2021 wurde das Museum „Narbo Via“ eröffnet. Der großzügige Bau des britischen Architekten Norman Foster beherbergt auf 2700 Quadratmetern eine klug konzipierte Dauerausstellung, die den Besuchern einen exzellenten Einblick in die einstige Bedeutung der Stadt eröffnet – und dies, obwohl zahlreiche Monumente wie das Amphitheater, das Kapitol oder bestimmte Tempelbauten nicht erhalten geblieben sind.
Herzstück des Museums ist eine Steingalerie („Mur lapidaire“). Diese besteht aus 761 bearbeiteten Steinblöcken des antiken Narbo, die im Mittelalter für die Stadtmauer und andere Bauwerke verwendet, im 16. Jahrhundert im Zeichen einer neuen Wertschätzung gerettet und im 19. Jahrhundert in der Kirche Notre-Dame de Lamourguier deponiert worden waren. Ob Häupter von Gorgonen (Schreckgestalten), Götterfiguren, Opferstiere oder Grabinschriften: Die Zeugnisse werden mit Hilfe eines fahrbaren Touchscreens beispielhaft zum Sprechen gebracht. Jeder Besucher kann sich so seine Lieblingsstücke aussuchen und mehr über sie erfahren.
Die folgende Ausstellung ist in sechs Abschnitte unterteilt. Zu Beginn zeigt eine interaktive Karte die Zeit der Stadtgründung, als 2000 römische Siedler an der Aude eine neue Heimat fanden. Daran schließen sich Rekonstruktionen des Stadtbilds im 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. mit Fundstücken aus dieser Zeit an. Zu sehen sind etwa das Fragment einer kolossalen JupiterStatue oder Reste des Tempels auf dem Forum. Eine Stele mit einer Inschrift enthält detaillierte Anweisungen für den Ritus, mit dem Kaiser Augustus in der Stadt verehrt werden sollte. Im Jahr 27 v. Chr. machte der Kaiser Narbo Martius zur Hauptstadt der Provinz Gallia Narbonensis.
Die Gesellschaft ist das Thema des dritten Abschnitts. Zur Blütezeit im 1. Jahrhundert n. Chr. beherbergte Narbo etwa 40 000 Einwohner, von denen Funde aus der nahen Nekropole erzählen. Ein Grabmal zeigt laut Inschrift einen Bäcker mit Mühlstein, Maultier und Hund, auf einem anderen tritt uns ein Apfelverkäufer entgegen. Anrührend wirkt ein schlafender Cupido (Amor), auch er war Teil eines Grabmonuments.
Vom prächtigen Lebensstil der Elite erzählen in der vierten Abteilung spektakuläre Objekte, die aus zwei gallo-römischen Stadtvillen, dem „Haus der Säulenhalle“ und dem „Haus des großen Speisesaals“, stammen. Nicht nur das sehr gut erhaltene Mosaik mit einem trunkenen Bacchus lässt staunen, vor allem die Wandmalereien sind außerhalb Pompejis eine wahre Rarität. Wir erblicken eine geflügelte Victoria mit einem Genius, der ein Füllhorn trägt, zwei Satyrn mit einer schlafenden Nymphe oder eine Traumlandschaft. Die ausdrucksvolle Statue eines Silens (auch Silenos oder Silenus; ein Wesen der griechischen Mythologie) ergänzt den beeindruckenden Einblick in einstige Lebenswelten der Oberschicht.





