Ein Beispiel für eine Niederlassung der Zisterzienserinnen liefert das Kloster Bergen auf Rügen. Seine Anfänge sind eng mit der dänischen Eroberung Rügens und seiner Christianisierung verbunden. Rügen wurde nach der Eroberung des slawischen Zentrums Arkona 1168/69 in den roskildischen Kultraum integriert, wobei auf der Insel besonders die Verehrung der Heiligen Maria und Lucius, des Patrons von Bistum und Dom zu Roskilde, gefördert wurde.
Selbstredend handelt es sich bei der Bergener Klosterkirche, deren Baubeginn man auf 1170/1180 datiert, um eine Marienkirche. Architektonisch spiegelt die Kirche, an die das vom dänischen Vasallen, dem Rügen-Fürsten Jaromar I. (vor 1141–1218), 1193 erst als Institut von Benediktinerinnen gegründete Frauenkloster Bergen angegliedert wurde, die Nähe zum dänischen Königtum wider. Denn sie wurde in baulicher Anlehnung an die Benediktinerabtei in Ringsted auf Seeland errichtet, wo der erste Backsteinbau in Dänemark stand, der sowohl Krönungskirche als auch Grablege der Königsdynastie sein sollte. Als erste Nonnen wurden zwölf Benediktinerinnen aus dem Roskilder Kloster der Heiligen Jungfrau Maria in Bergen aufgenommen.
Jaromar I. gründet das Kloster, um seine Herrschaft zu sichern
Das Kloster, dem als zentrale Aufgabe die Pflege des liturgischen Gedächtnisses des Stifters und seiner Familie zugedacht war, wurde von Jaromar mit einem umfangreichen, aber zerstreut liegenden Landbesitz ausgestattet. Darin und überhaupt in der Gründungsgeschichte spiegelt sich das auch andernorts erkennbare Ziel der Herrschaftssicherung und des Landesausbaus durch ein solches Frauenkloster wider. Schon vor 1215 schloss sich dieses indes dem Zisterzienserorden an. Auch dieser Wechsel kann mit der bis ins 15. Jahrhundert fortbestehenden Nähe Bergens zu Dänemark und Roskilde begründet werden. Denn wichtiger Partner des dänischen Königtums war der damals noch junge Reformorden der Zisterzienser. Vom dänischen Esrom aus wurden nicht von ungefähr die bedeutenden Zisterzen Eldena und Kolbatz gegründet.
Territorien übergreifend, lebten die meisten der zisterziensischen Frauenklöster zwar nach den Regeln der Zisterzienser, waren dem Orden aber nicht inkorporiert. Bergen gehörte zu den wenigen Frauenklöstern, die tatsächlich Teil des Ordens wurden, obwohl dieser eigentlich Nonnenniederlassungen in seinen Reihen ablehnte. Die Inkorporation in den Orden sicherte einem Frauenkloster Teilhabe an den Ordensprivilegien und die Seelsorge durch Ordensmitglieder, kam jedoch auch einem großen Verlust an Unabhängigkeit gleich. Denn damit wurde es dem Vaterabt eines Männerklosters unterstellt. Im Bergener Fall war dies der Abt des Zisterzienserklosters Eldena vor den Toren Greifswalds.
Gerade ein Klosterleben nach der Lebensweise der Zisterzienser, ohne dem Orden unmittelbar anzugehören, konnte verhältnismäßig große Freizügigkeit bedeuten. Dies machte die Niederlassungen für weltliche Stifter und für mit diesen oftmals identische, sozial hochstehende Eltern, die ihre Töchter ins Kloster gaben, um sie Nonnen werden zu lassen, besonders attraktiv. Denn das betreffende Kind erwartete innerhalb der Klostermauern ein Leben, das seinem sozialen Status angemessen war und weiterhin enge Kontakte mit der Welt erlaubte.





