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Pionierin der Krankenpflege
Durch ihre aufopferungsvolle Pflege von Soldaten während des Krimkriegs (1853 –1856) ist die Engländerin Florence Nightingale bis heute weltweit ein Begriff. Doch auch ihr späteres Lebenswerk ist beachtlich: Sie reformierte nicht nur das Militärsanitätswesen, sondern auch die öffentliche Gesundheitsfürsorge, den Krankenhausbau und die Armenpflege.
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Florence Nightingale, die 1820 während der Hochzeitsreise ihrer Eltern in Florenz geboren wurde, entstammte einer reichen, liberal orientierten Oberschichtfamilie. Äußerst gebildet und sozial sehr sensibel, wollte sie nicht das typische Leben einer Tochter aus gutem Hause führen, für die möglichst bald ein standesgemäßer Ehemann gefunden werden sollte, sondern ihr Wissen für soziales Engagement nutzen.
Ein religiöses Erweckungserlebnis weist den Weg zur „Retterin“
Dafür gab es allerdings für eine Frau ihrer Zeit kaum Perspektiven. Und so bot die Religion für sie wohl die einzige Möglichkeit, dem vorgezeichneten Lebensweg zu entkommen. Seit einem religiösen Erweckungserlebnis mit 17 Jahren hielt sie unverbrüchlich an ihrer Berufung fest, Gott dienen zu wollen und vor allem den Armen eine „Retterin“ zu sein.
Diese Entscheidung bescherte ihr eine überwiegend unglückliche Jugend und schwere innerfamiliäre Konflikte. Schuldgefühle, Selbstzweifel, ja sogar Depressionen waren die Folge. Lange Zeit war Florence Nightingale nicht klar, worin ihre Berufung konkret liegen könnte. Ihr Weg in die Krankenpflege war daher ein langer und dorniger. Die Hospitäler der Zeit, im Wesentlichen Versorgungseinrichtungen für Arme, galten als schmutzige, unmoralische Orte und waren damit absolut ungeeignet für höhere Töchter wie Florence.
Ausbildungsmöglichkeiten in der Pflege gab es kaum. Gleichwohl nutzte Nightingale jede Gelegenheit, sich einschlägiges Wissen anzueignen, lesend oder durch Besuche karitativer Einrichtungen, in der Heimat und auf Reisen. Vor allem zwei Aufenthalte in der Kaiserswerther Diakonie in Düsseldorf 1850/51 beeindruckten sie. Dort hatte Pfarrer Theodor Fliedner die Diakonissenanstalt gegründet, um ledigen protestantischen Frauen ein gesellschaftlich akzeptiertes Lebens- und Arbeitsumfeld zu bieten.
Am ersten Tag ihres Aufenthalts in der Kaiserswerther Diakonie schrieb sie in ihr Tagebuch: „Das Herz, das mir in einem Londoner Salon in die Hose rutscht, erhebt sich mutig in einer Situation wie dieser. Ich war so sicher, Gottes Werk zu tun.“ Und: Statt „geschäftigem Müßiggang“ erwarte die Frauen hier „Arbeit, Glück und Kameradschaft“.
Im Alter von 33 Jahren konnte sie sich endlich gegenüber ihrer Familie durchsetzen: 1853 übernahm sie die Leitung eines kleinen Hospitals für in Not geratene Damen, was sie in Management- und Organisationsaufgaben schulte. Eine jährliche Zuwendung des Vaters bedeutete von nun an finanzielle Unabhängigkeit. Dann erreichte sie 1854 die Bitte des Kriegsministers, die Leitung einer Gruppe von knapp 40 Pflegerinnen im Krimkrieg zu übernehmen.
Prägende Zeit in den Lazaretten des Krimkriegs
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Der Krimkrieg bot Nightingale die so lang ersehnte Gelegenheit, sich in der Praxis zu erproben. Großbritannien, Frankreich und das Osmanische Reich kämpften gegen Russland in einem grausamen Stellungskrieg, in dem neuartige Artilleriegeschütze eingesetzt wurden.
Die meisten Soldaten starben jedoch an ansteckenden Krankheiten wie Cholera und Typhus sowie an Atemwegsinfektionen. Kurz nach ihrer Ankunft im Militärhospital in Scutari, heute ein Stadtteil Istanbuls, kletterten die Sterblichkeitszahlen dort in schwindelerregende Höhen. In den Lazaretten herrschten verheerende hygienische Zustände. Es fehlte an Betten, Kleidung, Nahrung und elementaren Hilfsmitteln. Florence Nightingale fühlte sich „zweifellos [im] Reich der Hölle“ angekommen.
Binnen kurzem wurden fast 2000 Patienten eingeliefert. „Wir haben nun vier Meilen an Betten“ schrieb sie an den Kriegsminister. Doch es fehle an allem, für die Soldaten gebe es weder ein sauberes Hemd noch passende Nahrung. „Wir haben weder Eimer noch Handtücher, Seife oder Besen. Ich habe 300 Scheuerbürsten bestellt.“ Die Baulichkeiten waren ungeeignet, die Abwasserentsorgung funktionierte nicht, Fäkalien fluteten mitunter die Krankensäle.
Nightingale war klar, dass die Ärzte meist weder vorbeugen noch heilen konnten. Was sie aber einforderte, waren gute sanitäre Verhältnisse, eine gute Pflege und damit eine angemessene Chance auf Besserung. Und in diesem Punkt versagte ihrer Ansicht nach die Armee rundweg – infolge bürokratischer Trägheit, Ignoranz und Unfähigkeit sowie aufgrund unsinniger Regeln.
An vielen dieser „Fronten“ versuchte sie, Abhilfe zu schaffen, was ihr schwere Konflikte mit den Militärbehörden eintrug. Diese lehnten zivile Einmischungen ab, zumal wenn sie von einer Frau kamen. Sie selbst bezeichnete sich ironisch als „Köchin, Haushälterin, Waschfrau, Kaufmann“.
Zunächst einmal arbeitete sie direkt am Krankenbett. Sie wusch und bettete die Verwundeten, legte Verbände an, half bei Operationen. Sie richtete aber auch gleich in den ersten Tagen eine Diätküche ein und eine Wäscherei. Mit Spendengeldern kaufte sie Hemden, Bettlaken, Essgeschirr, Medikamente und Verbandsmaterial. Und sie entwarf detaillierte Lösungsvorschläge für die offensichtlichen Organisations- und Versorgungsprobleme.
Diese Aspekte ihrer Arbeit nahm die Öffentlichkeit zu Hause aber kaum zur Kenntnis. Dort entstand vielmehr ein sehr einseitiges Bild, das zu den gängigen Geschlechtervorstellungen passte: eine pflegende Frau als Personifikation von weiblichem Mitleid und mütterlicher Fürsorge – „The Lady with the Lamp“, die sich auch noch nachts im Lampenschein um ihre Patienten kümmerte.
Die täglichen Kämpfe zermürbten Florence Nightingale. Sie arbeitete oft bis zur Erschöpfung. In privaten Briefen hielt sie mit ihrer Frustration und ihrem Ärger nicht hinter dem Berg. Ihr Sarkasmus und ihre beißende Kritik trugen ihr später den Ruf einer manipulativen Querulantin ein. Vor Ort soll sie jedoch kaum einmal die Beherrschung verloren haben.
Indem sie tröstete und zahllose Briefe an die Hinterbliebenen von Verstorbenen schrieb, gewann sie größten Respekt bei den einfachen Soldaten. Dies vor allem trug zur schnellen Ausbildung eines regelrechten Nightingale-Mythos bei. Wenn man sie in diesem Sinn zur alleinigen Retterin der britischen Armee im Orient ausrief, ist das jedoch fern jeder Realität. Nightingale machte sicherlich das Leben vieler erträglicher, retten aber konnte sie es oft nicht.
Im Frühjahr 1855 erkrankte Nightingale schwer am sogenannten Krimfieber, das man heute meist als Brucellose, eine bakterielle Infektion, einordnet. Deren Spätfolgen – vor allem chronische Schmerzen – führten dazu, dass sie einen Großteil ihres weiteren Lebens als Invalidin verbringen musste.
Seit den 1980er Jahren haben kritische Stimmen Nightingales Wirken im Krieg heruntergespielt oder gar als schädlich verurteilt, ja sie sogar als eine Art „Todesengel“ bezeichnet. Zudem bekam sie den Stempel einer weißen Oberschichtenrassistin aufgedrückt: Sie habe das viel wichtigere Wirken der Jamaikanerin Mary Seacole (1805 –1881) in den Schatten gestellt. Nightingale war in der Tat lange Zeit eine Ikone des weißen protestantischen England gewesen. Nun passte sie nicht mehr in den politisch-gesellschaftlichen Kontext, als Multiethnizität und Multikulturalität stärker betont wurden.
Tatkräftig und produktiv trotz gesundheitlicher Einschränkungen
Der Krieg war der Ausgangspunkt ihres lebenslangen Einsatzes für die Gesundheit der Soldaten – im Mutterland und in den Kolonien. Dazu setzte Nightingale zunächst einen Untersuchungsausschuss zur Aufarbeitung des Kriegs durch, der zudem eine grundlegende Reform des Militärsanitätswesens erarbeiten sollte. Obwohl sie als Frau kein Mitglied sein konnte, steuerte sie die Arbeit des Ausschusses bis in kleinste Details. Ihr Hotel in London wurde „das kleine Kriegsministerium“ genannt, wo sich Politiker, Militärs und andere Experten die Klinke in die Hand gaben.
Nightingale hatte die Gabe, komplexe Sachverhalte prägnant zusammenzufassen und mitunter provokant-polemisch zu formulieren. Ein Beispiel: Kümmere man sich nicht umgehend um die Gesundheit der Armee, argumentierte sie, könne man genauso gut jedes Jahr 1000 Männer einfach erschießen. Auch international galt sie bald als Expertin und wurde etwa im amerikanischen Bürgerkrieg, im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und bei der Gründung des Roten Kreuzes zu Rate gezogen.
Die Arbeiten an den Armeereformen illustrieren gut, wie Nightingale ihre Projekte als zurückgezogen lebende Invalidin voranbringen konnte. Es wurde immer wieder angezweifelt, ob ihre Krankheit tatsächlich auf das Krimfieber zurückzuführen war. Einige hielten sie sogar für eine Simulantin, die sich so von gesellschaftlichen Verpflichtungen befreite, um in Ruhe arbeiten zu können.
Nightingale schuf in ihrem kleinen Haus in London, umgeben von wenigen Bediensteten und mehreren Katzen (eine hieß Bismarck!) Beeindruckendes. Sie verfasste rund 200 Bücher, Artikel und andere Schriften sowie mehr als 14 000 Briefe. Sie las alles, was sie bekommen konnte, wertete es systematisch aus. Hinzu kamen persönliche Treffen: mit Experten, um neue Kenntnisse zu erlangen, mit Politikern und Amtsträgern, um diese zu informieren und zum Handeln zu bewegen.
Wo Daten fehlten, erhob sie diese selbst und analysierte sie mit den neusten Methoden der Sozialstatistik, die sie teils selbst entwickelte. Daraus entstanden bis ins Kleinste durchdachte Handlungsvorschläge, was ihr den Respekt hochrangiger Politiker und Fachleute eintrug. Über ihr weitverzweigtes Kontaktnetzwerk konnte sie Ein-fluss ausüben, auch ohne auf offizielle Kanäle angewiesen zu sein. Ihr Schwager etwa war Mitglied des Unterhauses.
Wichtig war außerdem eine gut durchdachte mediale Strategie. Sie mied zwar meist die Öffentlichkeit, hatte aber immer die Möglichkeit, an diese zu appellieren. Daneben verfügte sie über ausgeprägte Führungs- und Managementqualitäten. Entscheidend für ihre Erfolge waren aber nicht zuletzt ihre Selbstpräsentation als bescheidene, fromme viktorianische Frau – und ein äußerst loyales Team von (meist männlichen) Mitarbeitern.
Ausgehend vom Militärsanitätswesen, entwickelte sie wegweisende Vorstellungen zu Krankenhausbau und -organisation. „Es mag merkwürdig erscheinen“, leitete sie ihre „Anmerkungen zu Hospitälern“ (1863) ein, „als absolut erstes Erfordernis eines Krankenhauses hervorzuheben, dass dieses den Kranken nicht schaden soll.“ Dafür schien ihr der Pavillon-Stil am besten geeignet: Isolierte kleinere Baueinheiten mit viel Licht und Luft sowie hygienisch einwandfreie Räumlichkeiten sollten die Verbreitung von Krankheiten verhindern und eine gute Pflege ermöglichen. Auch das Krankenhaus in Berlin-Friedrichshain wurde nach diesen Vorgaben gebaut. Es wurde zum Modell für modernen Krankenhausbau im deutschsprachigen Raum.
Den wahren Grund, warum Hygiene nötig ist, kennt man noch nicht
Bis sich seit den 1880er Jahren die Keimtheorie durchsetzte, galten vor allem Ausdünstungen des Bodens (Miasmen) als Krankheitsursache, auch Nightingale hing dieser Vorstellung an. Hygiene und Sauberkeit waren stets ihr zentrales Credo und, obwohl die Maßnahmen auf heute obsoleten Vorstellungen basierten, auch im Rückblick das mit Abstand Sinnvollste, was man damals tun konnte.
Der Vorwurf, sie habe zeitlebens an einem überholten Krankheitskonzept festgehalten, ist jedoch nicht haltbar. Sie fürchtete allerdings, dass die neue Jagd nach Keimen beispielsweise die Bekämpfung sozialer Krankheitsursachen hemmen könnte.
Kurz nach dem Krimkrieg schrieb sie einen Pflegeratgeber für ein breiteres Publikum, einen Bestseller, der in viele Sprachen übersetzt wurde. 1860 gründete sie dann ihre Krankenpflegeschule am Londoner St. Thomas’ Hospital. Daneben versuchte sie, eine systematische Hebammenausbildung einzurichten. Zudem kümmerte sie sich nun immer stärker um die professionelle Versorgung der bedürftigen Kranken in den Arbeitshäusern.
Besondere Aufmerksamkeit schenkte Nightingale den britischen Besitzungen in Indien. Nicht nur die Gesundheit der Armee trieb sie um, sondern auch die Besserung der sozialen Verhältnisse, Hungerprävention, Frauenbildung sowie Medizin und Pflege. Obwohl sie nie nach Indien kam, berieten sich mehrere Vizekönige mit ihr, bevor sie ihr Amt dort antraten.
Den Kolonialismus stellte Nightingale wohl nie grundsätzlich in Frage, die Regierung stand in ihren Augen jedoch in der Pflicht, sich um das Gemeinwohl zu kümmern. Und sie warb für Autonomierechte: „Indien steht nicht still. Wir haben viel darüber gesprochen, ihm ‚westliche Zivilisation‘ zu bringen. Und westliche Zivilisation hat ihm – ob wir es wollen oder nicht – westliche Macht verliehen … Und müssen wir ihnen mit westlicher Macht nicht auch Stück für Stück und vorsichtig westliche Verantwortung übertragen? Wenn wir sie ihnen nicht geben, würden sie sie sich nicht nehmen?“
Wenn Florence Nightingale als Erfinderin der modernen Krankenpflege bezeichnet wird, muss man der Ehrlichkeit halber sagen, dass sie nicht bei null anfing. Sie wurde einerseits inspiriert von den katholischen Pflegeorden, andererseits von protestantischen Initiativen, der deutschen Diakonie und in England von anglikanischen Schwesternschaften.
Nightingale wollte einen selbständigen Frauenberuf etablieren, der nur in medizinischen Dingen den Ärzten unterstellt sein sollte, was bekanntlich nicht gelang. Ihr Ausbildungsmodell war jedoch erstmals nicht konfessionell gebunden, wenngleich eine tiefe christliche Motivation für sie unverzichtbar war. Eckpfeiler ihres Konzeptes waren eine allmächtige Oberin, strikte Hierarchien sowie hochmotivierte Pflegeschülerinnen.
Absoluten Vorrang genoss die praktische Ausbildung am Krankenbett, flankiert von der Residenzpflicht im Schwesternwohnheim. Letztere diente sozialer Kontrolle, der „Charakterbildung“ und dem theoretischen Unterricht. Frauen sowohl aus der Mittelschicht als auch aus ärmeren Schichten sollten für den Beruf gewonnen werden, allerdings – das war für sie selbstverständlich – nur Ledige oder Verwitwete mit tadelloser Moral.
Seit den 1980er Jahren wird ihre Rolle zunehmend kritisch gesehen
Die „Nightingale School“ entwickelte sich zum Modell für gute Pflege weltweit, vor allem in protestantischen Ländern. Ein Teil der Pflegegeschichte seit den 1980er Jahren stellt deren Erfolg jedoch quantitativ und qualitativ in Frage und verweist auf enorme Anfangsschwierigkeiten, wenige Absolventinnen, sogar auf schlechte Ausbildung. Der Vorrang von Mütterlichkeit und religiösem Dienen habe der Krankenpflege bis in die Gegenwart geschadet. Dies habe die Professionalisierung blockiert und zu harten Arbeitsbedingungen, mangelnder Wertschätzung sowie niedrigen Löhnen geführt.
Nicht immer werden bei solcher Kritik die Rahmenbedingungen der damaligen Zeit angemessen berücksichtigt. Abwägende Stimmen würdigen aktuell bei aller berechtigten Kritik im Einzelnen Nightingales wichtigen Beitrag für die Pflege und deren Etablierung als respektablen Frauenberuf.
Nightingales Verhältnis zur Frauenbewegung ist umstritten. Mitunter wird sie gar beschuldigt, die Emanzipation behindert zu haben, oft mit dem Hinweis, sie habe das Medizinstudium für Frauen abgelehnt. Sie war nicht generell dagegen, meinte aber, Frauen könnten in der Pflege als eigenständigem Beruf mehr bewirken als in untergeordneter Stellung als Ärztinnen.
Sie war strikt gegen die Legalisierung der Prostitution, dem Kampf um das Frauenwahlrecht schloss sie sich aber nur zögernd an. Hätte sie einen Parlamentssitz, sagte sie einmal, wäre ihr Einfluss auch nicht größer. Dabei übersah sie jedoch, dass die allerwenigsten Frauen über ihre Möglichkeiten verfügten.
Jedoch stand für sie außer Frage, dass Frauen und Männern gleiche Rechte zustanden. „Ich glaube, keiner kann überzeugter davon sein als ich, dass Frauen das Wahlrecht haben sollen. Es ist so wichtig für eine Frau, besonders für eine verheiratete Frau, besonders für eine kluge verheiratete Frau, eine ‚Person‘ zu sein.“
Viele Jahrzehnte lang stellte Florence Nightingale eine ideale Integrationsfigur für das gesamte Empire dar. Sie stand beispielhaft für breite progressive Reformströmungen. Und in den Kriegen und Krisen des 20. Jahrhunderts verkörperte sie Patriotismus und britische Führungsansprüche. Das heroische Bild wurde erst in den 1980er Jahren nachhaltig erschüttert. Nun war sie immer öfter eine neurotische, weiße Snobistin aus der Oberschicht und wurde für fast alle aktuellen Probleme der Pflege verantwortlich gemacht. Als Fazit könnte man sagen, dass man ihre Leistungen im 19. Jahrhundert teils stark überhöhte, während man sie im ausgehenden 20. Jahrhundert zu sehr kleinredete. Zweifellos war sie eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die inspirierte, aber auch polarisierte.
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