Nach dem Ende der letzten Eiszeit blieb in der Landschaft bei der heutigen Stadt Bad Buchau im südlichen Baden-Württemberg ein See zurück. Für die Menschen der Steinzeit, die in diese Region vorstießen, bot sich ein attraktiver Lebensraum. Der See war damals wesentlich größer als heute. Vom Ufer her verlandete das Gewässer über die Jahrtausende, zudem führten Trockenlegungen seit dem Mittelalter zu einem weiteren Schrumpfen der Wasserfläche.
Dass am Federsee während der Steinzeit reges Leben herrschte, entdeckten Archäologen erstmals 1866. Sie fanden an der nahegelegenen Quelle der Schussen die Überreste eines Jagdlagers, das vor 17 000 Jahren – damals endeten wenige Kilometer südlich noch die mächtigen Gletscher der Würm-Eiszeit – in Benutzung war.
Die Ausgrabungen der 1920er und 1930er Jahre, als im Moor um den See Pfahlbauten zutage kamen, machten den Federsee schließlich zu einem europäischen Zentrum der steinzeitlichen Siedlungsarchäologie. Es wurden insgesamt rund zwei Dutzend Dörfer entdeckt. Die ältesten Siedlungsreste sind über 6000 Jahre alt. Drei dieser Fundstätten zählen zu den „Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen“, die seit 2011 das Siegel „Welterbestätten“ der UNESCO tragen.
Bereits 1919 wurden die Funde erstmals in einem Museum in Bad Buchau gezeigt. Der heutige Museumsbau direkt am Federsee stammt aus dem Jahr 1968. Dank der innovativen Architektur sieht man dem modernen Pfahlbau sein Alter nicht an. 2017 wurde die Dauerausstellung völlig neu konzipiert.
Der Reiz des Federseemuseums liegt in der Verbindung eines klassischen Rundgangs mit einem Freilichtbereich, in dem rekonstruierte Häuser aus den verschiedenen Epochen der Siedlungsgeschichte zu sehen sind. Ergänzt durch die das Museum umgebende Moor- und Seelandschaft, kann man sich perfekt in die vergangenen Jahrtausende versetzen lassen.
Zu den herausragenden Exponaten zählen Wagenräder, die in der Umgebung des Federsees gefunden wurden. Ihren guten Erhaltungszustand verdanken sie dem moorigen Untergrund, der das Holz konservierte. Die ältesten stammen aus der Zeit um 2900 v. Chr. Die Räder waren an den Wagen starr mit der rotierenden Achse verbunden; sie konnten – wenn der Untergrund zu weich war – abmontiert werden, dann wurde die Last von den Zugtieren (meist Ochsen) geschleift.
Wer waren diese erfinderischen Menschen, die in der Jungsteinzeit am Federsee lebten? Zunächst handelte es sich noch um Jäger und Sammler, die vom Fischreichtum des Sees profitierten. Sie hielten sich aber nur saisonal in der Gegend auf. Mitte des 6. Jahrtausends v. Chr. begann auch im heutigen Oberschwaben die Zeit der Landwirtschaft betreibenden Kulturen. Seit Mitte des 5. Jahrtausends v. Chr. wurde das Ufer des Federsees dauerhaft besiedelt. Die feuchten und moorigen Böden erschwerten den Anbau von Getreide, so dass sich eine eigene Lebensweise entwickelte. Die sogenannte Aichbühler Kultur (seit um 4200 v. Chr.) betrieb neben der Landwirtschaft auch Jagd und Fischfang.





