Es sind nicht neue Erkenntnisse, die den Anlass zu diesem Buch gaben, sondern das Autorenteam will ein Kaleidoskop dessen präsentieren, was Reisen in römischer Zeit alles bedeuten konnte. Eine kurze Einführung verrät, dass bei der Idee zu diesem Buch der Pavillon „Reisen und Verkehr“ im Archäologischen Park Xanten Pate stand.
Den Mittelpunkt bilden zwei große Themenkomplexe. „Den Römern auf der Spur“ behandelt Straßen und Karten, während „Menschen unterwegs“ sich mit Logistik, Organisation und Funktionen des Reisens befasst – inklusive der Gefahren, denen die Reisenden ausgesetzt waren. Es folgen zwei eher technisch angelegte Kapitel aus der Werkstatt des Xantener Archäologischen Parks: zum einen eine Expertise über die Rekonstruktion römischer Kutschen, zum anderen eine akribische Beschreibung der revolutionären Erfindung des Zuggeschirrs.
Der Band ist reich bebildert und vermittelt, ebenso wie zahlreiche Zitate aus den Quellen, ein hohes Maß an Anschaulichkeit. Rubriken mit dem Titel „Wissenswertes“ vermitteln nützliche Informationen zu römischen Straßennamen, zum Phänomen der Romanisierung und zu archäologischen Fachbegriffen.
Instruktiv ist das Verfahren, das Lesepublikum durch die Kontrastierung antiker Bedingungen des Reisens mit vertrauten, modernen Verhältnissen auf Besonderheiten, aber auch auf Gemeinsamkeiten aufmerksam zu machen. Dabei geht das Erstaunen über die Römer gelegentlich zu weit und führt zu eher trivialen Aussagen wie: „Wenn auch bei den Römern längst nicht jeder reiste, waren einige Bevölkerungsgruppen doch erstaunlich oft und lange unterwegs.“ Jedenfalls lieferte das Römische Reich mit seiner perfekten Infrastruktur beste Bedingungen zum Reisen. Die Lektüre des Buches bereitet viel Vergnügen. Es besticht durch eine hohe Dichte an spannenden Informationen und macht Lust, sich an die Fersen der reisenden Römer zu heften.
Rezension: Prof. Dr. Holger Sonnabend
LVR-Archäologischer Park Xanten/LVR-RömerMuseum (Hrsg.)
Auf Achse mit den Römern. Reisen in römischer Zeit
Nünnerich-Asmus Verlag, Oppenheim 2020, 135 Seiten, € 15,–





