Mohandas K. Gandhi reiste durch die Kolonie „Indien“, wurde bei den Massen beliebt, leitete sie zu Satyagraha-Aktionen an, die weltweit Aufsehen erregten – 1947 wurde Indien unabhängig, ohne Krieg. Kwame Nkrumah (1909–1972) tat es ihm nach: Er reiste durch die Kolonie „Goldküste“, wurde bei den Massen beliebt und leitete sie nach Gandhis Vorbild zu „positiven Aktionen“ an – 1957 wurde das Land zum unabhängigen Ghana, ohne Krieg.
Martin Luther King Jr. schrieb, er „erkannte, dass die christliche Lehre von der Liebe, wie sie durch Gandhis Methode der Gewaltfreiheit verwirklicht wird, eine der stärksten Waffen ist, die den unterdrückten Menschen in ihrem Befreiungskampf zur Verfügung stehen“.
Die von Luther King angeleiteten gewaltfreien Aktionen brachten ihn und viele seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter ins Gefängnis – wie in Indien Gandhi und in Ghana Nkrumah sowie viele andere Frauen und Männer in anderen Ländern. Auch Tote waren jeweils zu beklagen. Doch diese Bewegungen hatten häufig Erfolg. So wurde in den USA 1964 auf Bundesebene die gesetzliche Diskriminierung der Schwarzen aufgehoben.
Auch die Philippinen machten bemerkenswert gute Erfahrungen. Eine entscheidende Rolle spielte hier Hildegard Goss-Mayr. Die heutige Ehrenpräsidentin des Internationalen Versöhnungsbundes hatte von James Lawson, einem der Köpfe der Bürgerrechtsbewegung in den USA, gelernt. Dieser wiederum hatte in den 1950er Jahren in Indien Gandhis Streitkunst studiert. Goss-Mayr leitete auf den Philippinen seit 1984 einen gesellschaftlich-politischen, systematischen Lernprozess zu aktiver Gewaltfreiheit an, der 1986 zur Beendigung der Marcos-Diktatur führte.
Die gewaltfreie Streitkunst wird auf den Philippinen „Würde anbieten“ genannt: Im Bewusstsein der eigenen Würde und innerer Stärke bieten die Engagierten denen, die Unrecht unterstützen, an, sich würdig zu verhalten. Sie sprechen die allgemein-menschliche Neigung zum Gutes-Tun in ihnen an und fordern sie heraus, etwa, als Soldaten das Diktatur-Unrecht nicht mehr zu stützen und darum nicht gegen Demonstrierende vorzugehen. So entstand 1986 auf den Philippinen „People Power“. Die Bewegung rang die Militärmacht nieder, ohne Krieg.
In Nepal tobte seit 1996 ein Bürgerkrieg. Die Zivilbevölkerung beendete ihn nach zehn Jahren innerhalb weniger Monate durch einen gewaltfreien Generalstreik.
Estland, Lettland und Litauen wurden 1940 von der Sowjetunion militärisch besetzt und annektiert. 1988 sangen dort Hunderttausende in Versammlungen verbotene patriotische Lieder. Sie bildeten eine 600 Kilometer lange Menschenkette. Als sie sich nach Volksabstimmungen mit großer Mehrheit für unabhängig erklärten, fuhren 1990 in Litauen sowjetische Panzer auf. Furchtlos stellten sich Unbewaffnete diesen entgegen, 14 von ihnen wurden überrollt oder erschossen. Doch nach dem Regierungswechsel erkannte auch Moskau die baltischen Staaten 1990 an. Die „Singende Revolution“ war durch aktiv gewaltfreien Einsatz politisch erfolgreich, ohne Krieg.





