Fehden, Epidemien und ein allgemeiner Bevölkerungsrückgang prägten das 14. und 15. Jahrhundert. Insbesondere die große spätmittelalterliche Agrarkrise betraf alle Gesellschaftsschichten, so auch die christlichen Orden. Das Gemeinschaftsleben ging zurück, religiöse und intellektuelle Aktivitäten versiegten.
Auch die Prämonstratenserinnen und Prämonstratenser bildeten keine Ausnahme. Die Gründe des spürbaren Verfalls waren von Region zu Region unterschiedlich. In vielen Abteien, etwa Altenberg an der Lahn, Hamborn oder Cappenberg, dominierten aristokratische Mitglieder. Diese erhoben Anspruch auf ein standesgemäßes Leben, und so trat die strenge prämonstratensische Lebensweise oft in den Hintergrund. In anderen Klöstern war, parallel zum allgemeinen Bevölkerungsrückgang, der Nachwuchs ausgeblieben. Zudem war die strenge Lebensweise des Ordens nur noch für wenige Menschen attraktiv.
Vor diesem Hintergrund lockerten etliche Konvente ihre Aufnahmebedingungen, was zum Verfall des geistlichen Niveaus beitrug: Handarbeit wurde vernachlässigt, das Fasten reduzierte man auf das Nötigste. Insbesondere die in der Ordensregel verankerte Forderung nach völliger Armut wurde vielerorts missachtet. Das prämonstratensische Ideal wurde insgesamt nur noch halbherzig verfolgt.
Der Orden versuchte vor allem im 15. Jahrhundert, dem Verfall innerhalb seiner Klöster entgegenzuwirken, und wurde dabei teilweise von den Landesherren und den geistlichen Fürsten unterstützt. Die durch Visitationen aufgedeckten Missstände betrafen fast alle Aspekte des Ordenslebens. So hatten die Prämonstratenserinnen des Klosters Meer die drei zentralen Gelübde von Armut, Keuschheit und Gehorsam, das Schweigegebot und das Tragen des Ordenskleides nicht in aller Strenge befolgt. Im Frauenkloster Oelinghausen besaß eine Schwester privates Eigentum und bezog Einkünfte. Für das Kloster Hamborn ist der Erwerb einer „Erbrente von drei rheinischen Gulden“ durch den Konventualen Johann Stael vermerkt, die er oder seine Erben sich „am Sankt Martinstag im Winter … abgabenfrei auszahlen lassen“ konnten. Weltliche Geschäfte nahmen auch im Kloster Elsey überhand. Der zuständige Propst hatte sogar zwei Konkubinen und zahlreiche Kinder.
Der Papst und die Ordensführung mahnen eine Erneuerung an
Die beiden Päpste Pius II. (1458–1464) und Sixtus IV. (1471–1484) forderten mit jeweils einer Bulle die geistlichen Orden auf, Reformen durchzuführen. Auch das Generalkapitel der Prämonstratenser war bestrebt, das Ordensleben in den Gemeinschaften zu erneuern, und gab 1505 neue Statuten heraus. Inhaltlich konzentrierten sich diese auf die Einhaltung des Armutsgelübdes und der Klausurbestimmungen, die Beachtung der Fastengebote und der Abstinenz sowie die Beteiligung am Chordienst. Die Umsetzung der Reformen war jedoch mit etlichen Schwierigkeiten verbunden und keineswegs immer erfolgreich. So scheiterten etwa im Kloster Meer die ersten Reformversuche. Die Impulse zur Beseitigung der eklatanten Missstände im Kloster Hamborn gingen von Herzog Johann I. von Kleve (1448–1481) aus, waren aber auch in diesem Fall aufgrund der Reformunwilligkeit der dortigen Chorherren wenig effektiv. Der Abt des Stiftes Heiligenberg bat sogar darum, sein Kloster zu visitieren und das Privateigentum abzuschaffen.





