Diese Ereignisse liefern sicher einen großen Stoff für die Historiker. Die Verbindung der Häuser Frankreichs und Österreichs nach 250 Jahren der Feindschaft; England, das das Gleichgewicht Europas in der Hand zu halten glaubte, innerhalb von sechs Monaten erniedrigt, in großer Geschwindigkeit hat Frankreich eine beeindruckende Kriegsmarine aufgebaut, die größte Entschiedenheit verbunden mit der größten möglichen Zurückhaltung: All dies gibt ein beeindruckendes Bild ab.“ Mit diesen Bemerkungen kommentierte der Philosoph und Historiker Voltaire im Juli 1756 ein Ereignis, das sich die Zeitgenossen bis dahin kaum vorstellen konnten: das „renversement des alliances“ („Umkehrung der Allianzen“). Was war geschehen?
Seit 1754 waren die blutigen Zusammenstöße in Nordamerika zwischen französischen und englischen Kolonialmilizen zu einem unerklärten Krieg zwischen den beiden Mächten eskaliert. Zudem war Frankreich dabei, Großbritannien im Kolonialhandel zu überholen. Seit 1755 machte daher die Royal Navy, die britische Marine, regelrecht „Jagd“ auf französische Handels- und Kriegsschiffe im Atlantik.
In dieser Situation stellte sich in London und Versailles die Frage, ob man es zulassen könne, den Konflikt auf Europa übergreifen zu lassen. In Großbritannien schwankten die Politiker zwischen einem kontinentalen und einem globalen politischen „System“. Es galt, den Schutz Großbritanniens und des Kurfürstentums Hannover vor Invasionen mit der kolonialen Expansion unter einen Hut zu bringen. In London wie auch in Versailles wollte man ein Ausgreifen des Krieges auf Europa vermeiden.
Österreich trachtet auf Revanche im Kampf um Schlesien
In Deutschland waren seit 1740 die Machtverhältnisse durch den Aufstieg Preußens und die Schwächung der österreichisch-kaiserlichen Macht aufgrund des Verlusts Schlesiens in Bewegung geraten. In Wien sann man seit 1748, als der Frieden von Aachen den Österreichischen Erbfolgekrieg beendet hatte, auf eine Gelegenheit, Preußen wieder das reiche Schlesien zu entreißen. Hierfür schlug schon 1749 Wenzel Anton von Kaunitz, der spätere Staatskanzler, eine Annäherung an die preußische Schutzmacht Frankreich vor. Kaunitz ging noch im selben Jahr als Botschafter nach Versailles, um dort – vergebens – für seine Idee zu werben.
Im Herbst 1755 erneuerte Kaunitz sein Verhandlungsangebot. An den offiziellen Ansprechpartnern vorbei kontaktierte sein Botschafter Georg Adam von Starhemberg am 30. August 1755 die einflussreiche Mätresse des Königs, die Marquise de Pompadour, um Ludwig XV. direkt ein Bündnisangebot zu unterbreiten. Der König akzeptierte, bestimmte als seinen Unterhändler – auf Empfehlung der Pompadour – den Abbé Bernis, und so begannen am 3. September die Verhandlungen. Sie blieben vorerst ohne Ergebnis.





