Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. stand Athen für Macht und Kunst, aber auch für den Willen, die eigenen Interessen durchzusetzen. Wohl keine andere Person verkörperte in sich diese Widersprüche so wie Alkibiades. Er wurde hineingeboren in eine der angesehensten Familien Athens, war vielseitig begabt, gutaussehend und charmant. Er bezauberte die Menschen und machte schnell von sich reden. Doch wie ein antiker Biograph schrieb, waren seine stärksten Leidenschaften der Ehrgeiz und die Sucht, der Erste zu sein. Daher bewunderten ihn seine Mitbürger nicht nur, sie fürchteten ihn auch. In Abwesenheit verurteilten ihn die Athener zum Tod, weil er angeblich einen Umsturz geplant hatte. Gekränkt lief er über zum Erzfeind Sparta, doch auch den Spartanern wurde Alkibiades schnell unheimlich. Als sie ihn ermorden wollten, suchte sich der Opportunist wieder Verbündete in Athen; zunächst im Lager der Aristokraten, dann bei den Demokraten. Alkibiades war das gleich, solange er Anerkennung erhielt.