Um 1500 besuchten etwa 740 Studenten die Leipziger Universität, das waren etwa zehn Prozent der Einwohner. Dazu kam das Lehrpersonal, 26 Magister bzw. Doktoren. Sie alle belebten die Nachfrage auf dem städtischen Markt, die Studenten aber vor allem indirekt. Logis, Speis und Trank erhielten sie nämlich in den Kollegienhäusern bzw. in den „Bursen“ (der Begriff ist abgeleitet von dem von ihnen zu zahlenden Speisegeld), wo sie als Teil der familia eines Magisters lebten, arbeiteten und verköstigt wurden. Die nötigen Lebensmittel wurden also für sie besorgt. Eine wichtige Ernährungsgrundlage war dünnes Bier, das zollfrei war – ein Privileg der Universität.
Was konsumierten Studenten aber darüber hinaus? Das Gros der Studenten besuchte die Artistenfakultät (später Philosophische Fakultät); etwa ein Viertel von ihnen galt als arm und konnte sich wenig zusätzlich erlauben. Lediglich die Scholaren aus dem Patriziat oder dem Adel leisteten sich häufiger einen Wirtshausbesuch oder ein neues Kleidungsstück. Doch dieser Konsum fiel für Handel und Gewerbe kaum ins Gewicht.
Ganz anders sah dies mit dem Buchgewerbe aus: Es wurde durch Studenten und das Lehrpersonal nachhaltig gefördert. Druckereien, Buchmalerwerkstätten und die oft überregional agierenden Buchhändler profitierten von der Universität. So erschien zwischen 1480 und 1500 die im Vergleich große Anzahl von 1300 Drucken in Leipzig. Dazu spezialisierten sich die Leipziger Drucker auf Schriften, die dem Vorlesungsbetrieb zugrunde lagen und genügend Freiraum ließen, damit die Studenten ihre Mitschriften eintragen konnten. Praktisch jeder Student benötigte diese Materialien, ein sicheres Geschäft für die Drucker.
Und schließlich wurden nicht unerhebliche Bücherkäufe getätigt, von Studenten oder den Lehrpersonen. So kaufte der Dekan der Artistenfakultät 1480 so viele Bände für die Bibliothek, dass sich die ausgegebene Summe auf halb so viel wie die umfangreichen Reparaturkosten für das Gebäude des Pädagogiums belief. Zudem konnte das Buchgewerbe die universitären Gerichts- und Steuerprivilegien nutzen, was ihm zusätzlich Aufschwung verlieh. So trug die Universität deutlich zum wirtschaftlichen Aufstieg Leipzigs im 15. Jahrhundert bei.
Autorin: Dr. Heike Talkenberger





