gedeutet.
Bis zum Hellenismus ist die globale Geschichte tatsächlich das Nebeneinander paralleler, aber nicht aufeinander bezogener Geschichten. Interessanter wird es erst mit dem Aufstieg des Perser-Reichs, der zur Verflechtung der bis dahin isolierten Teile Afro-Eurasiens überleitet. Doch Burstein erzählt auch hier weiter nur brav, was sich Region für Region an Ereignis- und auch Ideengeschichte zutrug. Kurze Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels, die versuchen, die losen Fäden zusammenzubinden, können dem Problem nicht abhelfen, dass Burstein viele Geschichten erzählt, nicht aber die eine große.
Auch über die Integrationsleistung des römischen Imperiums, die Rolle Palmyras als Drehscheibe des interkontinentalen Fernhandels und die Bedeutung von Religionen wie Christentum und Manichäismus bei der Verflechtung großer Räume erfahren die Leser relativ wenig. Zeugnisse einer globalen Antike wie die Darstellung des Trojanischen Pferdes auf einem Relief aus dem indischen Gandhara hätte man sich viel mehr gewünscht.
Das Buch ist nützlich für alle, die sich einen ersten Überblick über die Geschichte des alten Afro-Eurasien verschaffen möchten. Der Anspruch aber, die „Geschichtsschreibung aus der eurozentristischen Perspektive“ zu lösen, bleibt weitgehend unerfüllt.





