Eine Stadt in der Stadt – mit eigener Kirche, einer Stadtmauer und 67 Häusern trifft diese Beschreibung das Wesen der Fuggerei in Augsburg. Von Jakob Fugger, genannt dem Reichen, im Jahr 1521 gestiftet, handelt es sich um die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt, in der heute auch drei Museen untergebracht sind. Trotz weitgehender Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und nachträglicher Erweiterung des Komplexes in den 1970er Jahren blieb man dem Ursprungsgedanken der Wohnsiedlung treu: in Not geratenen Augsburger Bürgern ein Zuhause zu bieten und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten.
Passiert man das Eingangstor, eines von sieben, kann man nach Gutdünken die acht Gassen durchstreifen. Um mehr über die Gründerfamilie Fugger und die Geschichte der Fuggerei zu
erfahren, ist ein erster Stopp am „Museum der Geschichte“ zu empfehlen. Gleich zu Beginn erhalten die Interessierten eine filmische Einführung in die Geschichte dieser Augsburger Kaufmannsfamilie. Texttafeln, die sich chronologisch über die beiden Museumsräume erstrecken, fassen die genannten Aspekte, unterstützt durch historisches Bildmaterial, nochmals prägnant zusammen.
Im Spätmittelalter war Augsburg eine Schnittstelle des Handels: lokal, regional und weltweit. Aufblühende Wirtschaftszweige, zum Beispiel die Weberei, bildeten den Ursprung des Vermögens, das sich die Familie der Fugger erarbeitete. Den Aufstieg zur Wirtschaftsmacht generierten dann vor allem weitreichende Handelsgeschäfte. Das weltumspannende Netz der Fernhandelswege und Seerouten zu Zeiten Anton Fuggers (1493 –1560) ist anschaulich auf einer Karte dargestellt.
Als zentrale Familienpersönlichkeit und bedeutendster Kaufherr seiner Zeit gilt der eingangs schon erwähnte Jakob Fugger, der Reiche (1459 –1525). Ihm verdanken die Bürger die eindrucksvollen Fuggerhäuser. Daneben wird auch die Rolle der Familie als Finanziers für das Haus Habsburg deutlich: Jakob Fugger finanzierte 1519 mit der ungeheuerlichen Summe von rund 550 000 Gulden in großen Teilen die Wahl Karls V. zum römisch-deutschen König.
Am Ende des kurzen, aber vielfältigen Museumsrundgangs wird der Bogen zur Gegenwart gespannt. Heute leben 150 Menschen in der Fuggerei. Die Aufnahme ist noch immer von den einst festgeschriebenen Kriterien abhängig: bedürftig und ein Bürger katholischen Glaubens aus Augsburg zu sein. Die Jahresmiete beträgt nur 0,88 Euro (früher ein Rheinischer Gulden). Drei Gebete täglich für das Seelenheil der Stifterfamilie sind Bestandteil des Mietvertrags.
Nach diesem geschichtlichen Überblick ist der Besuch des „Museums der Bewohner“ eine naheliegende Ergänzung zu den bis dahin erhaltenen Informationen. Denn nicht nur der historischen Lebenswelt wird hier Aufmerksamkeit geschenkt, vielmehr geht es auch darum, die Weiterentwicklung und zugleich die Kontinuität des mit der Fuggerei Geschaffenen darzustellen.





