Ausländische Arbeitskräfte erhalten eine Ausbildung
Im Jahr 1982 gab es etwa 30 000 solcher nicht-deutschen Produktionsarbeiter, zum Ende der DDR waren es etwa 93 000 Menschen. Die Anzahl war gestiegen, weil seit dem Ende der 1970er Jahre Vertragsarbeiter aus dem globalen Süden in die DDR kamen, um in der Wirtschaft eine Ausbildung zu erhalten und dann nach einigen Jahren des „Learning by Doing“ in ihre Heimat zurückzukehren. Dort sollten in der Zwischenzeit Produktionsbetriebe gebaut werden.
Hier sollten dann die fachlich ausgebildeten Heimkehrer eine neue Ökonomie in den von Kolonialismus und Krieg befreiten Ländern aufbauen, um die Folgen der Kolonialzeit oder des Bombenterrors der USA in Vietnam zu überwinden. Das betraf vor allem junge Menschen aus Vietnam (rund 60 000 im Jahr 1989), Mosambik (etwa 21 000), Kuba (8 000) und Angola (1300). 39 000 Personen aus der „Dritten Welt“ studierten in dieser Zeit kostenfrei in der DDR.
Vor allem am Beispiel dieser ausländischen Werktätigen hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Wissenschaft ein Narrativ festgesetzt, welches mit der Wirklichkeit kaum etwas zu tun hat. Diesen teils skurrilen Behauptungen soll auf der Grundlage neuerer historischer Forschungen in aller Kürze widersprochen werden.
So heißt es etwa, die Vertragsarbeiter wären in die DDR geholt worden, um hier die Wirtschaft am Leben zu erhalten. In Wirklichkeit waren die ausländischen Arbeitskräfte nicht existentiell für die DDR-Wirtschaft. Bis Mitte der 1980er Jahre arbeiteten in der materiellen Produktion weniger als 0,25 Prozent; im Jahr 1989 war es ein Prozent. Die DDR hatte auf Bitten der genannten Länder reagiert, Tausende junge Leute aufgenommen und ihnen zunächst eine kostenfreie berufliche Ausbildung ermöglicht (was die Entsendestaaten ursprünglich gar nicht wollten). Allerdings nahm in den letzten Jahren der DDR die Anzahl der Ausbildungsstunden ab.
Ein häufiger Vorwurf ist, dass die Vertragsarbeiter unterbezahlt worden wären. Stattdessen verdienten sie als Produktionsarbeiter genauso viel wie ein DDR-Arbeiter; oftmals aufgrund der proklamierten „Arbeiter- und Bauernherrschaft“ sogar mehr als Ärzte oder Angehörige anderer intellektueller Berufsgruppen.
Außerdem heißt es, sie wären ausgebeutet worden und hätten die schlechteren Arbeiten in den Betrieben ausüben müssen. Man muss jedoch bedenken, dass Ausländer, die oft noch keine moderne Industrie kennengelernt hatten und nicht immer den Abschluss als Facharbeiter erlangten, ähnlich den DDR-Kollegen als Hilfsarbeiter beschäftigt und entlohnt werden mussten.





