Nach der Ermordung Caesars 44 v. Chr. hatten sich C. Octavianus, M. Aemilius Lepidus und M. Antonius in einem Triumvirat zusammengetan, um die Staatsgeschicke zu lenken und die Mörder Caesars zu bestrafen. Wegen akutem Geldmangel hatten sie zum ersten Mal in der römischen Geschichte den reichsten 1400 Römerinnen unter Strafandrohungen eine Sondersteuer auferlegt. Gegen diese Steuer wehrte sich Hortensia, als Tochter des Konsuls und Redners Q. Horten-sius Hortalus Angehörige dieser reichen Elite. Wie der römische Historiker Appian schildert, habe sie vor den Triumvirn eine öffentliche Rede gehalten, um ihre Rechte zu vertreten. Unklar ist, ob der überlieferte Wortlaut authentisch ist, doch Hortensias Redegeschick steht außer Frage.
Zentrales Argument der Hortensia ist nach Appian, dass eine Besteuerung weder der sozialen Stellung noch dem Herkommen oder der Lebensweise der Frauen entspricht. Durch die Besteuerung sei deren soziale Position bedroht. Die Frauen hätten zudem kein politisches Unrecht begangen, deshalb könnten sie auch nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Damit kritisiert Hortensia die Maßnahmen der Triumvirn und betont, die Frauen wollten einen Bürgerkrieg (bellum civile) nicht unterstützen. Mit ihrer öffentlichen Rede beschritt Hortensia einen eigentlich als „männlich“ definierten Raum, was nur wenige ihrer antiken Geschlechtsgenossinnen wagten.





